Neue internationale Gebetsinitiative „B16“ zur geistlichen Vorbereitung auf den Papstbesuch in Österreich

Interview mit P. Andreas Schätzle, Leiter des Referats für Berufungspastoral in der Erzdiözese Wien

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WIEN, 3. Juli 2007 (ZENIT.org).- Zur geistlichen Vorbereitung des Papstbesuches nach Österreich, der am Montag vom Heiligen Stuhl offiziell bestätigt wurde, haben die päpstlichen Missionswerke in Österreich in Zusammenarbeit mit der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien die internationale Gebetsinitiative B16 ins Leben gerufen.



Gegenüber ZENIT erklärte P. Andreas Schätzle, Leiter des Referates für Berufungspastoral in der Erzdiözese Wien und Programmdirektor von „Radio Maria Österreich“, dass sich jeder an der Aktion beteiligen könne. „Es geht um einen Frühling des Geistes in der Kirche Europas“, betonte er. Nach Worten des Priesters sollten möglichst viele Menschen im In-und Ausland in diese konkrete Form der geistlichen Vorbereitung eingebunden werden, denn der Papstbesuch in Österreich nehme europäische Dimensionen an.

„Wien, Mariazell, Heiligenkreuz – das sind europäische Zentren. Wien als politische und kulturelle Brückenstadt zwischen Ost und West, Mariazell als geistliches Zentrum der mitteleuropäischen Völker, Heiligenkreuz als Kristallisationspunkt theologischer Ausbildung und ökumenischer Begegnung.“

Das Programm des Papstbesuches in Österreich im Überblick:

Freitag, 7. September

-- Ankunft und Begrüßung in Wien-Schwechat (später Vormittag)
-- Gebet mit den Gläubigen an der Mariensäule bei der Kirche „Zu den neun Chören der Engel" Am Hof (voraussichtlich um 12.45 Uhr)
-- Begegnung mit Vertretern des Öffentlichen Lebens und dem Diplomatischen Corps in der Hofburg (später Nachmittag)

Samstag, 8. September (Pilgerreise nach Mariazell)

-- Heilige Messe mit Gläubigen aus Österreich und Mitteleuropa am Vorplatz der Wallfahrtsbasilika (voraussichtlich um 10.30 Uhr)
-- Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Diakonen und Seminaristen in der Wallfahrtsbasilika (voraussichtlich um 16.45 Uhr)

Sonntag, 9. September

-- Heilige Messe im Stephansdom (voraussichtlich um 10.00 Uhr)
-- Angelus-Gebet auf dem Stephansplatz (12.00 Uhr)
-- Besuch des Stifts Heiligenkreuz (voraussichtlich um 16.30 Uhr)
-- Begegnung mit Ehrenamtlichen aus Kirche und Gesellschaft im Wiener Konzerthaus (voraussichtlich um 17.30 Uhr)
-- Abschiedsfeier am Flughafen Wien-Schwechat und Rückreise nach Rom (abends)

Im Gespräch mit ZENIT erläuterte P. Schätzle auch, was das Leitwort für den Papstbesuch „Auf Christus schauen“ auszudrücken beabsichtigt.

ZENIT: Die neue Initiative b16.at dient der geistlichen Vorbereitung auf den Papstbesuch in September, richtet sich aber nicht nur an Österreicher, sondern an ganz Europa. Worin besteht sie?

-- P. Andreas Schätzle: „B16“ steht natürlich für Benedikt XVI., „b16.at“ für den Papst in Österreich.

„B16“ ist eine Abkürzung, die zum erstenmal beim Weltjugendtag in Köln auf den T-Shirts der Jugendlichen aufgetaucht ist. Jugendliche Dynamik brauchen wir für einen Aufbruch der Kirche in Österreich und in Europa. 1998 im Salzburger Dom hat Johannes Paul II. den jungen Menschen zugerufen: „Der Papst traut eurer Jugend zu, dem alten Europa ein christliches Gesicht zu geben!“ Und bei seiner bedeutenden Europarede in der Wiener Hofburg führte er aus: „Österreich ist von einem Grenzland zu einem Brückenland geworden!“

Dieser Papstbesuch hat europäische Dimension. Österreich ist das einzige Land in Europa, das der Heilige Vater in diesem Jahr besucht. Es geht um eine Stärkung der Kirche in Europa, um einen Neuaufbruch! Deshalb haben wir diese Initiative (www.b16.at) in acht weitere Sprachen übersetzt, um möglichst viele Menschen im In- und Ausland in die Dynamik dieses Papstbesuches einzubeziehen.

Auch die Stationen des Papstbesuches zeugen von dieser europäischen Dimension: Wien, Mariazell, Heiligenkreuz – das sind europäische Zentren. Wien als politische und kulturelle Brückenstadt zwischen Ost und West, Mariazell als geistliches Zentrum der mitteleuropäischen Völker, Heiligenkreuz als Kristallisationspunkt theologischer Ausbildung und ökumenischer Begegnung.

ZENIT: Wie entstand die Idee zur Schaffung eines solchen „Gebetsnetzes“?

-- P. Andreas Schätzle: Die Idee entspringt zwei starken Anregungen: zum einen die Sehnsucht, dass möglichst viele Menschen an der Freude und Gnade dieses Papstbesuches teilnehmen. Der Papstbesuch hat ja längst begonnen. Dieser Papstbesuch ist ein Kairos für Österreich, eine Gnadenzeit, die nicht an uns vorübergehen darf. Diese Gnaden wollen erbeten sein – auch stellvertretend für viele, die derzeit noch kein Interesse oder sogar Ablehnung zeigen. Zum zweiten erinnern wir uns an die Stadtmission 2003 in Wien, sicher einer der stärksten Momente der letzten Jahre. „Wie ein Strom haben die Gebetsinitiativen die Mission in Wien getragen“, hat Kardinal Schönborn im Anschluss an diese Tage damals festgestellt.

Herzstück der Gebetsbewegung waren konkrete Gebetspatenschaften, die sowohl von einzelnen Personen als auch von Gemeinschaften oder Pfarren übernommen worden sind. Neben dem Gebet zum Heiligen Geist kann jeder über die Homepage www.b16.at eine konkrete Gebetspatenschaft für den Papstbesuch übernehmen. Es geht um einen Frühling des Geistes in der Kirche Europas.

ZENIT: „Auf Christus schauen“: Unter diesem Motto steht der diesjährige Besuch des Heiligen Vaters. Wie kann uns der Blick auf den Papst helfen, den Blick für Christus frei zu bekommen?

-- P. Andreas Schätzle: Bestechend ist die Bescheidenheit dieses Papstes. Erinnern wir uns an seine ersten Worte auf dem Balkon des Petersdoms unmittelbar nach seiner Erwählung: „Dopo il grande Papa, Giovanni Paolo II, i Signori Cardinali hanno eletto me un semplice, umile, lavoratore nella vigna del Signore“ – einen einfachen, demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Diese Demut ist zugleich auch seine Tranzparenz für Christus.

Franz Beckenbauer etwa war wie überrumpelt von der Begegnung mit dem Papst: „Ich habe selten einen Menschen mit dieser Ausstrahlung, dieser Güte, dieser Freundlichkeit im Antlitz gesehen.“ Diese Begegnung bezeichnete der „Fußballkaiser“ als sein „absolutes Highlight“, das ihn sein Verhältnis zur Kirche neu überdenken ließ: „Ich habe mir alle Reden geben lassen, die er auf seinem Deutschland-Besuch gehalten hat. Da steht immer wieder drin: ‚Geht hin zur Kirche und bekennt euch‘.“ Das heißt es ist die Faszination Christi selber, die in Papst Benedikt aufleuchtet.

„Auf Christus schauen“ heißt zugleich, in die Schule Mariens zu gehen. Es ist jener Blick Mariens, die wie niemand sonst Jesus gekannt und geliebt hat.

Papst Benedikt betet in seiner Enzyklika „Deus caritas est“: „Maria, zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm. Lehre uns ihn kennen und ihn lieben!“ Die Bischöfe haben dieses Gebet als Vorbereitungsgebet einer neunmonatigen Novene auf den Papstbesuch gewählt.

„Auf Christus schauen“ heißt weiterhin, in die Schule des Evangeliums zu gehen. Der brillante Theologe Joseph Ratzinger lehrt uns einen durch und durch biblisch fundierten Blick auf das Geheimnis „Jesus von Nazareth“.

ZENIT: Welche Bedeutung hat die Mariazeller „Magna Mater Austriae“ für unser Glaubensleben? Was für einen Stellenwert hat die Wallfahrt?

-- P. Andreas Schätzle: Wallfahrt heißt immer Aufbrechen, mich Gott zuwenden mit Leib und Seele. Es ist ein leibhaftiges Bekenntnis, dass Gott uns entgegenkommt. Er ist der erste Pilger: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgestiegen.“

Wallfahrtsorte sind Orte, wo der Himmel die Erde berührt und wo Menschen der heilenden Liebe Gottes begegnen und nach mühevollem Weg, Bild für unser Leben, bei Gott ausruhen, neue Kraft schöpfen. Der Weg ist wichtig, aber er dient der Vorbereitung der Begegnung mit Gott im Heiligtum. Wunderbar hat das der 84. Psalm beschrieben: „Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten. Ziehen sie durch das trostlose Tal, wird es für sie zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen. Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; dann schauen sie Gott auf dem Zion.“

Maria ist eben die, die uns zu Jesus führt, die uns versammelt als Kirche, Leib Christi. Das ursprüngliche Leitmotiv, das die Bischöfe für den Papstbesuch ausgesucht hatten, war ja eine Aktualisierung von Apg 1,14 für die Kirche in Österreich und Europa: „Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“

ZENIT: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Papstbesuch?

-- P. Andreas Schätzle: Meine Hoffnung ist, dass diese Wochen zu einer echten Glaubenserneuerung führen, dass die Mauern kirchlicher Lethargie durchbrochen werden und die Kirche ihre missionarische Frische wiederentdeckt. Da erhoffe ich mir auch eine starke Botschaft von Seiten des Papstes – zugleich auch als Frucht des Gebetes und der gemeinsamen Wallfahrt!