Neue humanitäre Krise im Sudan

Tausende Flüchtlinge und Vertriebene aus den Grenzgebieten

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Von John Newton

LONDON, 8. September 2011 (ZENIT.org/KIN). - Die katholische Kirche bietet Soforthilfe angesichts einer neuen humanitären Krise im Sudan, die von einem abermaligen Ausbruch der Kämpfe im Blue-Nile-Staat verursacht wurde.

Der Konflikt brach am Donnerstag, dem 1. September in der Stadt Damazin aus, nachdem das südsudanesische Militär mit Sitz in Khartum und die Soldaten der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) Nord sich bewaffnete Angriffe auf Regierungsgebäude geliefert hatten.

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Angriffe. Am Freitag (2. September) rief die Regierung in Khartum den Notstand im sudanesischen Staat Blue Nile aus, das an den neu geschaffenen Staat Südsudan grenzt.

Den örtlichen Gouverneur Malik Agar (Mitglied der SPLM Nord) entband Khartoum von seinen Pflichten.

Weihbischof Daniel Adwok von Khartoum, Bischofsvikar für die pastorale Region Kosti einschließlich Damazin, hat Notfallpläne für die Pfarrei von Singa entwickelt, wo sich inzwischen Tausende von Vertriebenen eingefunden haben.

In seinem Schreiben an das katholische Hilfswerk Kirche in Not am Samstag (3. September) bat der Bischof um Geldmittel, um den Flüchtlingen helfen zu können.

KIN reagierte auf das Gesuch von Bischof Adwok mit einem Anfangsbetrag von € 15.000, um die Arbeit der Kirche mit den Vertriebenen zu unterstützen.

Die Art der Nothilfe erläuternd, die die Kirche den Flüchtlingen bereitstelle, sagte Bischof Adwok: „Das Pfarrzentrum von Singa kann als kirchliche Organisation die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Decken sowie Geld für die Weiterreise in sicherere Gebiete ausstatten.“

„Viele Zivilisten haben die Stadt [Damazin] verlassen und flüchten in verschiedene Richtungen“, beschrieb der Bischof gegenüber KIN die humanitäre Situation in der Region.

„Eine beträchtliche Anzahl von Menschen  wählte dabei die Sennar Straße, die Route von Damazin nach Singa.

Diejenigen, die Singa erreichten, stehen nun vor der Schwierigkeit, sich selbst zu ernähren - und Schutz zu finden, da sie Damazin in Eile verließen, ohne etwas mitzunehmen.

Momentan haben viele Menschen im Pfarrzentrum in Singa Zuflucht gesucht.

Andere sind in Privathäusern in der Stadt untergekommen, aber es wird immer schwerer für diese Familien, alle zu versorgen.

Wir hören, dass im Moment nur der ‚Rothalbmond’ von Sudan in der Stadt wirke, aber die Kapazitäten scheinen durch das Ausmaß der benötigten Hilfe erschöpft zu sein.

Er fügte hinzu: „Uns wurde berichtet, dass viele ältere Menschen, die sich nicht weit von der Stadt wegbewegen konnten, etwa 10 km weit entfernt von der Stadt auf dem gleichen Weg von Damazin nach Singa liegengeblieben seien.

Andere blieben bei Arun, das ein bisschen weiter entfernt ist, bei Wad El Nail und Abu Naama zurück."

Der Bischof berichtete KIN, dass der Kirche genaue Informationen fehlten; er habe aber davon Kenntnis, dass eine bedeutende Zahl auch zur äthiopischen Grenze und in die Ingassena-Berge unterwegs sei.

Der UNHCR erwähnte, dass den Berichten zufolge mindestens 16.000 Menschen die Grenze nach Äthiopien überquert hätten.

Nach den Angaben der Sudan Human Rights Organisation in Kairo seien bei den Kämpfen 17 Menschen getötet worden; Zehntausende lebten unter primitiven Bedingungen außerhalb von Damazin.

Der Blue Nile Staat ist die dritte Grenzregion, in der Kämpfe ausgebrochen sind, seitdem der Südsudan im Juli seine Unabhängigkeit erlangte.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Englischen]