Nicht von einer falschen Wissenschaftsgläubigkeit verführen lassen

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller bei der Synode für die Neuevangelisierung

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 9. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Das theologische Fundament der Neuevangelisierung stand im Mittelpunkt der Ansprache von Erzbischof Gerhard Müller, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, am zweiten Tag der Synodenversammlung. Damit ging er auf die Nr. 20 des „Instrumentum Laboris“ der Synode ein, in dem es um das „theologische Fundament“ geht. Gerade die Neuevangelisierung bedürfe eines festen theologischen Fundaments, um wirklich wirksam zu werden. Vor dem „Wirken“ komme aber das „Sein", d.h. die angestrebte Gleichförmigkeit mit Christus, das erste baue auf dem letzteren auf.

Die Neuevangelisierung dürfe „kein Moment der Kirche sein, der nur in den Krisensituationen auflebt“, sondern sei zu jeder Zeit eine wesentliche Aufgabe des christlichen Lebens.

Gerade die Einheit der Kirche, die einer Fragmentarisierung entgegenstehe, sei von zentraler Bedeutung, neben allen kulturellen Bereicherungen, die aus den kirchlichen Traditionen der verschiedenen Länder erwüchsen. Die Umfelder der Kirche änderten sich, Christus bleibe jedoch immer derselbe, „gestern, heute und morgen“.

Eine erste Schwierigkeit entstehe daraus, dass das Christentum und die Botschaft Christi nicht mehr als etwas wirklich „Neues“ wahrgenommen würden, wie es im frühen Christentum der Fall gewesen sei. Das Christentum habe vor allem mit Gleichgültigkeit zu kämpfen. Die Jugend empfinde die Abwesenheit Gottes nicht als Verarmung oder Mangel. Vielerorts fehle sogar die Kenntnis einfachster Glaubensgrundlagen, beispielsweise die Bedeutung des Kreuzessymbols.

Viele Menschen ließen sich von Wissenschaftsgläubigkeit und Oberflächlichkeit verführen, was zu einem missverstandenen Individualismus und zu Egoismus führe.

Dem müsse die Kraft der Verkündigung entgegengehalten und wieder neu entdeckt werden. Wir „sind Zeugen und dürfen uns auch nicht von Strukturen ersticken lassen, sondern müssen den Menschen bei der Erneuerung helfen, wo er steht und lebt“. In diesem historischen Augenblick der Konfrontation mit dem Säkularismus hülfen weder eine falsche, rückwärtsblickende Nostalgie noch irgendwelche Zukunftsutopien.

Die Neuevangelisierung bedürfe einer nüchternen Analyse der gegebenen Wirklichkeit und eines Enthusiasmus für die Verkündung der Frohen Botschaft Christi.

„Wir müssen die Kraft der Gnade finden, die von Gott wirkt, und dann die Verantwortung übernehmen, den kommenden Generationen das eine Evangelium zu verkünden, das erlöst“.