Neuer Generalsekretär für Caritas Internationalis

Nachfolge der vom Vatikan nicht wieder zugelassenen bisherigen Generalsekretärin Lesley-Anne Knight

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ROM, 31. Mai 2011 (ZENIT.org). – Der Franzose  Michel Roy (Caritas Frankreich) ist bei der Generalversammlung von Caritas Internationalis für die nächsten vier Jahre zum neuen Generalsekretär gewählt worden.  Roy tritt die Nachfolge der britischen Entwicklungshilfe-Expertin Lesley-Anne Knight  an, die von 2007 bis 2011 als Generalsekretärin der Caritas Internationalis diente. Anlass für diese notwendig gewordene Neuwahl war das verweigerte „nihil obstat“ des Vatikans gegenüber der vorherigen Amtsträgerin Lesley-Ann Knight, was zu erheblichen Spannungen zwischen der Caritas-Dachorganisation und dem Vatikan geführt hatte.

Roy ist derzeit Leiter des internationalen Anwaltschaftsprogramms von Secours Catholique (Caritas Frankreich). Seit 30 Jahren steht er im Dienst der französischen Caritas. Er arbeitete in der globalen  Regierung an der Verbesserung der Entwicklungsfinanzierung, an der Förderung von Frieden und Lobbyarbeit der Rohstoffindustrie durch seine Mitgliedschaft im Vorstand der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) und als Koordinator der Französischen „Publish What You Pay“ (Mach publik, was du zahlst)-Plattform.

Im seiner Ansprache an die Generalversammlung in Rom in der vergangenen Woche sagte Roy unmittelbar nach der Abstimmung, er sei „sehr bewegt“ über seine Wahl. „Ich möchte Lesley-Anne für ihre geleistete Arbeit und auch Ihnen allen für ihr Engagement in diesem Netzwerk herzlich danken, das die Hoffnung der Armen für den Aufbau einer besseren Welt widerspiegelt“, fügte er hinzu.

Roy wird als Generalsekretär neben Oscar Rodríguez Kardinal Maradiaga, dem Erzbischof von Tegucigalpa, Honduras, dienen, der für eine zweite Amtszeit als Präsident von Caritas Internationalis wiedergewählt worden war.

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Spannungen zwischen dem Vatikan und der Hilfsorganisation damit auch zukünftig ausgeräumt sind.

Der deutsche Caritas-Präsident Peter Neher hatte in einem Gespräch mit „Domradio“ vom gestrigen Montag die Arbeit von Frau Knight verteidigt und behauptet, die Ablehnung durch den Vatikan sei „ohne Angabe von Gründen erfolgt, wie das ja häufig bei solchen Verweigerungen des ‚nihil obstat‘ der Fall ist“.

Papst Benedikt hingegen hatte in seiner Ansprache (ZENIT berichtete)an die Teilnehmer der Generalversammlung bei ihrer Audienz zum Abschluss der Generalversammlung das katholische Profil der Hilfsorganisation eingefordert und dessen Leitung durch die Bischöfe und Amtsträger der Kirche betont, was auch die Stärke der Organisation sei und deren Unterscheidung zu anderen Hilfsorganisationen darstelle. Die Tätigkeit habe in vollkommener Übereinstimmung mit der katholischen Lehre zu erfolgen. Zugleich verlangte der Papst eine „kompetente und transparente“ Führung der Hilfsorganisation. Ohne den Bezug auf Gott bestehe die Gefahr, Opfer „schädlicher Ideologien“ zu werden, so Benedikt XVI.

Von deutscher Seite sei von einer „Rückkehr zum Klerikalismus“ gesprochen worden, berichtet „domradio“.

Die Caritas-Mitglieder waren bis vergangenen Freitag zur 19. Generalversammlung des Verbandes der diözesanen Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt in Rom zusammengekommen. Die diesjährige Generalversammlung war gekennzeichnet vom 60. Jahrestag der Gründung des Dachverbands, der weltweit 165 eigenständige nationale Caritasverbände unter sich vereint. Der Deutsche Caritasverband zählte in den 50er Jahren zu den Gründungsmitgliedern und wesentlichen Impulsgebern der internationalen Caritas-Idee. 1951 wurde die Konföderation mit 13 Mitgliedsorganisationen gegründet, die sich 1957 den Namen Caritas Internationalis gab. Caritas Internationalis ist Bestandteil der katholischen Kirche, hilft jedoch allen Menschen unabhängig von deren ethnischer Herkunft, Glaubensbekenntnis, Nationalität oder Weltanschauung. Caritas ist eines der größten humanitären Netzwerke der Welt. (jb)