Nicht die Kleider zerreißen, sondern die Herzen

Papst Benedikt XVI. bei seiner letzten öffentlichen Messe

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1346 klicks

In seiner Predigt während der Messe des Aschermittwochs, die wegen des vorausgesehenen  großen Andranges von der Kirche Santa Sabina in Rom, wo sie traditionellerweise stattfindet, in den Petersdom (der mit seinem Fassungsvermögen von 5000 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt war) verlegt wurde, wies Papst Benedikt XVI. den Weg in die Fastenzeit. Es sei ein Weg, der vierzig Tage dauernd zur Freude des auferstandenen Herrn hinführe, zum Sieg des Lebens über den Tod.

Obwohl die erste „statio“-Kirche Santa Sabina sei, finde die Messe an diesem Tag im Petersdom statt, „wo wir alle, um das Grab des heiligen Petrus versammelt, um seine Fürsprache für den Weg der Kirche bitten. Ich nutze diese Gelegenheit, um allen meinen Dank auszusprechen, ganz besonders den Gläubigen der Diözese Roms, die ich zum Ende meines Pontifikates besonders in mein Gebet einbeziehen werde.“

Die Lesungen gäben Anlass zum Nachdenken über den Inhalt dieser Fastenzeit. Alle seien besonders dazu aufgerufen, Gott mit ganzem Herzen näher zu kommen durch Fasten, Bußen und Klagen. Im Zentrum der Entscheidungen, der Befindlichkeiten und des ganzen Seins stehe die vollkommene Freiheit.

„Aber wie können wir zu Gott gelangen?“, fragte der Papst. „Wir können es nicht aus eigener Kraft des Herzens, sondern weil diese Kraft aus dem Herzen Gottes entströmt. Es ist die Kraft seiner Barmherzigkeit.“

Die Umkehr zum Herrn sei möglich, weil es eine Gnade sei. Diese Gnade könne nur fließen, wenn man ihm sein Herz öffne. Der Prophet fordere auf, dass „wir uns die Herzen zerreißen und nicht die Kleider.“ Es sei so, dass auch in diesen Tagen die Menschen immer bereit schienen, sich die Kleider zu zerreißen, wenn sie Skandale und Ungerechtigkeiten sähen, aber wenige schienen bereit, ihr Herz berühren zu lassen.

Der Ruf Gottes, zu ihm zurückzukehren, ergehe aber nicht nur an den Einzelnen, sondern an die ganze Gemeinschaft. Die gemeinschaftliche Dimension sei eine wesentliche Eigenschaft des christlichen Glaubens. Das Wir der Kirche sei die Gemeinschaft, in der sich alle in Christus versammelten: „Der Glaube ist notwendigerweise kirchlich“, erklärte der Papst.

Das Beispiel der Priester in der Lesung, die für ihre Anvertrauten Tränen vor Gott weinen, erinnere alle an die Bedeutung des Zeugnisses des Glaubens und der Kirche, die oft unter Angriffen leide. „Ich denke besonders an die Schläge gegen die Einheit der Kirche, an die kirchlichen Spaltungen.“

Die Fastenzeit intensiver in der kirchlichen Gemeinschaft leben bedeute, Individualismen und Rivalitäten zu überwinden, um ein Zeichen der Demut für diejenigen zu sein, die dem Glauben fern oder gleichgültig gegenüber stehen.

Im Evangelium der so genannten Seligpreisungen erinnere Christus an drei fundamentale Bräuche des mosaischen Gesetzes: Almosen, Gebet und Fasten. Dies seien auch die traditionellen Forderungen für die Fastenzeit. Sie seien die Antwort auf Gottes Bitte, mit dem ganzen Herzen zu ihm zurückzukehren.

Zum Abschluss seiner Predigt lud Benedikt XVI. alle Gläubigen dazu ein, freudig den Weg des Fastens zu begehen. „Nehmen wir Gottes Gnade auf, die uns zu neuen Menschen macht“, fasste der Heilige Vater zusammen, „mit der Teilhabe am Leben Christi selber.“

„In dieser Zeit begleite uns die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, als ein Beispiel für jeden authentischen Apostel des Herrn!“