Neuevangelisierung: Herausforderung der neuen Kommunikationsmittel

Msgr. Fisichella präsentiert "Das pastorale Projekt von Evangelii Gaudium"

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 496 klicks

Das apostolische Schreiben Evangelii Gaudium ist „im Licht der Freude für die Neuentdeckung der Quelle der Evangelisierung in der Gegenwart“ geschrieben. Mit diesem Satz fasst Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, den Inhalt des Dokumentes zusammen, das Papst Franziskus der Kirche schenkt. Dem Impuls, diese Quelle zu entdecken, wird in der Initiative „Das pastorale Projekt des Evangelii Gaudium“ nachgegangen. Die von der Kongregation organisierte Veranstaltung unter dem Vorsitz von Msgr. Fisichella findet vom 18. bis zum 20. September in der vatikanischen Aula Paul VI. statt.

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Exzellenz, wie entstand die Idee zu einem Treffen dieser Art?

Msgr. Fisichella: Es entstand aus der Lektüre von Evangelii Gaudium, das der Papst ausdrücklich als Programm seines Pontifikats bezeichnet hat. Das Treffen im September hat zum Ziel, den Text in eine authentische pastorale Aktion zu übersetzen, die den verschiedenen Kirchen weltweit erlaubt, eine doppelte Realität ausdrücken zu können: eine genuine Evangelisierung und den Reichtum der eigenen kirchlichen und kulturellen Traditionen anhand von Methodologie und eigenen Erfahrungen jeder Gemeinde.

Welche Anregungen gibt Evangelii Gaudium denjenigen, die sich mit Neuevangelisierung beschäftigen?

Msgr. Fisichella: Wie es nun mal seine Art ist, hat uns Papst Franziskus mit seinem Apostolischen Schreiben eine Vielzahl von Vorschlägen geschenkt, die zu neuen Initiativen anregen. Wir haben die Elemente zusammengetragen, die am stärksten mit der Neuevangelisierung zusammenhängen: Dabei denke ich im Besonderen an die „städtische Pastoral“, an die Themen der Volksfrömmigkeit, an die die Familie betreffenden Fragen. Aber wir dürfen nicht die ständige Bezugnahme des Papstes auf die verkündende Botschaft vergessen, das heißt den Vorrang der Botschaft Jesu Christi. Eine Botschaft, die mit dem Bewusstsein verkündet wird, dass die neue Sprache die der sozialen Kommunikationsmittel ist, und zwar über lebendige, dynamische pastorale Werke, die fähig sind, Liebe und Barmherzigkeit zu bezeugen. Der gemeinsame Nenner dieser Elemente ist die spezielle Aufmerksamkeit gegenüber den Armen. Aus diesem Grund beginnen wir unsere Begegnung mit dem Zeugnis von Jean Vanier, einem der größten Propheten der „Letzten“, die ihre Freude und Hoffnung vermitteln.

An wen richtet sich die Initiative im Besonderen?

Msgr. Fisichella: An alle Mitarbeiter in der Pastoral. An diesem Treffen, dem bereits über tausend Menschen nachkommen, nehmen Bischöfe, Verantwortliche von pastoralen Kommissionen, Priester, Diakone, Katecheten teil. All diejenigen, die mit Evangelisierung zu tun haben.

Sie haben sich eben auf die „neue Sprache der sozialen Kommunikationsmittel“ bezogen. Wie wichtig ist es im digitalen Zeitalter, diese Mittel auszunutzen?

Msgr. Fisichella: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Dinge nicht mehr nur als Mittel begreifen dürfen. Wir stehen heute vor einer kulturellen Herausforderung. Aus diesem Grund müssen wir eine Denkweise aufgeben, die unfähig ist, den Fortschritt der täglichen Kommunikation zu lesen. Genauso wie das Christentum in der Vergangenheit der griechischen Kultur, den Kulturen Afrikas oder Asiens begegnet ist, indem es die positiven Aspekte aufnahm und die Grenzen im Hinblick auf den Reichtum des Evangeliums überwand, müssen wir heute die gleiche Herausforderung bezüglich der Kommunikation annehmen. An diese ist eine neue Sprache gebunden, aber auch neue Verhaltensweisen. Und das sehen wir in den neuen Generationen realisiert: Man muss nur die Kinder anschauen, die zum Katechismus der Erstkommunion kommen, um zu verstehen, wie sich ihr Verhalten verändert hat. Ich befürchte, wir hängen diesbezüglich ziemlich hinten an. Aus diesem Grund brauchen wir ein solches Treffen, um diese neue Kultur zu durchdringen, das Positive zusammenzufassen und die Grenzen aufzuzeigen.

Welche Limits und Fallen schließt diese neue Kultur mit ein?

Msgr. Fisichella: Vor allem denke ich da an ein Thema, dass für uns alles andere als zweitrangig ist: die Beziehung zwischen Internet und seiner Benutzer. Oft wird es schwierig zwischen den vielen, nicht verifizierten Nachrichten aller Art, die Wahrheit herauszufinden. Deswegen werden diesen Themen eine große Aufmerksamkeit geschenkt.

Welche sind die allgemeinen Hindernisse, die die heutige Gesellschaft der Neuevangelisierung in den Weg stellt?

Msgr. Fisichella: Das größte Hindernis, immer im Bezug auf die Kommunikation, ist das Fehlen eines persönlichen Kontakts. Der Glaube hat sich immer übertragen, wenn sich zwei Menschen begegnet sind und sich in die Augen geschaut haben: Heute wird dies immer schwieriger, vor allem da es die Tendenz gibt, sich in die Privatsphäre zurückzuziehen. Sie ist demnach das Gegenteil von Evangelisierung, die hingegen verlangt, aus sich heraus zu gehen und die freudige Erfahrung der Christus-Begegnung mit anderen Menschen zu teilen. Also ein weiteres großes Limit - abgesehen von dem der Beziehung zur Wahrheit – ist dieser immer privater werdende „Kreis“, der zu Verarmung führt.

Während der Initiative soll es auch eine Begegnung mit dem Papst geben…

Msgr. Fisichella: Der Papst wird kommen, um uns ein weiteres Mal zu „provozieren“, damit wir in jeder Hinsicht freudige Mitarbeiter der Evangelisierung und der Seelsorge werden. Aus diesem Grund erwarten wir diese Begegnung und seine Worte mit großer Neugierde und auch mit Hoffnung, dass seine Worte wie stets aus dem Herzen kommen und alle berühren werden; dass sie Enthusiasmus geben, um den Weg der Evangelisierung aufzunehmen, der sehr mühsam ist und deswegen große Unterstützung braucht.

Sie haben gesagt, dass dies das erste von einer Reihe von Treffen sein wird. Können Sie uns Genaueres dazu sagen?

Msgr. Fisichella: Für das kommende Jahr 2015 hat die Kongregation für die Neuevangelisierung eine Reihe von Initiativen geplant. Mit den Bischofskonferenzen haben wir Treffen zum Thema der Katechese organisiert, dann sind wir dabei, ein Treffen mit den Verantwortlichen der Wallfahrtsorte zu organisieren, um dem Thema der Barmherzigkeit des Volkes ein konkretes Aussehen zu verleihen. Überdies planen wir diverse Initiativen mit den Verantwortlichen der Kommunikation und der Pastorale. Auf diese Weise möchten wir die „Mission Metropoli“ erweitern, die wir im Jahr 2011 gegründet haben, um sie in eine Initiative zu verwandeln, die mehr Allgemeingültigkeit für die verschiedenen Kirchen hat. Für den nächsten 13. und 14. März werden wir „24 Stunden für den Herrn“ anbieten, was eine Feier mit dem Papst sein wird, aber auch eine nächtliche Öffnung der Kirchen, damit das Sakrament der Versöhnung wie ein Bereich der Barmherzigkeit gelebt wird.