Neues Gesundheitsgesetz der USA: führt es zur Spaltung oder Erneuerung?

Katholiken in den USA müssen sich an Kosten für Kontrazeptiva, Abtreibungen und Sterilisationen beteiligen

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Von Dr. Edith Breburda*

ROM, 10. Feburar 2012 (ZENIT.org). - John O'Brien, Präsident der Gruppe „Wahl-Katholiken (Catholics for Choice)“, die den Zugang zu Kontrazeptiva befürwortet, betonte gegenüber der Zeitung „Chicago Tribune“ am 7. Februar 2012: „Hunderte von Frauen, die für katholische Einrichtungen arbeiten, begrüßen das neue US Gesundheitsgesetz. Sie sind ärgerlich auf Bischöfe, die ihnen die Vorteile der ‚Gesundheitsvorsorge‘ verweigern. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Warum sollten wir diese Frauen diskriminieren? Viele haben Angst, ihre Meinung zu sagen, Angst vor ihrem Arbeitgeber, der katholischen Kirche“.

Das Public Religion Research Institut („Öffentliche Religionsforschungsinstitut) hat am Dienstag, dem 7. Februar 2012, die Ergebnisse einer neuen Umfrage veröffentlicht. Die religiös unabhängige Studie besagt, dass 58 Prozent der Katholiken das neue Gesundheitsgesetz unterstützten. Diese Studie wird nun in allen Medien zitiert. So auch von einer Teilnehmerin der Studie, die am 8. Februar 2012 von Erin Burnett im U.S. Fernsehsender CNN interviewt wurde. Die Dame, die sich als gut katholisch bezeichnete, pries die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Pille, die man Frauen nicht verweigern dürfe. Nur durch die Pille würde man Krankheiten wie Brustkrebs, Eileiterkrebs usw. verhindern. Sogar Schwangerschaften könne man verhindern, was doch besser sei, als ein Kind abzutreiben. Woher die Dame diese merkwürdigen Daten hatte, verschwieg sie. Sie beschwerte sich über die Intoleranz von Katholiken, Frauen den Zugang zur „Gesundheitsversorgung“ zu verweigern. Es sei doch eher hervorragend, dass die Regierung sich nun des Ganzen annehme.

Auf den Beipackzetteln der „Pille“ stehen ganz andere Dinge. Es wird vor Thrombosen, Schlaganfällen, Herzstillstand usw. gewarnt. Dessen ungeachtet nehmen allein in den USA über 10 Millionen Frauen die Pille ein.

Margaret Sanger, die man als „Mutter der Pille“ bezeichnen kann, schrieb hierzu: „Ich meine, dass die Welt und unsere Zivilisation abhängig sein werden von einer sicheren, einfachen Methode der Kontrazeption. Sie wird vor allem in Armenvierteln und von den Ungebildeten eingenommen werden. Ich glaube, man sollte eine nationale chemische Sterilisation bestimmten niederen Schichten zukommen lassen, damit sie sich nicht weiter fortpflanzen.“

Die heute im Gebrauch befindliche chemische Zusammensetzung der Pille enthält eine sehr geringe Dosis an Östrogen und Progesteron. Das heißt, der Eisprung wird nicht verhindert, und es kommt in den meisten Fällen zur Befruchtung. Die Pille verhindert nur, dass sich das Kind zwischen dem 7-9 Tag seines Lebens nicht in der Uteruswand einnisten kann [1], denn das Endometrium ist nicht wegen der Hormonzuführung dafür nicht mehr vorbereitet. Die frühabtreibende Wirkung der Pille ist eine erwünschte Eigenschaft, um sie „100-prozentig sicher“ zu machen. Abtreibungsbefürworter bestätigten die frühabtreibende Wirkung der Pille vor dem Obersten US-Gericht im Fall Webster gegen Reproductive Health Service (Dienst für Reproduktionsgesundheit).

Außerdem können synthetische Östrogene nicht aus dem Grundwasser herausgefiltert werden. Sie belasten die Umwelt und gelangen ins Trinkwasser. Bereits ein Nomogramm im Wasser kontaminiert Fische, Schnecken und Frösche. Männliche Tiere verweiblichen und weibliche Amphibien weisen Leber -und Nierendysfunktionen auf und können sich nicht mehr reproduzieren. [2]

Es gibt Menschen, die so wenig wie möglich Östrogen konsumieren wollen. Zu ihnen gehört Beth Ellen Rosenthal. Sie beschreibt in einem Artikel für das „Natural Health and Longevity Resouce Center“ („Zentrum für natürliche Gesundheits- und Langlebigkeitsressourcen“) ihr Problem. Ihre Mutter wollte nach zwei Fehlgeburten ein Kind. Sie nahm schließlich an einer Studie der Chicago-Universität teil, in der man ein vielversprechendes neues Medikament anwendete. Dabei wurde ihr ein synthetisches Östrogen, DES (Diethylstilbestrol), verabreicht. Später fand man bei der Tochter schwerwiegende Deformationen  der Sexualorgane, die durch DES hervorgerufen worden waren. Beth fragt sich, was alles den Wissenschaftlern über DES noch verborgen ist.

Im September 2009 wurde eine Studie im Journal „Toxicological Science“ („Toxikologische Wissenschaft“) veröffentlicht. „Rattenkinder“, deren Muttertiere während der Trächtigkeit unter dem Einfluss von Östrogen waren, hatten schlecht entwickelte Sexualorgane. Die Östrogen-Dosis, die die Tiere verabreicht bekamen, entspricht der gleichen Dosis, die in der Pille enthalten ist.

Die Studie ist auch für Menschen wichtig, weil 50 Millionen Frauen weltweit die Pille schlucken. Ein Teil der Rattenstudie bestand darin, den Ratten DES zu geben.

DES wurde früher schwangeren Frauen gegen Übelkeit verabreicht. Heute weiß man, dass DES Krebs erzeugt. Tierversuche zeigten, dass DES die gleiche Wirkung hat wie die geringe Konzentration von Östrogen, die in der Pille enthalten ist. „Etwa 3-4 Prozent der Schwangeren merken nicht, dass sie werdende Mütter sind, und nehmen weiterhin die Pille, womit sie ungewollt die Entwicklung der Geschlechtsorgane ihrer Söhne beeinträchtigen“, betonte Micahele a La Merrill gegenüber „Environmental Health News“ (Umweltgesundheitsnachrichten) [3].

[1] Breburda et al. 2006, Selective distribution and pregnancy-specific expression of DC-SIGN at the maternal-fetal interface in the rhesus macaque: DC-SIGN is a putative marker of the recognition of pregnancy.

[2] Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Christiana Verlag 2010.

[3] Promises of New Biotechnologies, Scivias Verlag USA 2011.

*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch:
Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.