Neuregelung im Abtreibungsgesetz in Großbritannien

Stärkere Einbindung von Krankenschwestern

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 224 klicks

Wie die Online-Ausgabe der englischen Tageszeitung „Daily Mail“ (2. Juni 2014) berichtete, sind nach den neuen Richtlinien zur Abtreibung nur noch die Bewilligung und die Einleitung des Schwangerschaftsabbruchs durch einen Arzt erforderlich, die weitere Behandlung kann von einer Krankenschwester vorgenommen werden. Bisher sah das Gesetz vor, dass zwei Ärzte den Abbruch bewilligen müssen, und der Abbruch von einem Arzt durchgeführt werden muss. 1981 wurde das Gesetz aus dem Jahr 1967 dahingehend modifiziert, dass auch Krankenschwestern eingebunden werden dürfen.

Lord Alton, der sich für den Schutz des Lebens engagiert, erklärte, es sei befremdlich, dass gerade Hebammen, die dabei behilflich seien, neues Leben zu schenken, eine Schwangerschaft abbrechen dürften. Die konservative Abgeordnete Fiona Bruce kommentierte, dass die neue Handhabung eine Aufweichung der bisherigen Abtreibungsregeln bedeute, die einen Schwangerschaftsabbruch nur durch einen Arzt vorsähen. Die neue Regelung entspreche nicht dem Willen der Menschen. Sie könne sich nicht vorstellen, dass eine derartige Regelung vom Parlament beabsichtigt gewesen sei.

Die Neuregelung kommt der Forderung des „Royal College of Nursing and abortion providers“ entgegen, das die Ansicht vertritt, auch Krankenschwestern müsse das Recht zugesprochen werden, schwangerschaftsabbrechende Medikamente verabreichen oder andere Techniken anwenden zu dürfen.

Der Labour Abgeordnete und Mitvorsitzende der Pro-life Group im Parlament Jim Dobbin erklärte, es werde jede Gelegenheit genutzt, um den Schwangerschaftsabbruch zu erleichtern. Nur ein Arzt dürfe diesen vornehmen.

Ann Furedi, Vorstand des „British Pregnancy Advisory Service“ vertritt hingegen die Ansicht, dass Krankenschwestern hervorragend für frühe Schwangerschaftsabbrechungen geeignet seien. Schwangerschaftsabbrechungen dürften nur von qualifiziertem Personal, eingeschlossen Krankenschwestern, durchgeführt werden.

Das Gesundheitsministerium erklärte, die neuen Regeln stünden nicht im Widerspruch zum bestehenden Gesetz, sondern dienten der Klärung der bestehenden Regeln. Dr. Michael Scott, Psychologe und Kritiker des Abtreibungsgesetzes, brachte an, die Neuregelung lasse sich auch aus wirtschaftlichen Gründen erklären. Krankenschwestern seien günstiger als Ärzte.

In England und Wales werden jährlich rund 200.000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, d.h. jede fünfte Schwangerschaft wird abgebrochen.