Neue Generation von albanischen Imamen will reineren Islam

Kirche in Not macht auf die fundamentalistische Abdrift des Balkanlandes aufmerksam

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ROM, 19. Juli 2012 (ZENIT.org). – „Die jungen Imame predigen eine andere Auffassung des Islam, als sie heute in Albanien vorherrscht. Dadurch entstehen neue Spannungen“. Nach einer mehrtägigen Reise durch das Balkanland wies Peter Rettig, Osteuropa-Referent von Kirche in Not, auf einen „gefährlichen Trend“ hin.

Noch sei die Lage, die von den albanischen Partnern von KIN geschildert wird, nicht wirklich besorgniserregend. Trotzdem dürfe man die jüngsten Ereignisse nicht unterschätzen. „Die neue islamische Geistlichkeit ist in der Türkei und in Saudi Arabien ausgebildet worden“, erklärt Rettig, „und verlangt einen ‚reineren‘ und strengeren Islam“. Diese Haltung habe nicht wenig Spannung innerhalb der verschiedenen islamischen Gemeinden geschaffen. Vereinzelt seien auch Christen betroffen worden.

Diese Spannung sei nicht vor Ort entstanden, sondern „importiert“ worden. Die Mehrheit aller Albaner lebt friedlich mit Andersgläubigen zusammen. Albanien sei eine Brücke nach Europa und es sei unmöglich, so der KIN-Referent, „das große Interesse von Türkei und Saudi Arabien“ an diesem Land zu übersehen. Beide Ländern unterstützen die Gründung neuer islamischer Schulen.

Jedenfalls sei die mögliche Islamisierung Albaniens keine Bedrohung für eine dauerhafte Entwicklung des Landes. Viel schwerwiegender seien in diesem Zusammenhang die weitverbreitete Korruption und die unklaren Besitzverhältnisse bei Immobilien. Besonders Letzteres, so Rettig, sei „ein schweres Hindernis für die Vorhaben der Kirche, weil dadurch der Bau von Kirchen, Kapellen und Pfarrgebäuden erschwert wird“.

Oft sei auch die Religionszugehörigkeit vieler Albaner unklar. Es fehlen zuverlässige Statistiken und die Bürger selbst haben oft nicht die geringste Kenntnis des Glaubens, zu dem sie sich bekennen. Amtlichen Schätzungen zufolge sollen etwa 60 Prozent der 3,2 Millionen Einwohner Sunniten sein. Etwa 8 Prozent seien dagegen Bektashi, Angehörige einer islamischen Derwisch-Bruderschaft. Orthodoxe Christen sollen etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, während es nur etwa 10 Prozent Katholiken gebe.

Die Albanische Kirche hat nie eine Untergrundorganisation besessen. Unter dem kommunistischen Regime waren alle Priester verhaftet worden.

Kirche in Not unterstützt schon seit Jahren die fünf Diözesen Albaniens und die Apostolische Administration Südalbaniens. Der nach Zusammenbruch des Kommunismus begonnene Wiederaufbau ist noch nicht beendet, und viele Besitzungen der Kirche, die das Regime des Diktators Enver Hoxha beschlagnahmt hatte, sind noch nicht zurückgegeben worden. Die Stiftung päpstlichen Rechts – die 2011 mehr als 200.000 Euro an die Lokalkirche spendete – wird auch weiterhin verschiedene seelsorgerische Projekte finanzieren.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]