Neue Kampagne ruft zum entschiedeneren Kampf gegen die weltweite Armut auf

1,2 Milliarden Menschen leben in äußerster Armut

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ROM, 20. Januar 2005 (ZENIT.org).- Eine zu Beginn dieser Woche vorgestellte Kampagne der italienischen Caritas und des "Verbands der Christlichen Organisationen des Internationalen Freiwilligendienstes" (FOCSIV) fordert alle Regierungen dazu auf, die internationalen Abmachungen im Kampf gegen die Armut einzuhalten: Bis zum Jahr 2015 soll die weltweite Armut um die Hälfte reduziert worden sein.



“Es geht um die Mobilisierung weiter Kreise der katholischen Welt, damit wir uns alle neu bewusst werden, dass es einer vereinten Kraftanstrengungen bedarf, damit die Menschenwürde verteidigt werden kann”, erklärte die italienische Caritasorganisation beim Start ihrer Sensibilisierungskampagne.

”Der tragische Notfall, der durch den Tsunami ausgelöst wurde, hat die Augen der Welt auf die strukturellen Schwächen und die Verwundbarkeit von Bevölkerungsgruppen gerichtet, die Opfer der Armut und der Ungerechtigkeit sind. Aber eine noch tragischere Katastrophe geißelt tagtäglich die Südhalbkugel dieser Erde: Milliarden von Menschen leben inmitten von Elend."

Angesichts der alarmierenden Zahlen, die das Ausmaß der Hungersnot und die Auswüchse der Armut weltweit verdeutlichen, “reiche die gelegentliche großzügige menschliche Hilfe nicht aus”. Vielmehr müsse man “langfristige Lösungsvorschläge erarbeiten, die ein langfristiges Engagement seitens der internationalen Staatengemeinschaft" erforderten.

”Durch die Vorkommnisse in Südostasien weiß sich die Gesellschaft mit ihren Einrichtungen und Institutionen zu einem neuen Einsatz verpflichtet, um den Staaten die Notwendigkeit der Verfolgung der vorrangigen Ziele im Kampf gegen die Armut erneut vor Augen zu halten."

Besonders wichtige Anlässe seien dafür drei Termine in diesem Jahr: der G8-Gipfel in Schweden im kommenden Juli, die 60. Vollversammlung der Vereinten Nationen über die Umsetzung der Zielvorgaben und die Internationale Welthandelskonferenz in Hongkong im Dezember.

“Eine angemessene Politik der Zusammenarbeit und der Solidarität ist das beste Werkzeug, um Frieden, Sicherheit und Entwicklung zu fördern und gleiche Rechte und Chancen für all jene zu garantieren, die in Armut und Elend leben müssen”, so die Erklärung.

Aktuellen, vergangenen Montag der Weltöffentlichkeit vorgestellten Schätzungen der UNO zufolge kostet das vereinbarte Ziel der Halbierung der Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 rund 135 Billionen Dollar jährlich. Diese Summe soll bis zum Zieljahr auf 200 Billionen Dollar ansteigen. Die Erarbeitung dieser Zahlen und die dazugehörigen Erläuterungen zur Erreichung dieses "Millenniumsziels" der UNO habe drei Jahre gedauert, besagt eine Pressemeldung. Im Vergleich zu den veranschlagten Ausgaben der Regierungen für militärische Zwecke und angesichts der enormen Einnahmen vieler Länder seien diese Größenordnungen aber gering, hieß es.

Hauptverantwortlich für die UN-Studie ist der Wirtschaftswissenschaftler der Universität von Columbia, Jeffrey Sachs. Das UN-Millenniumsprojekt UN-Millenniumsprojekt ist ein beratendes, unabhängiges Organ, das zur Erreichung der acht Millenniumsziele eingerichtet wurde. Diese Ziele sind: Den Anteil der extrem armen und hungernden Weltbevölkerung zu halbieren; allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen; die Gleichstellung der Geschlechter und die politische, wirtschaftliche und soziale Beteiligung von Frauen, insbesondere im Ausbildungsbereich, zu fördern; die Kindersterblichkeit zu verringern; die Gesundheit der Mütter zu verbessern; HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten zu bekämpfen; den Schutz der Umwelt zu verbessern; eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufzubauen.

Über 1,2 Milliarden Menschen leben weltweit in äußerster Armut. Über 850 Millionen Menschen leiden an chronischem Hunger, und rund 5 Millionen Kinder sterben jährlich, weil ihnen die nötige Nahrung fehlt.

Anlässlich des Botschafterneujahrsempfangs im Vatikan erklärte Papst Johannes Paul II. den Kampf gegen Hunger in der Welt zu einer der vier vorrangigen Herausforderungen der heutigen Menschheit. Unter anderem sagte er: "Eine angemessene Antwort auf diese Not, die an Ausmaß und Dringlichkeit zunimmt, erfordert eine gewaltige Mobilisierung der öffentlichen Meinung; dasselbe gilt umso mehr für politische Führungspersönlichkeiten, besonders in jenen Ländern, die einen ausreichenden oder gar blühenden Lebensstandard genießen."