Neuer Appell des Papstes für den Frieden im Nahen Osten

Empfang für die Mitglieder der Vereinigung der Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO)

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ROM, 25. Juni 2009 (ZENIT.org).- Nie wieder Krieg und Gewalt im Heiligen Land! Der heutige Empfang für die Mitglieder der Vereinigung der Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO) bot Papst Benedikt XVI. erneut Gelegenheit, laut über einen der größten Krisenherde der Welt nachzudenken. Die im Heiligen Land ansässige Ortskirche ist vom Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sehr direkt betroffen. Mit großer Deutlichkeit ging der Papst deshalb auf die Lage im Gaza-Streifen ein. Besonders beleuchtete er die Situation der Immigranten und forderte, dass dieses Problem kompetent und mit solidarischer Gesinnung angegangen und gelöst werde.



Benedikt XVI. verwies auf die grundlegende Bedeutung von zwei Aspekten: Zunächst müsse alles „Unnütze“ vermieden werden, um dire Lage „nüchtern“ einschätzen zu können. Diese gelte für die Weltwirtschaftskrise, das Drama der Immigranten und den nicht enden wollenden Konflikt im Nahen Osten. Darüber hinaus müsse angesichts der realen Bedürfnisse der Menschen dringen Hand angelegt und Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden. Das sei der „Grundstein für den Frieden“, so Papst Benedikt.

In seiner Ansprache erinnerte der Papst, der sich vier unterschiedlicher Sprachen bediente, an seine jüngste Reise ins Heilige Land. Er sprach von den „vielen Gnadenmomenten“, die er erlebt habe, als er die katholische Gemeinde im Heiligen Land habe stärken und ermutigen können, weiterhin Zeugnis vom Glauben abzulegen, und bekräftigte anschließend: „Ich erneuere mein Gebet und meinen Appell, dass kein Krieg mehr herrsche, keine Gewalt, keine Ungerechtigkeit! Ich möchte euch versichern, dass die universale Kirche an der Seite all unserer Brüder und Schwestern steht, die im Heiligen Land leben.“

Während Benedikt XVI. an den bevorstehenden Abschluss des Paulusjahres erinnerte, betonte er, dass die Nächstenliebe „die fruchtbare Quelle eines jeden Dienstes in der Kirche, sein Maß, seine Methode und seine Verifizierung ist“. Es sei dies das Maß, nach dem die ROACO und die Kongregation für die Orientalischen Kirchen ihre Initiativen ausrichteten. Diese Bewegung der Nächstenliebe müsse allerdings vernünftig, gut organisiert und weitblickend sein, um die richtigen Prioritäten zu setzen.

Auf Deutsch sagte der Papst: „Liebe Freunde der ROACO, mit besonderer Wertschätzung begleite ich euer Wirken in dieser weltweit heiklen Wirtschaftslage, die den kirchlichen Liebesdienst insgesamt und insbesondere die bereits in Angriff genommenen sowie die zukünftigen Projekte eurer Hilfswerke in Mitleidenschaft zu ziehen droht. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, euch wie auch die Hilfswerke, die ihr vertretet, zu einer zusätzlichen Anstrengung aufzurufen, um die richtigen Prioritäten auszumachen. Aus dem Geist des Glaubens wie auch durch kompetente Analysen und mit der notwendigen Nüchternheit können damit unnötige Entscheidungen korrigiert und die gegenwärtigen Notlagen wirksam angegangen werden; zum Beispiel die Situation der Flüchtlinge und Migranten, von der die Orientalischen Kirchen besonders stark betroffen sind, und der Wiederaufbau des Gazastreifens, der noch immer sich selbst überlassen ist, wobei auch der berechtigten Sorge Israels um seine Sicherheit Rechnung zu tragen ist. Gegenüber den völlig neuartigen Herausforderungen bleibt der kirchliche Liebesdienst wirksames Heilmittel und eine sichere Investition für die Gegenwart und die Zukunft.“

Abschließend gedachte Benedikt XVI. des soeben begonnenen Priesterjahres und bat die Mitglieder der ROACO in diesem Zusammenhang, sich besonders um die Priester und Seminaristen zu kümmern.
 
„Als ich am vergangenen Freitag das Priesterjahr eröffnete“, so Benedikt XVI., „habe ich alle Priester der Welt mit einem besonderen Gedanken an jene, die im Osten wie im Westen außerordentlich schwierige Zeiten und Prüfungen durchmachen, dem Herzen Christi und der Unbefleckten Mutter anempfohlen.“

Der Präsident der Vereinigung der Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO) ist der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen. Der Einrichtung gehören mehr als dreißig Hilfswerke aus verschiedenen Ländern an, die sich finanziell in unterschiedlichen Sektoren einsetzen: beim Bau von Kirchen, bei der Bereitstellung von Stipendien, bei der Schaffung schulischer und sozialer Einrichtungen. Außer der „Catholic Near East Welfare Association“ (USA), die von Papst Pius XI. im Jahr 1928 approbiert wurde, und der Päpstlichen Mission für Palästina (USA), die 1949 entstand, gehören zur ROACO Werke, die in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Österreich finanzielle Mittel beschaffen.