Neue Impulse für den christlich-islamischen Dialog aus Frankreich

Katholische Priester und muslimische Imame suchen die Verständigung

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LYON, 12. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Was veranlasst 200 katholische Priester und muslimische Imame dazu, sich einen ganzen Samstag lang in einem technischen Gymnasium zu versammeln?“, fragt Jean-Philippe Vigouroux in seiner Zeitschrift „Oasis“ anlässlich eines Treffens für Vertreter der beiden Religionsgemeinschaften. Seine Antwort: „das Bedürfnis, einander und den Glauben des jeweils anderen besser kennen zu lernen“.



Der Tag der Begegnung, von dem er spricht, fand am 16. November 2007 im Gymnasium La Mache nahe bei Bachut in Lyon statt. Organisiert wurde das Treffen gemeinsam von der Diözese Lyon und dem muslimischen Regionalrat Rhône-Alpes (CRCM).

Beiden Seiten ging es darum, über eine Haltung der bloßen Toleranz und manchmal auch des Misstrauens hinauszukommen und eine Beziehung von authentischem und dauerhaftem Vertrauen aufzubauen. Das sei zwar auf höchster Ebene schon der Fall, genüge aber nicht, erklärte Azzedine Gaci vom muslimischen Regionalrat. „Seitdem Christen und Muslime letztes Jahr gemeinsam eine Reise nach Algerien unternommen haben, hat sich das Verhältnis zwischen beiden verbessert. Wenn mir der Kardinal eine Frage stellt, weiß ich, dass er es ernst meint und mir keine Falle stellen will. Das ist gegenseitige Bereicherung.“

P. Jacques Bolon von der Diözese Lyon unterstrich die Bedeutung der „Logik der Begegnung“ im Allgemeinen und dieser Reise nach Algerien 2006 im Besonderen. Diese Logik müsse sowohl in den Pfarreien als auch in den Moscheen gelebt werden. Seit der Algerienreise werden deshalb überall in der Region Rhône-Alpes vermehrt Konferenzen und öffentliche Treffen zu diesem Thema veranstaltet. „Es geht nicht mehr nur um einfache Prinzipien. Wir stehen am Anfang eines Dialogs, der dabei ist, immer mehr Gestalt anzunehmen.“

Die Themen, die während der Treffen zur Sprache kommen, betreffen zum Beispiel die Organisation der Institutionen der beiden Religionen, das alltägliche Leben eines Priesters oder Imams, religiöse Erziehung, Sterbebegleitung oder die Lektüre des Korans beziehungsweise der Bibel.

Ein Muslim fragte etwa im Rahmen einer solchen Debatte: „Tragen Christen, was die Zukunft der Menschheit angeht, eine Verantwortung?“ Und ein christlicher Vertreter wollte seinerseits mehr über das muslimische Offenbarungsverständnis wissen.

Azzedine Gaci bringt diese neue Entwicklung in der christlich-islamischen Beziehung mit folgenden Worten auf den Punkt: „Wir kennen einander nicht genug und müssen in gegenseitigen Austausch eintreten, damit die Barrieren, die mühevoll errichtet wurden, fallen können.“

[Von Anita Bourdin; Übersetzung aus dem Französischen von Sandra Kladler]