Nicht-amtliche Zusammenfassung der „Lehrmäßigen Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung“

Das evangelisierende Wirken der Kirche darf niemals aufhören

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BONN, 14. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die nicht-amtliche Zusammenfassung der heute vorgestellten „Lehrmäßigen Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung“ der Kongregation für die Glaubenslehre, die die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichen ließ.

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„Lehrmäßige Note über einige Aspekte der Evangelisierung“ der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht in Rom am 14.12.2007

Nicht-amtliche Zusammenfassung

Die „Lehrmäßige Note über einige Aspekte der Evangelisierung“ der Kongregation für die Glaubenslehre erinnert an grundlegende Prinzipien der Verkündigung des Evangeliums. Angesichts einer wachsenden Verwirrung und Verunsicherung werden „einige Aspekte in der Beziehung zwischen dem Missionsauftrag des Herrn und der Achtung des Gewissens und der Religionsfreiheit aller Menschen“ geklärt (Nr. 3). Aufmerksamkeit gilt dabei insbesondere Fragen des Menschenbildes (Kapitel II), der Lehre von der Kirche (Kapitel III) sowie der Ökumene (Kapitel IV). Der Text umfasst in der deutschen Veröffentlichung 24 Druckseiten und ist in insgesamt 13 Artikel gegliedert.

Die Einführung (Kapitel I) erläutert Ursprung sowie Bedeutung des Evangelisierungsauftrags und beschreibt die Probleme, die Anlass zur Veröffentlichung der Note waren: Der Auftrag zur Evangelisierung geht auf Christus zurück, der den Aposteln die Fortführung seiner Sendung anvertraut hat. Durch die Kirche möchte Christus „jede Epoche der Geschichte, jeden Ort der Welt und jedes gesellschaftliche Umfeld erreichen und zu jedem Menschen kommen“ (Nr. 1). Dem Recht jedes Menschen, von der Frohbotschaft Gottes zu hören, entspreche die Pflicht zur Evangelisierung, bei der das Soziale und das Evangelium nicht zu trennen seien (Nr. 2). Heute herrsche oft die Meinung, jeder Versuch, andere in religiösen Fragen zu überzeugen, schränke die Freiheit ein. Eine wachsende Verwirrung verleite viele dazu, den Missionsauftrag ungehört und unwirksam zu lassen (Nr. 3).

Das II. Kapitel beschreibt unter der Überschrift „Einige anthropologische Implikationen“ Aspekte, die das Menschenbild betreffen:

Gott hat dem Menschen den Verstand und den Willen geschenkt, damit er ihn in Freiheit suchen, erkennen und lieben kann. Die Suche nach dem Guten und der Wahrheit bringe die menschliche Freiheit ganz besonders ins Spiel, wobei der Heilige Geist die Herzen für die Annahme der Wahrheit des Evangeliums öffne und vorbereite. Eine menschliche Freiheit, die von ihrer untrennbaren Beziehung zur Wahrheit losgelöst werde, sei Ausdruck eines Relativismus, „der nichts als definitiv anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich mit seinen Gelüsten gelten lässt und unter dem Anschein der Freiheit zum Gefängnis wird“ (Nr. 4). Im zeitgenössischen Denken verbreitet seien verschiedene Formen des Agnostizismus und des Relativismus. In ihnen sei die legitime Pluralität von Denkpositionen einem indifferenten Pluralismus gewichen, wonach alle Denkpositionen gleichwertig seien. Wenn der Mensch seine grundsätzliche Wahrheitsfähigkeit jedoch leugne, werde er am Ende gerade das verlieren, „was auf einzigartige Weise seinen Verstand ergreifen und sein Herz faszinieren kann“ (ebd.).

Bei der Suche nach der Wahrheit habe jeder Mensch, der ja von Geburt an in verschiedene Traditionen eingebunden sei, die Hilfe des anderen nötig. Der geistige Individualismus hingegen isoliere die Person. Er hindere sie daran, sich vertrauensvoll anderen zu öffnen. Die Wahrheit müsse „auf eine Weise gesucht werden, die der Würde der menschlichen Person und ihrer Sozialnatur eigen ist, das heißt auf dem Weg der freien Forschung, mit Hilfe des Lehramtes oder der Unterweisung, des Gedankenaustausches und des Dialogs“ (Nr. 5). Jemanden zur Begegnung mit Christus aufzufordern sei daher keine ungebührende Einmischung, sondern ein Dienst, der die Beziehungen zwischen den Menschen fruchtbar machen könne (ebd.).

Das Evangelium sei von allen Kulturen unabhängig und vermöge dennoch alle Kulturen zu durchdringen (Nr. 6). Im Prozess der Inkulturation werde die Gesamtkirche an Ausdrucksformen und Werten bereichert und zu ständiger Erneuerung angeregt. Der Heilige Geist als „Protagonist der Inkulturation des Evangeliums“ leite den Dialog zwischen dem Wort Gottes und den tiefsten Fragen der Menschen und Kulturen.

Die Evangelisierung stehe im Einklang mit dem Wesen eines „humanen Dialog-, Verkündigungs- und Lernprozesses“ (Nr. 7). Der Glaube dränge dazu, ihn anderen mitzuteilen. Nichtchristen könnten zwar durch die von Gott geschenkte Gnade „auf Wegen, die er weiß“ gerettet werden. Aber in dieser Welt fehle ihnen das hohe Gut der Erkenntnis Gottes und die Freundschaft mit Christus. Ein Leben ohne die Wahrheit über die letzten Fragen verursache oft Leiden. Deshalb beschreibe Paulus die Bekehrung zum christlichen Glauben als Befreiung von „der Macht der Finsternis“ (ebd.). Die volle Zustimmung zur Wahrheit Christi und der Eintritt in seine Kirche verminderten die menschliche Freiheit nicht, sondern erhöhten sie. Die Kirche wolle, dass alle die Fülle der Wahrheit und die Mittel des Heils besitzen und „befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) (ebd.).

Die Evangelisierung beinhalte auch den ehrlichen Dialog, der die Argumente und Empfindungen des anderen zu verstehen suche. Deshalb achte sie auf die Hoffnungen, Leiden und konkreten Situationen des Gegenübers (Nr. 8). Die Kirche verbietet streng, dass jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflusst oder angelockt werde. Umgekehrt tritt sie mit Nachdruck für das Recht ein, dass niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde. Das grundlegende Modell der Evangelisierung bleibe die Sendung der Apostel, die häufig von der gewaltlosen Kraft des Martyriums gekennzeichnet sei.

Kapitel III benennt „Einige ekklesiologische Implikationen“, die die Lehre von der Kirche betreffen:
Die Ausbreitung der Kirche in der Geschichte, die das Ziel der Mission darstelle, diene der Gegenwart Gottes: Denn man könne sein „Reich nicht von der Kirche loslösen“ (Nr. 9). Allgemein werde der Ausdruck „Bekehrung“ verwendet, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Heiden zur Kirche zu bringen. Doch in seiner christlichen Bedeutung meine Bekehrung eine fortwährende Erneuerung des Denkens und Handelns, die das neue Leben in Christus ausdrückt. „Der christliche Geist wurde immer von der Leidenschaft beseelt, die ganze Menschheit zu Christus in die Kirche zu führen“ (Nr. 9). Neue Glieder in die Kirche einfügen bedeute nicht, eine Machtgruppe zu vergrößern, sondern Menschen „in das Netz der Freundschaft mit Christus“ eintreten zu lassen, „das Himmel und Erde sowie verschiedene Epochen miteinander verbindet“ (ebd.). Die Kirche sei keine „politische Utopie“, sondern „wirksames Zeichen“ und „Werkzeug der Gegenwart“ Gottes in der Geschichte und damit zugleich „Werkzeug einer wahren Humanisierung des Menschen und der Welt“ (ebd.).

Heute werde die missionarische Verkündigung durch relativistische Theorien gefährdet, die den religiösen Pluralismus prinzipiell rechtfertigen wollten (Nr. 10). Vielen Gläubigen sei das eigentliche Ziel der Evangelisierung nicht mehr klar. Die von Gott geschenkte Wahrheit respektiere die Freiheit, die von Gott als „unzerstörbares Merkmal der menschlichen Natur“ geschaffen sei: Diese Freiheit sei nicht Indifferenz, sondern Ausrichtung auf das Gute (ebd.). Grundlegend für die Evangelisierung seien deshalb der Respekt vor der religiösen Freiheit und ihre Förderung. Dies dürfe jedoch nicht zur Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit und dem Guten führen. Viele Menschen lebten gegenwärtig in „vielerlei Arten“ von Wüsten, besonders in der „Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen“. Es sei Aufgabe der Kirche, die „Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens“, zur Freundschaft mit Christus. Dieser Einsatz sei eine Pflicht und ein unveräußerliches Recht. Als Ausdruck der religiösen Freiheit habe sie ihr entsprechende ethisch-soziale und ethisch-politische Dimensionen. Dieses Recht werde „leider in einigen Teilen der Welt noch nicht gesetzlich anerkannt und in anderen nicht wirklich respektiert“ (ebd.).

Evangelisierung geschehe nicht nur durch öffentliche Predigt des Evangeliums und in Tätigkeiten von öffentlicher Bedeutung, sondern auch durch das persönliche Zeugnis: „Wenn das Wort von der Lebensweise widerlegt wird, kann es kaum angenommen werden“ (Nr. 11).

Im IV. Kapitel werden „Einige ökumenische Implikationen“ erläutert:

Die ökumenische Bewegung sei seit ihren Anfängen eng mit der Evangelisierung verbunden, da die Einheit „das Siegel der Glaubwürdigkeit der Mission“ und „der Skandal der Trennung“ ein Schaden für die Verkündigung seien (Nr.12). Die nicht auf bestimmte Regionen begrenzte universale Sendung der Kirche geschehe je nach Situation auf verschiedene Weisen:

Im eigentlichen Sinn gebe es die „missio ad gentes“ zu denen, die Christus nicht kennen. Im weiteren Sinn spreche man von „Evangelisierung“, um die gewöhnliche Seelsorge zu bezeichnen. „Neuevangelisierung“ beschreibe die Sorge für jene, die den christlichen Glauben nicht mehr praktizieren (ebd.).

Evangelisierung in Ländern, wo nicht katholische Christen lebten, besonders in Ländern mit alter christlicher Tradition und Kultur, erfordere echten Respekt für ihre Tradition und geistlichen Reichtümer sowie den aufrichtigen Willen zur Zusammenarbeit. Christen sollten im gemeinsamen Glaubensbekenntnis vor den Heiden, soweit dieses vorhanden ist, ebenso zusammenarbeiten wie in sozialen, technischen, kulturellen und religiösen Dingen. Dabei müsse jeder „Anschein von Indifferentismus und Verwischung sowie ungesunder Rivalität“ vermieden werden (ebd.).

Jeder katholische Gläubige habe das Recht, die Pflicht und die Verantwortung, anderen Christen den eigenen Glauben zu bezeugen und zu verkünden. Die Entscheidung eines nicht katholischen Christen, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche einzutreten, sei als Ausdruck der Gewissens- und Religionsfreiheit zu respektieren. Bei der Evangelisierung müsse man sich jeder Art von Betätigung enthalten, die den Anschein von Zwang oder unehrenhafter oder ungehöriger Überredung erwecke, besonders wenn es weniger Gebildete oder Arme betreffe. Das Zeugnis für die Wahrheit wolle nichts mit Gewalt auferlegen, weder mit Zwangsmaßnahmen noch mit Kunstgriffen, die dem Evangelium widersprechen. Die christliche Mission stütze sich auf die Kraft des Heiligen Geistes und der verkündeten Wahrheit selbst und wolle vor allem mit der Kraft des Wortes Gottes überzeugen.

Das Schlusskapitel V stellt heraus, dass das evangelisierende Wirken der Kirche niemals aufhören dürfe, da es zum Wesen der Kirche gehöre und ihre vorrangige Aufgabe darstelle. Die heute verbreiteten relativistischen und irenistischen Auffassungen im religiösen Bereich böten keinerlei gültige Begründung, sich von dieser Sendung zurückzuziehen. „Die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums sind der allererste Dienst, den die Christen jedem einzelnen Menschen und dem ganzen Menschengeschlecht leisten können, sind sie doch dazu aufgerufen, allen die Liebe Gottes zu vermitteln ….“ (Nr. 13).

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]