„Nicht die Arbeit begründet den Wert des Menschen“

Gemeinsames Wort der katholischen und evangelischen Kirchen und des DGB Bayern zum Tag der Arbeit

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MÜNCHEN, 3. Mai 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen das gemeinsame Wort, das der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bayern, Fritz Schösser, zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2008 verfasst haben.

Es war das erste Mal in Bayern, dass die katholische und die evangelische Kirche gemeinsam mit dem DGB zum Tag der Arbeit Stellung nahmen.

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Der Tag der Arbeit ist ein Nach-denk-tag. Er regt an zum Nachdenken über Sinn und Zweck, Wert und Bedeutung der Arbeit, die die Menschen in unserer Gesellschaft tagtäglich verrichten. Er verdeutlicht, dass die von Menschen geleistete Arbeit Ausdruck menschlicher Würde ist.

Durch ihre Arbeit haben die Menschen Anteil an einer bewussten und kreativen Mitgestaltung der Schöpfung Gottes. Mit ihrer Arbeit drücken die Menschen ihre Ideen und Überzeugungen aus, die im konkreten Handeln in der Welt Gestalt annehmen.

Nicht die Arbeit begründet den Wert des Menschen, sondern die Würde des Menschen ist der eigentliche Grund des Wertes von Arbeit.

Jede Form der Funktionalisierung des Menschen ist daher abzulehnen. Wir erheben die Stimme, wenn der Mensch und seine Arbeit als ein beliebiges, austauschbares Rädchen im Getriebe des Wirtschaftsbetriebes gesehen werden. Genauso legen wir Einspruch ein, wenn Menschen generell der Zugang zur Arbeit verweigert wird.

Gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Entwicklungen müssen darauf hin befragt werden: Dienen sie dem Menschen? Sind sie mit der Würde des Menschen vereinbar?

Mit großer Sorge sehen wir die Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse in unserem Land. Immer mehr Menschen können von dem Lohn ihrer Arbeit sich und ihre Familien nicht mehr versorgen. Die einen leiden unter überlangen Arbeitszeiten, andere müssen sich mit Minijobs durchschlagen oder bleiben in der Arbeitslosigkeit hängen. Die Unsicherheit vieler Arbeitsplätze durch Befristungen und drohendem Personalabbau lässt für viele, gerade junge Menschen, keine verlässliche Lebensplanung mehr zu.

Jeder muss einen menschenwürdigen Arbeitsplatz finden können, um in der Lage zu sein, sich und seine Familie zu ernähren. Hier Solidarität zu zeigen, ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft. In diesem Anliegen stehen Kirchen und Gewerkschaften zusammen.

Dr. Reinhard Marx
Erzbischof von München und Freising

Dr. Johannes Friedrich
Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Fritz Schösser
Vorsitzender des DGB Bayern

[Vom Erzbischöflichen Ordinariat München veröffentlichtes Original]