Neuer "Bericht über die menschliche Entwicklung 2005" fordert verstärktes Engagement für die Armen

UNDP: In 18 Ländern ist der Lebensstandard gesunken

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WIEN, 7. September 2005 (ZENIT.org).- Nach dem neuen "Bericht über die menschliche Entwicklung 2005" des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der heute, Mittwoch, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt worden ist, sind die UN-Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 ohne grundlegenden politischen Änderungen nicht zu erreichen.



Der in diesem Jahr veröffentlichte "Index für die menschliche Entwicklung" zeigt, dass der Lebensstandard in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara sowie in den GUS-Staaten, den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, gesunken ist. 18 der ärmsten Länder der Welt, in denen 460 Millionen Menschen leben, schneiden demzufolge bei den meisten der wichtigsten Indikatoren – Lebenserwartung, Bildungsgrad, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf – heute schlechter ab als noch im Jahr 1990. Von dieser Verschlimmerung betroffen sind vor allem der Tschad, Mali, Burkina Faso und Sierra Leone. Schlusslicht im Ranking des heute zum 15. Mal veröffentlichten Index ist die westafrikanische Republik Niger. Den höchsten Lebensstandard genießt Norwegen, gefolgt von Island und Australien. Die Schweiz befindet sich hinter Schweden und vor Irland, Belgien und den USA auf Platz sieben, Österreich hinter Frankreich und vor Italien auf Platz 17 und Deutschland nach Italien und Neuseeland auf Platz 20, noch vor Spanien.

"Die 500 reichsten Personen der Welt verfügen gemeinsam über ein größeres Einkommen als die ärmsten 416 Millionen", mit diesen Worten macht der neue UNDP-Bericht auf die ganze Dramatik der gegenwärtigen Weltsituation aufmerksam, durch die 2,5 Milliarden Menschen oder 40% der Weltbevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen müssen und nur einen Anteil von fünf Prozent am weltweiten Einkommen haben.

Die eindrucksvollen Zahlen und Fakten, die wenige Tage vor der am 13. September beginnenden 60. ordentlichen Jahrestagung der UNO-Generalversammlung in New York veröffentlicht worden sind, fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, den Kampf gegen die Armut in der Welt engagierter und großherziger anzugehen. Nur durch eine mutige und intensive Zusammenarbeit in den drei Bereichen Entwicklungshilfe, Handel und Sicherheit sei eine Verbesserung der Situation herbeizuführen. Die Industriestaaten müssten mehr finanzielle Ressourcen für die Entwicklungshilfe freigeben und diese Gelder zielgerichteter einsetzen als bisher. Handelsbarrieren seien abzubauen und eine damit in Zusammenhang stehende "Besteuerung der Armen" müsse aufhören. Im Bereich der Konfliktprävention sei noch vieles möglich. Vor allem in Afrika sind Konflikte laut den Analysen des UNDP-Berichts das "größte Entwicklungshindernis". Die Förderung der Rechtsstaatlichkeit gehöre deshalb zu einem wesentlichen Instrument der Armutsbekämpfung.

Im Jahr 2015 lebten nach dem gegenwärtigen Trend 827 Millionen Menschen in extremer Armut – 380 Millionen mehr, als wenn die international vereinbarten Zielvorgaben erreicht würden. Weitere 1,7 Milliarden Menschen lebten von weniger als zwei US-Dollar pro Tag.