Neue Instruktion setzt auf verantwortete Gewissensentscheidung nach dem Vorbild Jesu

Gehorsam muss in einen kollegialen Suchweg eingebettet werden

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ROM, 29. Mai 2008 (ZENIT.org).- Verantwortete Gewissensentscheidung und kollegiale Klärungsprozesse auf dem Suchweg nach Gottes Willen sind die Eckpfeiler eines Gehorsams, der sich an Jesus Christus orientiert und allen Christen aufgegeben ist. Das sind Kriterien, die besonders in Werken, die ihre Mitglieder durch die evangelischen Räte, besonders das Versprechen des Gehorsams, an ihr Institut gebunden haben, für den Dienst der Leitung eine Herausforderung darstellen.

Das neue Dokument aus dem Vatikan, „Der Dienst der Autorität und der Gehorsam“, behandelt diese heißen Eisen auf über fünfzig Seiten.

Die Instruktion wurde gestern von der Päpstlichen Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens veröffentlicht und erschien als Beilage der italienischen Ausgabe des „Osservatore Romano" und wurde auch von „Radio Vatikan" und vor der im Salesianum tagenden Oberenkonferenz vorgestellt.

„Die Wurzel des Gehorsams", so heißt es in dem Dokument, sei vor allem „die Suche nach Gott und seinem Willen“. Ihn zu entdecken sei ein innerer Anruf, der für jeden Gläubigen gelte. Alle Getauften seien aufgerufen zu gehorchen, denn „der christliche und religiöse Gehorsam ist nicht zuerst oder nur die Ausführung von kirchlichen oder religiösen Gesetzen oder Vorschriften, sondern Zeit für einen Suchweg nach Gott, der vom Hören auf sein Wort bestimmt ist, vom Bewusstsein für seine Vorstellungen von Liebe, für die grundlegende Erfahrung Christi, der aus Liebe gehorsam bis zum Tod am Kreuz gewesen ist".

Deshalb sei Autorität im geweihten Leben als ein konkreter Dienst an der Gemeinschaft zu verstehen - damit der Wille Gottes gesucht und verwirklicht werde.

In dem Dokument wird auch das Thema des „schwierigen Gehorsams" im Rahmen des geweihten Lebens angesprochen, „wenn von einem Ordensmann oder einer Ordensfrau etwas erbeten wird, was besonders schwer auszuführen ist", beziehungsweise wenn man, wie es der heilige Franz von Assisi formuliert habe, „für die eigene Seele eben gerade das als besser und angemessener erachtet, was der Obere anordnet". Die innere Weite einer solch großherzigen und bewussten Entscheidung inspiriere sich an Christus.

Vor allem betont das Dokument die Anerkennung der verantworteten Gewissensentscheidung in bestimmten Fragen, die nach Weisung Pauls VI. im Text der Enzyklika Humanae vitae Nr. 29 zu finden sei und „noch heute" dazu beitragen könne, „das unter Gehorsam nicht nur die Ausführung von Aufträgen verstanden wird, die passiv und unverantwortlich erledigt werden“.

Christlicher Gehorsam gründe auf „Mitvollzug“ einer Person, die „bewusst Verpflichtungen übernimmt und dies mit dem Bewusstsein tut, dass eben diese konkrete Umsetzung der Wille Gottes ist". Die Leiter von Orden und Gemeinschaften des geweihten Lebens werden in diesem Zusammenhang dazu eingeladen, „gemeinschaftliche Klärungsprozesse“ einzuleiten, um bedeutende Fragen zu klären.

Die höchste Autorität in einem Orden oder einem Institut geweihten Lebens, so heißt es in der neuen Instruktion, besitze, was „endgültige Entscheidungen“ angeht, ein kollegialer Organismus, das Generalkapitel oder eine ähnlich aufgebaute Versammlung. Niemand könne daran zweifeln, dass die jeweilige Gemeinschaft „der Ort ist, an dem der Wille Gottes erkannt und umgesetzt wird".