Newsmans charismatischer Einfluss auf die Ausbildung katholischer Studenten

Interview mit dem Oratorianer Drew Morgan, Direktor des Newman-Instituts

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Von Kathleen Naab

PITTSBURGH, USA, 2. September 2010 (ZENIT.org).- Das Wirken Kardinal John Henry Newmans hat im englischsprachigen Raum die Gründung von Zentren angeregt, die heutzutage noch jungen Akademikern auf ihrem Glaubensweg begleiten und stützen. Darüber sprach mit ZENIT der Oratorianerpater Drew Morgan, der dem Oratorium des heiligen Philipp Neri in Pittsburgh vorsteht. Pater Morgan kennt diese Einrichtungen von innen, arbeitete er doch 15 Jahre lang für eines der Newman-Zentren mit einem ausgezeichneten Ruf in den Vereinigten Staaten. Mit einer Dissertation über Newmans Verständnis vom Gewissen promovierte der Pater 1997 an der Duquesne Universität, einer katholischen Universität in Pittsburgh, US-Bundesstaat Pennsylvania. Er ist derzeit der Direktor des Nationalen Instituts für Newman Studien.

Den Zentren sind zunächst die Newman-Clubs vorausgegangen, als ersten katholischen Studentenvereinigung in weltlichen Hochschulbildung. „Das allererste Treffen einer solchen Clubs fand am Thanksgiving Day 1883 in Madison, Wisconsin statt, wo katholische Studenten den Feiertag in der Wohnung von John C. Melvin und seiner Frau verbrachten, der gegenüber der Universität von Wisconsin lebten. Im Laufe des Abends, wies einer der Studenten darauf hin, dass ein Professor der katholische Kirche in seiner Behandlung 'mittelalterlicher Institutionen' verleumdete", erzählt Pater Morgan.

Seine Kommilitonen begannen eine Diskussion darüber, ob eine solche Debatte tatsächlich verleumderisch oder angebracht war, angesichts der Lage der Kirche zu jener Zeit. Die Studenten trafen sich weiterhin in dem Haus, um zu diskutieren und wegen der Kameradschaft, was den „Melvin Club" begründete. Es war das erste organisierte Auftreten katholischer Studenten, die an einer säkularen Einrichtung studierten.

Einer unter ihnen, so berichtet Pater Morgan, war Timothy Harrington, der in den Semesterferien noch einmal Newmans Autobiographie las, „Apologia pro Vita Sua". „Inspiriert von Newmans Fähigkeit, den Glauben und seine Ideen in der Hochschulausbildung für katholische Studenten zu verteidigen, stützte Harrington sich auf seine Erfahrung in Wisconsin und initiierte den ersten Newman-Club." Es sollten dabei auch soziale Aktivitäten, Gespräche über den Glauben und gegenseitige Unterstützung für die katholischen Studenten mit einbezogen werden, die sich oft in einem feindseligen akademischen Umfeld wiederfanden.

Nur drei Jahre nach dem Tod von Newman in Birmingham, England, tauchten die Newman-Zentren auf. „Es wird oft gedacht, dass dies auch eines der ersten großen Wunder Newmans sein könnte", sagt Pater Morgan. „Es ist sicherlich eine Bestätigung der Kraft seines charismatischen Einflusses auf das Leben der Kirche in der englischsprachigen Welt und seine laufenden Bemühungen von oben katholische Studenten in ihren prägendsten Studienjahren zu unterstützen."

Heutzutage befinden sich Newman-Clubs oder "Zentren" auf fast jedem weltlichen Hochschulcampus in den Vereinigten Staaten. „Häufig, und zugleich bedauerlicherweise wird der Name Newmans nicht mehr im Zusammenhang mit diesen Diensten genannt, die sich nun „Campus-Dienste" nennen. Nichtsdestotrotz kann diese Sendung auf die Newman-Club-Bewegung zurückverfolgt werden.

Schließlich wurde die Newman-Bewegung Pater Morgan zufolge für die Seelsorge einer wachsenden Zahl von Katholiken, die säkulare Hochschulen und Universitäten besuchten, wesentlich. Der charismatische Einfluss Kardinal Newmans habe sich auch auf dem Gebiet der universitären Bildung gezeigt. „Die Sammlung seiner Vorträge und diese Eröffnungsansprachen bilden sein großes Werk "The Idea of a University". Diese Arbeit wurde als das wesentliche "Blaupause" von den Orden verwendet, die zügig katholischer Kollegien und Universitäten in den Vereinigten Staaten gründeten. Ihre Arbeit wurde als eine notwendige Ergänzung der Arbeit gesehen, die die Kirche für ihre Schüler in der Pfarrschulsystem initiiert hatte", berichtet der Oratorianer.

Paradoxerweise könne heutzutage der Glaube leichter in einem lebendigen Newman-Zentrum gestärkt werden, in der Umgebung eines säkularen Campus, wo die Studenten regelmäßig herausgefordert werden, ihren Glauben zu verteidigen und Rechenschaft über ihn abzulegen. „Wir haben festgestellt, dass der stärkste Einfluss auf die jungen Menschen die Eucharistie ausübt. Eine Spiritualität, die sie zu einer innigen Gemeinschaft mit Christus führt, ob dies durch die eucharistische Anbetung geschieht, die tägliche Messe, oder die Teilnahme an täglichen Gebeten der Gemeinschaft, es ist die beste Absicherung dagegen den Glauben zu verlieren", weiß Pate Morgan zu berichten. Er wisse zudem von zahlreichen Berufung in den Newman-Zentren. „Wir haben im Laufe der Jahre das Glück gehabt, dass viele junge Männer und Frauen sich für das Priesteramt und zum geweihten Leben entschlossen haben, aber wir haben auch viele Hochzeiten und Taufen durchgeführt!"

[Übersetzung aus dem Englischen und Bearbeitung: Michaela Koller]