Neue Verfahrensregeln für die Laisierung von Priestern

Kardinal Hummes schreibt den katholischen Bischöfen

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ROM, 4. Juni 2009 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche will in Zukunft keine Grauzonen mehr dulden, wenn es um das Priestertum geht. Priester, die mit einer Frau zusammenleben, zivil heiraten, Kinder haben, ihr Amt seit fünf Jahren nicht mehr ausüben oder aus irgendeinem anderen Grund ihre eigentliche Tätigkeit aufgeben, ohne dies ihrem Bischof mitzuteilen und Antrag auf Laisierung zu stellen, können nach einem Verfahren auf Initiative des zuständigen Ortsbischofs aus dem Priesteramt entlassen werden. Diese neuen Befugnisse gelten nicht für die Fälle sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, die weiterhin in den Zuständigkeitsbereich der Kongregation für die Glaubenslehre fallen.

Die neuen Zuständigkeiten der Kongregation für den Klerus teilte der Präfekt dieses Dikasteriums, Kardinal Cláudio Hummes, in einem Brief an alle Bischöfe mit. Das berichtete Catholic News Service (CNS), der Anfang Juni eine Kopie des Schreibens zugesandt wurde. Der Brief soll Anfang Juli veröffentlich werden.

Gegenüber CNS erklärte Kardinal Hummes gestern, Mittwoch, dass die neue schnellere Verfahrensregelung zur Laisierung von Priestern notwendig geworden sei, da man es heute mit vielen Situationen zu tun habe, denen gegenüber sich die bisherige kirchenrechtliche Regelung als unangemessen erwiesen hätte.

Als Beispiel verwies der Kurienkardinal auf die Tatsache, dass der Codex des kanonischen Rechts aus dem Jahr 1983 nicht vorsehe, dass der Bischof einen Laisierungsprozess für einen Priester initiieren könne, der sein Amt aufgegeben hat.

Der übliche Weg zur Laisierung beginnt damit, dass der Betreffende den Bischof über seine neue Situation informiert und von diesem Anfangspunkt aus das Verfahren zur Laisierung eingeleitet wird.



Viele Priester jedoch, so der Präfekt der Kongregation für den Klerus, würden zivil heiraten und hätten Kinder. In diesem Fall wäre es dem Bischof unmöglich, ein Verfahren gegen die Person einzuleiten, die ihr Amt aufgegeben habe.

Gebe ein Priester sein Amt auf, ohne daran interessiert zu sein, seine Stellung in Ordnung zu bringen, so bestehe das Wohl der Kirche und das Wohl des betroffenen Priesters darin, dass er dispensiert werde, „so dass er in einer korrekten Situation leben kann, besonders wenn er Kinder hat".

Kardinal Hummes hielt fest, dass auch die Kinder eines Priesters ein Recht auf einen Vater hätten, der sich in den Augen Gottes und nach dem eigenen Gewissen in einer korrekten Situation befindet. Diesen Menschen zu helfen sei die Grundabsicht der neuen Verfahrensregelung. In solchen Fällen liege es nunmehr am Bischof, die Initiative zu ergreifen.

In seinem Brief an die Bischöfe betont der Kardinal, dass die große Mehrheit der Priester ihre priesterliche Identität tagtäglich in großer Harmonie lebten und ihr Amt voller Glauben ausübten. Wenn es allerdings zu Fällen komme, die Anstoß erregen, müsse es dem Bischof ermöglicht werden, schnell und entschlossen zu handeln.

Der Ortsbischof wird in dem Schreiben zu einer sorgfältigen Untersuchung des Tatbestands angehalten. Sollte der Missstand bestätigt werden, so sollte der Bischof formal dazu schreiten, den Betroffenen zu korrigieren oder zu ermahnen. Sollte dies nicht ausreichend sein, um den Skandal zu bereinigen, die Gerechtigkeit wieder herzustellen und eine Rehabilitierung des Betroffenen zu ermöglichen, müsse der Bischof diesen mit den gebotenen Strafen belegen.

In jeder Phase des Prozesses, so betonte Kardinal Hummes gegenüber CNS, müsse das Recht des Betroffenen auf Verteidigung gewahrt bleiben. Auch wenndas Verfahren gestrafft worden sei, werde jeder Fall einzeln geprüft. Ziel sei es nämlich, dafür Sorge zu tragen, dass die Rechte der betroffenen Person geschützt würden.

Papst Benedikt XVI. hat die neuen Normen am 30. Januar 2009 approbiert. Bisher war es notwendig, dass ein Bischof, der einen Priester laisieren wollte, weil dieser sein Amt aufgegeben oder zivil geheiratet hatte, einen formalen kanonischen Prozess aufnehmen musste, der viele Jahre dauern konnte.