Neuer Staat Südsudan

Friede und guter Wille - aber für wie lange?

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Von John Pontifex

JUBA, Dienstag, 12. Juli 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Die friedliche Staatsgründung des Südsudans sei ein gutes Zeichen für die noch junge Nation, aber noch könne es zu einer Katastrophe kommen, wenn die ernsthaften Probleme nicht schnell angegangen würden, warnten führende Bischöfe der Region.

Bischof Eduardo Hiiboro Kussala zeigte sich begeistert über den erfolgreichen Verlauf der Formalitäten im Rahmen der Unabhängigkeit des Südsudans am Samstag, dem 9. Juli, und bezeichnete diesen Tag als einen „wunderbaren Tag in der Geschichte unseres Volkes“.

Der Bischof sprach von einer friedlichen und freudvollen Stimmung sowohl in der neuen Hauptstadt Juba wie in seinem Bistum Tambura-Yambio, in dem 65 Prozent Katholiken sind. Die Menschen seien „sehr optimistisch“ und hätten „hohe Erwartungen“ an die Zukunft.

Während einer Gebetswache in Yambio am Vorabend des Unabhängigkeitstags habe unter den Menschen eine freudige Stimmung geherrscht, und die Hochstimmung habe am nächsten Tag angehalten, als große Menschenmengen an Messen in der ganzen Region teilgenommen hätten, berichtete Bischof Hiiboro.

In einem Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ sagte Bischof Hiiboro von Yambio im südsudanesischen Bundesstaat Western Equatoria: „Die Feierlichkeiten verliefen hier wunderbar. Es war wirklich ein Segen Gottes, dass es keine Gewalt gab.“

Gleichzeitig warnte der Bischof, der im Oktober 2010 Ehrengast der britischen Veranstaltungen von „Kirche in Not“ in London und Schottland gewesen war, vor zukünftigen ernsthaften Schwierigkeiten.

Der Bischof verwies auf die Berichte über Dürren, die die Ernten bedrohten. Dieses Problem habe sich durch die Rückkehr von Tausenden von Menschen aus Flüchtlingslagern in der Nähe Khartum, der Hauptstadt des Sudans, verschärft.

Die Bedenken von Bischof Hiiboro finden sich auch in einem Hirtenbrief, der am Tag der Unabhängigkeit herausgegeben wurde. Darin drückt er seine „gemischte Gefühle“ über die Zukunft aus.

Mit Hinweis auf die humanitären Auswirkungen des Konfliktes schrieb der Bischof: „Die Herausforderung ist immens. Manchmal muss wirklich eine Entscheidung getroffen werden: Was muss ich aufgeben, damit dieser Mensch Essen, Kleidung, eine Unterkunft und so weiter bekommt?“

Unterdessen warnte Weihbischof Daniel Adwok von Khartum in einem Interview mit „Kirche in Not“ vor der zunehmenden Gefahr von Konflikten, die sich von den umstrittenen Regionen in der Nähe der Grenze des Südsudans mit dem Norden, darunter der Bundesstaat Blue Nile und der ölreiche Bundesstaat Abyei, ausbreiteten.

Bischof Adwok: „Ich glaube nicht, dass der Süden tatenlos zusehen wird, wenn er sieht, wie ihre ehemaligen Verbündeten sterben und auf andere Art und Weise leiden.“

Laut Berichten sind bisher an die 170.000 Menschen durch die Kämpfe im Südkordofan vertrieben worden.

Bischof Adwok wies weiter auf die Bedrohung hin, die durch die sieben oder mehr am Konflikt im Südsudan beteiligten Milizgruppen besteht.

Bischof Adwok, der für den Dialog eintritt, der bei früheren Konfliktlösungen angestrebt wurde, erklärte: „Dies sind große Aufgaben. Wenn sich die Regierung des Südsudans nicht hinsetzt, um die von den Milizen aufgeworfenen Probleme zu behandeln, könnte es ein Albtraum werden, ohne Stabilität für den Süden.“

Bischof Adwok berichtete, dass in Khartum die regierende Nationale Kongresspartei aufgrund der Pläne gespalten sei, das islamische Scharia-Gesetz im Sudan stärker anzuwenden. Dies hätte eine wahrscheinliche Verstärkung der Diskriminierung und Unterdrückung von Minderheiten, darunter auch der Christen, zur Folge.

In seinem Seelsorgegebiet von Kosti habe der Bischof die 18.000 Menschen, die sich rund um die Stadt angesammelt hätten und auf den Rücktransport auf dem Nil und ihre Heimführung warteten, zur Ruhe aufgerufen.

Bischof Adwok erklärte: „Ich habe ihnen geraten, sie sollten keinen Zusammenstoß mit der sie aufnehmenden Gemeinde in Kosti verursachen.“

 „Die 18.000 Menschen sind ohne Schutz und sehr verletzbar.“

Im Hinblick auf die Politiker in Khartum erläuterte der Bischof: „Es wird anerkannt, dass es endlich einen Wandel im Südsudan gegeben hat, aber es herrscht eine trotzige Stimmung.“

„Viele sehen in der Unabhängigkeit des Südsudans eine Art von Befreiung, die bedeute, dass Khartum jetzt in der Lage ist, zu tun, was man will, und sein eigenes Programm aufstellen kann, ohne die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse des Südens zu berücksichtigen.“

Beide Bischöfe haben wiederholt die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und anderen Organisationen betont, um sowohl dem Sudan wie dem Südsudan durch diese Zeit des Übergangs zu helfen.

In einer Nachricht an „Kirche in Not“ Ende letzter Woche erklärte Bischof Hiiboro: „Wir von der katholischen Diözese Tombura-Yambio sehen uns gezwungen, unsere Partner zu ersuchen, gemeinsam diese Probleme anzugehen und sich um Strategien zu bemühen, mit denen die Kirche und ihre internationalen Partner die Gesellschaft als Ganzes erreichen können, um so gut wie möglich zu einer gerechten und vielversprechenden Entwicklung beizutragen.“

Sudan und Südsudan gehören zu den Schwerpunktländern der Hilfe von „Kirche in Not“.

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ermöglicht Tausenden von vertriebenen Kindern den Schulbesuch in und um Khartum herum, stellt Gehälter für Priester, finanziert Fahrzeuge und andere Transportmittel für Priester und Ordensleute, unterstützt Ordensschwestern, Katecheten und andere, die sich in der Ausbildung befinden, sowie den Bau von Kirchengebäuden.

Die Hilfe von „Kirche in Not“ war zunehmend während des Bürgerkriegs im Sudan von 1983 bis 2005 nötig, dem längsten Konflikt dieser Art in Afrika. Dabei starben an die drei Millionen Menschen, und weitere Millionen wurden vertrieben und oder flohen ins Ausland.

Ein Waffenstillstand und das darauf folgende Friedensabkommen im Januar 2005 führten zu einer Machtaufteilung zwischen dem Nord- und Südsudan.

In Wahlen und einem Referendum im Januar 2011 hatten die Südsudanesen mit überwältigender Mehrheit für die Trennung und damit die Entstehung des 54. afrikanischen Staates gestimmt.

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]