Neues Buch über Philipp Neri und das Oratorium

Pünktlich zum Fest des heiligen Philipp Neri ist ein neues Buch über Philipp Neri und das Oratorium erschienen

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Von Paul Bernhard Wodrazka C.O.

ROM, 24. Mai 2012 (ZENIT.org). - Mit seiner aus dem Glauben geschöpften Fröhlichkeit und Nächstenliebe beeindruckte der heilige Philipp Neri (1515-1595) seine Zeitgenossen so sehr, dass er noch heute einer der beliebtesten Heiligen der Neuzeit ist. Welch große Strahlkraft vom heiligen Philipp Neri und seinem Werk, dem Oratorium, ausgeht, bezeugt nicht zuletzt das Bekenntnis des seligen Kardinal John Henry Newman: „Was mich betrifft, kann ich … soviel mit Gewissheit sagen: Ganz gleich, ob ich nun etwas nach der Art des heiligen Philipp tun kann oder nicht, wenigstens vermag ich nichts nach einer anderen Art zu tun.“ Er folgte daher dem Weg „seines Heiligen“, den er auch „seinen Freund im Himmel“ nannte und begründete das Oratorium in seiner englischen Heimat. …

In dem neuen Buch lassen im Rückgriff auf oratorianische Grundlagendokumente verschiedene Autoren die Gestalt des heiligen Philipp, die Kardinal Newman in seinem persönlichen Leben so prägte, aufleuchten. Hierzu zählen das innere Leben des hl. Philipp, seine innige Beziehung zum hl. Messopfer, seine besondere Verehrung für die Gottesmutter Maria sowie seine Vorliebe für die Zeit der Apostel und der ersten Christen (siehe auch vergangenen ZENIT-Beitrag).

Nicht von der Person des heiligen Philipp zu trennen ist das von ihm gegründete Oratorium. Dieses Werk versucht daher eine erste umfassende Einführung in seine Entstehung, sein Wesen und Wirken in dieser Welt vorzulegen. Dazu zählen neben historischen Darlegungen auch solche über die Charakteristika, die juridische Verfassung, verschiedene Eckpunkte seiner Spiritualität, die „Methode“, das Gebetsleben, die Gesprächen, die Musik sowie die Berufung zum Oratorium. Weiterhin werden die eigenen Gebräuche und Liturgischen Formen des Gebetes vorgestellt.

Dank der intensiven Zusammenarbeit mehrerer Forscher ist es gelungen, in diese Publikation neueste Forschungsergebnisse und wichtige Grundlagentexte in der Originalsprache jeweils mit einer kurzen Einführung sowie erstmals auch in deutscher Übersetzung aufzunehmen. Dazu zählen u.a. Kardinal Baronius‘ wichtige Abhandlung „De origine Oratorii“, die ersten erweiterten Konstitutionen des Römischen Oratoriums aus dem Jahre 1612 (die sog. Instituta), die im großen und ganzen bis 1969 in Geltung geblieben sind, sowie als geistliche Orientierung das Direktorium des Oratoriums, und zur Vervollständigung des Gesamtbildes wichtige Hymnen und Gebete aus dem Eigenoffizium für das Fest des hl. Philipp Neri von 1962 u.a. werden dem Leser deutscher Zunge erstmals zugänglich. Die im deutschen Sprachraum bisher wenig bekannten Briefe von John Henry Newman mit seinen Ausführungen über die oratorianische Berufung runden diesen Abschnitt ab.

In die Fußstapfen des hl. Philipp traten neben vielen anderen so bedeutende Persönlichkeiten wie Kardinal Newman, Kardinal Cesare Baronio, Vater der neuzeitlichen Kirchengeschichtsschreibung, und der hl. Franz von Sales. Sie und andere Heilige und Selige des Oratoriums werden ebenso in eigenen Beiträgen vorgestellt wie der Gründer des ersten deutschen Oratoriums in Aufhausen und des Wiener Oratoriums, Propst Johann Georg Seidenbusch (1641-1729), sowie der oratorianische Märtyrerbischof Salvio Huix Miralpeix (1877-1936), der voraussichtlich in den kommenden Monaten in Spanien seliggesprochen wird.

Autoren:

Edoardo Aldo Cerrato, Markus Dusek, Elisabeth Garms, Uwe Michael Lang, Felix Selden, Ulrike Wick-Alda, und Paul Bernhard Wodrazka.

In seinem im folgenden dokumentierten Vorwort erläutert S.E. Erzbischof Albert Malcolm Kardinal Ranjith Patabendige Don die tiefere Bedeutung des hl. Philipp und des von ihm gegründeten Oratorium für die heutige Zeit:

„Das vorliegende neue Buch möchte den hl. Philipp Neri und sein Oratorium einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Im Rückgriff auf Originaldokumente haben verschiedene Kenner aus aller Welt Leben und Werk des liebenswürdigen Heiligen, den einst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in seiner berühmten „Italienischen Reise“ für sich „entdeckt“ hat, recherchiert. Die Botschaft des Heiligen der Freude und sein Oratorium haben bis heute interessante Aspekte apostolischen Lebens und Wirkens zu bieten und zwar nicht nur für das westlich geprägte Christentum, gerade auch für den asiatischen Kontinent sind die Möglichkeiten bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Anzeichen neuer florierender Gründungen wie beispielsweise der Schwestern des hl. Philipp in Kerala/Indien be­weisen die in diesem geistlichen Weg liegende verborgene Kraft. Obwohl die Kongregationen des Oratoriums an Mitgliedern oftmals gering sind, besticht das Beispiel und Vorbild des Gründers sowie einer Vielzahl an heiligmäßigen Oratorianern. Eine kleine Auswahl der wichtigsten Schüler des Heiligen wird dem interessierten Leser anschaulich präsentiert. Es freut mich, dass neben so bedeutenden Persönlichkeiten wie dem sel. Kardinal John Henry Newman, dem Vater der neuzeitlichen Kirchengeschichtsschreibung, Kardinal Cesare Baronio, oder dem hl. Franz von Sales auch der aus Goa stammende sel. Oratorianer Joseph Vaz Eingang in diese oratorianische Publikation gefunden hat. …

Mehrere Jahre durfte ich der Kirche in der Ewigen Stadt, deren zweiter Patron Filippo Neri genannt wird, in zwei unterschiedlichen Römischen Dikasterien dienen. Die Kirche des Heiligen, S. Maria in Vallicella, dem Gedächtnis der Geburt Mariens und dem hl. Papst Gregor dem Großen geweiht, ist mir bis heute in guter Erinnerung. Gerne denke ich an diese Kirche der Oratorianer, wo der Reliquienschrein des hl. Philipp steht und täglich von vielen Betern aufgesucht wird. Papst Johannes Paul II. erinnerte bei seiner Festpredigt am 26. Mai 1979 daran, dass der hl. Philipp in einer unruhigen Zeit lebte, die nach Halt und Orientierung suchte, was diesem frommen Gottesmann geschenkt war, zu vermitteln. „Er war ein tiefgläubiger Mann und ein eifriger, genialer und weit vorausschauender - mit besonde­ren Charismen ausgestatteter - Priester, der es verstand, das Depositum der empfangenen Wahrheit unversehrt zu bewahren und unverändert und rein weiterzugeben, indem er es vollkommen in seinem Leben umsetzte und kompromisslos verkündete. Aus diesem Grund ist seine Botschaft immer aktuell, und wir müssen auf ihn hören und seinem Beispiel folgen“.

Ich bin mir sicher, dass der hl. Philipp Neri auch heute viele Menschen zu Gott führen will, und dass diese Möglichkeiten neu auch für den asiatischen Kontext zu vermitteln sind. Heute brauchen wir Heilige wie Filippo Neri, die durch ihre Frömmigkeit und ihr de­mütiges, selbstloses Beispiel die Kirche reformieren. Er selbst wird seinen Schülern darin ein kraftvoller Fürsprecher sein.

„Heiliger Philipp, hilf mir, das Haus zu bestellen, schließ mein frierendes Herz in deine glühende Liebe zum Heiligen Geist ein. ‚Gib, dass mein Herz vor Liebe entbrenne‘“, betete einst der junge Subdiakon Angelo Roncalli am Grab des Heiligen, nachdem er dem Festhochamt beigewohnt hatte (Johannes XXIII.: Geistliches Tagebuch, Freiburg 1964, p. 155). In seiner Studienzeit war er Mitglied des Oratorio Saeculare der Stadt Rom gewesen. Philipp Neri, den Roncalli einst als einen seiner „vertrautesten Heiligen“ bezeichnete, besuchte er auch am Tag unmittelbar vor dem Konklavebeginn, aus dem der Kardinal als Papst hervorgehen sollte. Neunzig Jahre nach dem letzten Besuch eines Papstes, den der sel. Papst Pius IX. vor den historischen Ereignissen des Jahres 1870 unternommen hatte, über­raschte der inzwischen zum Papst erhobene Johannes XXIII. am 26. Mai 1960 die Oratorianerpatres, indem er spontan zu einem kurzen Gebet am Fest des Heiligen die Chiesa Nuova aufsuchte. Er blieb seinen Worten, die er einst in seinem Tagebuch notiert hatte, treu: „Ich liebe und verehre den hl. Philipp in besonderer Weise, ihm empfehle ich mich voll Vertrauen“ (Johannes XXIII.: Geistliches Tagebuch, Frei­burg 1964, p. 154f.).

Ein altes liturgisches Gebet, das der hl. Philipp selbst oft sprach, kann auch für uns eine kraftvolle Unterstützung sein, um in diesen Zeiten auch unseren Auftrag zu erkennen und zu vollziehen und ich möchte es uns allen anempfehlen: Es lautet lateinisch: „Deus, cui omne cor patet, et omnis voluntas loquitur, et quem nullum latet secretum: purifica per infusionem Sancti Spiritus cogitationes cordis nostri, ut te perfecte diligere et digne laudare mereamur. Amen.“ Auf deutsch: „Gott, dem jedes Herz offensteht, und jeder Wille sich mitteilt, und dem kein Geheimnis verborgen ist: Reinige durch die Eingießung des Heiligen Geistes die Gedanken unseres Herzens, damit wir dich vollkommen zu lieben und würdig loben können. Amen“ (Missale Romanum [1962], Missa ad postulandam gratiam Spiritus Sanctus, Oratio).

Ich wünsche den interessierten Lesern einen tieferen Einblick in das Leben und Wirken dieses großen römischen Heiligen, der An­gelo Roncalli – Papst Johannes XXIII., wie auch schon zuvor Papst Pius XII., so fasziniert hat. Möge die Publikation dazu beitragen, das oratorianische Leben zu vertiefen und mancherorts auch wieder neu zu entdecken.

Colombo, am 16. Januar 2012,

am Fest des sel. Joseph Vaz

+ Albert Malcolm Kardinal Ranjith Patabendige Don

Erzbischof von Colombo

Buchtipp:

Paul Bernhard Wodrazka (Hrsg.), Philipp Neri und das Oratorium. Die Attraktivität seiner Botschaft. Mit ausgewählten Quellen oratorianischen Lebens. Mit einem Vorwort von Kardinal Albert Malcolm Ranjith, Erzbischof von Colombo. nova & vetera Bonn 2012. ISBN 978-3-936741-29-2; 329 Seiten; Format: 16,5 x 24,5 cm, Fadenheftung, Hardcover, Preis: € 32 [in Deutschland] bzw. € 32,90 [in Österreich]. Das Buch ist beim Verlag oder in jeder Buchhandlung erhältlich.

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