Nicht von dieser Welt

Impuls zum 7. Sonntag der Osterzeit

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 18. Mai 2012 (ZENIT.org). - Es ist eine spannungsvolle Zeit, die zehn Tage zwischen der Himmelfahrt des Herrn und dem Pfingstfest. Selbst über einen zeitlichen Abstand von fast 2.000 Jahren können wir es gut nachvollziehen, wie damals die Jünger in Jerusalem sich einerseits in einem Wechselbad der Gefühle befanden (der geliebte Meister ist ihnen genommen, er hat aber versprochen, immer bei ihnen zu bleiben), andererseits aber in einer tiefen Sammlung verharren konnten dadurch, dass sie genau das befolgten, was Jesus ihnen gesagt hatte, nämlich Jerusalem nicht zu verlassen und sich im Abendmahlssaal bereit zu halten für das Kommen des Heiligen Geistes. Dabei werden sie zwei Gedanken immer wieder betrachtet haben, die Jesus ihnen eingeschärft hatte. Erstens, dass sie nicht „von der Welt sind“ so wie Jesus selbst, und zweitens, dass sie „seine Freude in Fülle haben werden“.

Die Perikope dieses 7. Ostersonntags besteht fast ausschließlich aus einem Gebet Jesu zu seinem himmlischen Vater. Immer wieder bittet er für die Seinen, die in der Welt sind. Wenn wir den Text genau lesen, erkennen wir auch, zu was das führt, dass „sie nicht von dieser Welt sind“. Er sagt: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind“ (Joh 17,14). Das gilt natürlich für alle Christen, dass die Welt uns hasst, weil wir sein Wort bekommen und angenommen haben. Zu allen Zeiten, aber in unserer „Zeit der Gottvergessenheit“ (Benedikt XVI.) fällt es uns Christen besonders schwer, diese Spannung, diesen „Hass“ der Welt auszuhalten. Es macht uns zu schaffen, wenn die Medien uns immer wieder die Verfehlungen einiger Kirchenleute um die Ohren schlagen, dagegen aber grundsätzlich nie über die vielen positiven Dinge in der Kirche berichten. Und wenn bei der Berichterstattung über den Kirchentag in Mannheim ausschließlich diejenigen Beachtung durch die Medien finden, die „mit großem Ernst und Verantwortungsbewusstsein“ die Kirchenführung kritisieren und Veränderungen fordern. Könnte es denn vielleicht sein, dass auch in der Kirche selbst einige Elemente doch „von der Welt“ sind. Nach so vielen Jahren beständigen Trommelfeuers müsste es doch jeder gemerkt haben, dass es sich bei den geforderten Reformen in Wirklichkeit um Veränderungen handelt. Wieso sieht man das nicht, dass alle diese „Reformen“, das Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats und die Lockerung der Sexualmoral in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften schon längst erfolgt sind, ohne dass dort ein Aufblühen festzustellen wäre.

Um es deutlich zu sagen: Das „Nicht-von-der-Welt-sein“ heißt eben auch gelegentlich, zu den Forderungen der „Welt“ nein zu sagen. Dass das nicht immer leicht ist, und dass es viel angenehmer wäre, wenn das eine oder andere Nachrichtenmagazin oder die eine oder andere Talkshow der katholischen Kirche Lob spendete, ist klar. Das ist ja auch der Grund, warum Jesus den Vater nicht bittet, „dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst“ (Joh 17,16). Auch wir brauchen, genau wie die Jünger damals, die Hilfe des Heiligen Geistes. Aber mit dieser Hilfe können wir ganz sicher rechnen.

Und wir werden „seine Freude in Fülle haben“ (Joh 17,15).

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“.