Neue Laizität und „spirituelle Befreiung“

Benedikt XVI. steckt den Weg in die Zukunft ab

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ROM, 15. September 2008 (ZENIT.org).- Ein wesentlicher Punkt der Ansprache Benedikts XVI. vor den französischen Bischöfen in Lourdes bestand im Themenbereich der Laizität sowie dem Verhältnis der Kirche zum säkularen Staat. In diesem Zusammenhang forderte der Heilige Vater auch eine neue „spirituelle Befreiung“.



Benedikt XVI. erinnerte die Hirten daran, dass er beim Empfang im Elysée-Palast die Besonderheit der französischen Situation erwähnt habe, die der Heilige Stuhl respektieren wolle. Nationen dürften es nie akzeptieren, „dass das, was ihre eigene Identität ausmacht, verschwindet“. Eine Nation müsse dafür Sorge tragen, die eigene Kultur zu bewahren und zu entwickeln, ohne sie je von anderen vereinnahmen oder „in einer farblosen Einförmigkeit“ untergehen zu lassen.

Die Hervorhebung der christlichen Wurzeln Frankreichs hingegen solle es jedem Bewohner erlauben, besser zu verstehen, woher er kommt und wohin er geht.

Der Papst forderte demzufolge, dass im Rahmen der bestehenden Institutionen und unter voller Achtung der geltenden Gesetze ein neuer Weg gefunden werde, um im Alltag die grundlegenden Werte, auf denen die Identität der Nation aufgebaut ist, auszulegen und zu leben. Darauf habe auch Präsident Sarkozy in seiner Begrüßungsansprache hingewiesen.

Misstrauen und Feindseligkeit gehörten immer mehr der Vergangenheit an, fuhr Benedikt XVI. fort. „Die Kirche beansprucht für sich nicht die Stelle des Staates. Sie will sich nicht an die Stelle des Staates setzen.“ Die Kirche sei eine auf Überzeugungen gegründete Gemeinschaft, die sich für das Ganze verantwortlich wisse und sich nicht auf sich selbst beschränken könne. Sie spreche in Freiheit und trete in den Dialog ein, um den Aufbau der allgemeinen Freiheit zu erreichen.

Zum Schluss seiner Ansprache betonte Benedikt XVI. die Notwendigkeit, für eine spirituelle Befreiung tätig zu sein. „Der Mensch hat es immer nötig, befreit zu werden von seinen Ängsten und Sünden. Der Mensch muss unaufhörlich lernen oder wieder lernen, dass Gott nicht sein Feind ist, sondern sein gütiger Schöpfer. Der Mensch braucht das Wissen, dass sein Leben einen Sinn hat und dass er am Ende seines irdischen Daseins erwartet wird, um auf ewig an der Herrlichkeit Christi im Himmel teilzuhaben.“

Die Bischöfe haben nach Worten des Papstes die Aufgabe, das Volk Gottes zur Erkenntnis dieses Ziels zu führen.