Nicht töten, sondern beten

Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 536 klicks

Im allgemeinen gebraucht der Herr zur Illustration seiner Lehren Vergleiche aus der Landwirtschaft oder dem Fischfang, also aus der Lebenswelt der Menschen seiner Umgebung. Im heutigen Sonntagsevangelium benutzt er Gleichnisse aus dem Bauwesen und aus dem Krieg.

Wenn jemand in einen Krieg zieht, so sagt er ganz und gar realistisch, “setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?” (Lk 14,30)

Fast möchte man sagen: wie aktuell!

Gewiss, das Problem ist nicht, dass die Amerikaner mit ihren Verbündeten dem syrischen Machthaber unterlegen sein könnten und deshalb von einer Intervention absehen sollten. Vielmehr stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Sinn hat, sich in diesen Bürgerkrieg einzumischen.

Papst Franziskus hat einen energischen Appell an die Machthaber gerichtet, jedes kriegerische Eingreifen zu vermeiden. Wird sein Wort genauso verhallen wie seinerzeit die Aufforderung Johannes Pauls II. an Präsident Bush, gegen den Irak nicht mit Waffen vorzugehen? Die Folgen sind bekannt.

Spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren sich die meisten Menschen einig, dass der Satz des Militärtheoretikers Carl von Clausewitz (gest. 1831) heute keine Geltung mehr haben kann, als wäre der Krieg eine “Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”.

Er ist es nicht, vor allem wenn wir uns vorstellen, zu welchen ungeheuerlichen Ausmaßen (bis hin zum Atomkrieg) ein moderner Krieg sich steigern kann. Ein Vatikansprecher sagte: “Der Konflikt in Syrien enthält alle Voraussetzungen, um zu einem Krieg von weltweiten Dimensionen zu werden”.

Papst Franziskus spricht alle Menschen guten Willens an, sich am Gebet für den Frieden zu beteiligen. Höchst erfreulich die Reaktion auch der Muslime in Syrien, die vom Großmufti von Damaskus aufgefordert wurden, am Beten und Fasten teilzunehmen.

Noch einmal Clausewitz: “drei Viertel derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, wird durch einen ‚Nebel des Krieges’ verhüllt oder verfälscht.“ Das mag im 18. und 19. Jahrhundert vielleicht relativ ‚harmlos’ gewesen sein, jetzt aber ist das Ausmaß des Unberechenbaren in jedem Fall katastrophal. Der gesamte Nahe Osten ist mehr denn je ein Pulverfass. Sicherlich ist es eine Illusion zu glauben, dass man die Sache im Griff behalten kann, wenn erst mal die ‚Büchse der Pandora’ geöffnet worden ist.

Es ist eine uralte Erfahrung der Menschheit, dass Gewalt immer nur neue Gewalt hervorbringt.

Was also ist zu tun? Die Hände in den Schoß legen?

Neben vielen Menschen guten Willens ist es die Kirche – der Papst, viele Bischöfe und auch geistliche Führer anderer Konfessionen und Religionen – die uns gemeinsam die richtige Richtung angeben. Was sie empfehlen, ist eine andere Art von Tun, nämlich Fasten und Beten.

Am Sonntag feiern wir auch den Geburtstag der Mutter aller Menschen. Vielleicht haben wir hier das beste Argument: Kann jemand sich vorstellen, dass Maria es gutheißen würde, dass ihre Kinder sich gegenseitig abschlachten?

Nein – dreimal nein!

Maria, die Mutter Gottes, die Mutter aller Menschen ist Königin des Friedens. Wer den Frieden im Nahen Osten will, sollte sich an sie wenden.

Unrealistisch? Nein, auch das ist eine Erfahrung der Menschheit, dass Beten hilft, vorausgesetzt es hat diese Eigenschaften: Vertrauen und Beharrlichkeit.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).