Nicht die Öffentlichwirksamkeit suchen, sondern den wahren Glauben an Christus

Ewa Kusz, Präsidentin der Weltkonferenz der Säkularinstitute (CMIS) bei der Bischofssynode

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VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Während der 17. Generalkongregation am heutigen Vormittag trug Schwester Ewa Kusz ihre Gedanken über eine tiefe Gottesbeziehung vor. Der Glaube im Alltag gelebt sei nicht immer öffentlichkeitswirksam und nach außen sichtbar, aber gerade das stille Umsetzen des Glaubens im täglichen Leben sei das Herz der Evangelisierung.

[Wir veröffentlichen den zusammengefassten Redebeitrag in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

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Meine Berufung, wie auch die Berufung anderer Mitglieder der Säkularinstitute verweist uns aus die Welt als auf den Ort, wo wir unsere Berufung leben, mit all ihrem Reichtum, mit ihrer Mühe, mit ihrem Drama oder auch mit ihren Wunden. Unsere Aufgabe als Laien, auch als gottgeweihte Laien, ist nicht eine besondere pastorale bzw. evangelisierende Aktivität. Das Wesen unserer Berufung besteht darin, Gott in allen Ereignissen des Tages, in jeder Begegnung mit den Mitmenschen zu suchen. Es geht einfach darum, das Evangelium im Alltag zu leben. Das ist weder besonders beeindruckend, noch öffentlichkeitswirksam. Es eignet sich auch nicht dazu, durch die Medien verstärkt zu werden. An meinem eigenen Leben sehe ich, dass dies nicht einfach ist, weil es nicht selten leichter wäre, das Evangelium laut zu verkünden, statt es zu leben. In meiner Arbeit, in meiner Umgebung begegnen mit Menschen, die verletzt sind und nach Liebe hungern, die nicht selten Gott gegenüber Ressentiments verspüren oder ihm gegenüber gleichgültig sind. Ich begegne Menschen, die sich nach Vollkommenheit, nach Liebe, nach dem Schönen und nach Harmonie sehnen und dies an verschiedenen Orten suchen. Leider selten in der Kirche.

Manchmal war deren Erfahrung in der Kirche, der Begegnung mit den „Menschen der Kirche“ aus verschiedenen Gründen verletzend. Das, was sich und andere Mitglieder der Säkularinstitute für diese Menschen machen können, ist einfache Präsenz, Offenheit für die Begegnung, Hilfestellung, wenn sie erwartet wird. Dazu gehört sowohl die professionelle Kompetenz, als auch das stille Gebet und nicht zuletzt die eigene Nähe zur Person Jesu Christi. Es geht darum, wie der Heilige Vater es in seiner jüngsten Botschaft an die Säkularinstitute zusammengefasst hat, „die Wunden der Welt und der Kirche mit Liebe in die Arme zu nehmen“.

Mit der Zeit bringt diese Haltung Hoffnung in das Leben eines Menschen, der zunächst im eigenen Schmerz verschlossen am Abgrund der Einsamkeit und der Verzweiflung stand und nicht selten keine praktische Möglichkeit bzw. eine enorme Schwierigkeit sah, denen zu verzeihen, die ihm oder ihr Unrecht angetan haben. Die Hoffnung keimt auf, weil es sich gezeigt hat, dass die Begegnung mit den Anderen – zunächst mit einem anderen Menschen, mit einem Du – möglich geworden ist. In dem Horizont, den diese Begegnung eröffnet, erscheint auch die Begegnung mit Gott nicht ausgeschlossen. Mit der Erfahrung der bedingungslosen Annahme durch einen Mitmenschen fängt auch die Offenheit für die Frohe Botschaft an, für Jesus Christus. Wenn man entdeckt, dass man geliebt werden kann und selbstlose geliebt wird, dann ist die Offenheit für die Liebe, die Gott ist, möglich.

Instrumentum Laboris Nr. 142 spricht von dem „Mangel an Erstverkündigung im alltäglichen Leben“. Meine und unsere Erfahrung zeigt, dass gerade die einfache Präsenz, eine Begleitung beim Wiederaufbau der Menschlichkeit, eine wesentliche Bedingung für die Entdeckung der „vollen Menschheit“, in Jesus Christus und für die Begegnung mit ihm ist. Unsere Erfahrung bestätigt, dass gerade dieses Element des Menschlichen, den natürlichen Ansatzpunkt für den Glauben darstellt (vgl. IL, 54). Hier in der Alltäglichkeit des Lebens ereignet sich die erste Evangelisierung. Sie geschieht ohne viele Worte, durch aussagekräftige Präsenz, d.h. durch ein transparentes Zeugnis des Lebens nach dem Evangelium. Das Fundament dieser ersten Evangelisierung ist die Begegnung mit dem Anderen. Gemeint sind sowohl die Begegnung des in der Welt lebenden Christen mit Jesus und dem Anderen, der „draußen“ ist und nach dem Sinn, nach Liebe und Nähe.

Die Neuevangelisierung ist daher primär nicht ein spezielles Programm. Sie ist Einladung und Hinführung zur Begegnung mit Christus, die das wichtigste Ereignis unseres Lebens darstellt. Die neue Evangelisierung setzt voraus, dass die ersten Evangelisierten wir selber  - wir als Kirche – sind. Das ist, meines Erachtens nach, die wichtigste Herausforderung für unsere Reflektion über die neue Evangelisierung.