Neuer Master-Studienlehrgang "Kirche, Ökumene und die Religionen" startet im Oktober

Interview mit Universitätsprofessor Joan Andreu Rocha

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ROM, 3. Juni 2005 (ZENIT.org).- Es ist unbedingt erforderlich, den eigenen Glauben gut zu kennen, bevor man mit Vertretern anderer Religionen und christlichen Konfessionen spricht. Dieser Überzeugung ist Professor Joan Andreu Rocha Scarpetta von der Päpstlichen Universität "Regina Apostolorum" in Rom.



Zusammen mit Pater Thomas Williams LC, dem Dekan der Theologischen Fakultät der genannten Hochschule, hat er den Master-Studienlehrgang "Kirche, Ökumene und die Religionen" entwickelt, der ab Oktober 2005 angeboten wird. Im Interview mit ZENIT gibt Professor Rocha Auskunft über die Inhalte des neuen Kurses.

ZENIT: Warum wird dieser Master-Studienlehrgang angeboten, wenn es doch bereits einige Kurse zur Ökumene gibt?

Rocha: Dieser Master-Lehrgang möchte auf das Bedürfnis antworten, die verschiedenen Religionen im konkreten Kontext der heutigen Welt besser kennen zu lernen – in einer Welt, in der die religiöse Dimension zwar eine wesentliche Rolle spielt, die aber auch relativistisch geprägt ist, weil sehr oft die Grundkenntnisse fehlen.

Es gibt natürlich auch andere Initiativen zur Förderung des ökumenischen und interreligiösen Dialogs, aber wir interessieren uns gerade für die Voraussetzungen eines authentischen Dialogs: den anderen zu kennen. Der Dialog kommt danach.

Der Studienlehrgang ist vor allem für Menschen gedacht, die wissen möchten, was christliche Konfessionen, andere Religionen und alternative religiöse Bewegungen – Sekten, New Age, usw. – eigentlich sind, was sie glauben und was die katholische Kirche über sie sagt.

So gesehen orientiert sich dieser Kurs also ganz nach Wunsch von Papst Benedikt XVI., der es als seine "primäre Verpflichtung" ansieht, "unermüdlich für die volle und sichtbare Wiederherstellung der Einheit aller Jünger Christi zu arbeiten".

ZENIT: Glauben Sie, dass das Bemühen um die Ökumene und den interreligiösen Dialog den missionarischen Eifer und die Evangelisierung beeinträchtigen kann?

Rocha: Wir müssen hier zunächst einmal eine Unterscheidung vornehmen: Ökumene ist vom interreligiösen Dialog sehr verschieden, auch wenn der neue Master-Lehrgang beide integriert. Ökumene ist das Streben nach Einheit unter allen Christen, die aus historischen und doktrinellen Gründen getrennt sind, für die aber Jesus Christus der Maßstab ist. Jesus Christus möchte, "dass alle eins seien". Wenn die Christen nicht geeint sind, dann ist es schwer, in der Welt überzeugend aufzutreten.

Ohne Ökumene werden Mission und Evangelisation geschwächt, weil man hinausschaut, ohne das eigene Problem behoben zu haben. Somit ist es von entscheidender Bedeutung, dass man zuerst die anderen Konfessionen, Kirchen und christlichen Gemeinschaften gut kennt, bevor man einen Dialog eingeht, der zur Einheit führt.

Der interreligiöse Dialog ist etwas völlig anderes. Als Katholik muss man die Ursachen für die religiösen Unterschiede verstehen und sie als historische und kulturelle Tatsachen akzeptieren. Warum gibt es verschiedene Religionen? Welche Bedeutung kommt ihnen im Licht der Offenbarung Christi zu? Damit wir diese Fragen stellen können, müssen wir aber wissen, was die anderen Religionen sind.

Die Grundlage für jeden Dialog sind Kenntnisse und die eigene Identität. Wenn man nicht weiß, wer man ist und wer die anderen sind, dann hat es keinen Sinn, einen Dialog zu führen.

Auch die Mission beruht auf solchen Kenntnissen. Für sie ist der Dialog niemals ein Ersatz. Vielmehr ist der authentische Dialog, wie es das Lehramt deutlich gemacht hat, ein Aspekt der Mission, der vor allem darin besteht, vom eigenen Glauben Zeugnis zu geben.

Dialog bedeutet nicht, die eigene Identität preiszugeben, sondern sie im gemeinsamen Gespräch zu bekräftigen, weil man die Andersartigkeit des Gesprächspartners, aber auch die Besonderheit des eigenen Glaubens anerkennt.

Mit unserem Kurs möchten wir die notwendigen Elemente bieten, die einen fruchtbaren ökumenischen und interreligiösen Dialog erst ermöglichen können, nämlich die Grundkenntnisse über die anderen christlichen Konfessionen, Religionen und alternativen religiösen Bewegungen. Und wir werden zeigen, wie ähnlich und verschieden sie vom katholischen Glauben sind.

ZENIT: Wie ist der Lehrgang aufgebaut?

Rocha: Ziel des Mater-Studienlehrgangs ist es, jene Elemente anzubieten, die es ermöglichen, den eigenen Glauben gegenüber anderen Konfessionen und Religionen vertreten und begründen zu können und Geschichte, Lehre, Eigentümlichkeiten und heutige Bedeutung dieser Konfessionen, Religionen und alternativen religiösen Bewegungen zu kennen.

Um das zu erreichen, findet der zweijährige Master-Lehrgang jeden Mittwochnachmittag statt. Er gliedert sich in vier Blöcke: Vergleichende Religionswissenschaft, christliche Bekenntnisse und Ökumene, große Weltreligionen und interreligiöser Dialogs sowie alternative religiöse Bewegungen.

Die christlichen Bekenntnisse und die großen Weltreligionen werden vorgestellt, die historischen Zusammenhänge aufgezeigt und theologische Dokumente und Texte des Lehramts studiert, die ihre Beziehungen zum katholischen Glauben darlegen.

Zusätzlich werden die Kursteilnehmer verschiedene Texte lesen, die per Internet abrufbar sein werden.

Im ersten Studienjahr werden die Grundzüge der großen Religionen (erstes Halbjahr) und die Beziehungen zwischen dem katholischen Glauben, den anderen christlichen Konfessionen und dem Judentum (zweites Halbjahr) vermittelt. Der Master-Lehrgang beginnt im Oktober 2005.

[Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: andreurocha@upra.org]