Nichteheliche Lebensgemeinschaften und Ehe: Ungleiche Alternativen

Fortsetzung von Studien über die Notwendigkeit, Familien zu stärken

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Von P. John Flynn LC

ROM, 9. Dezember 2011 (ZENIT.org).- Die Popularität nichtehelicher Gemeinschaft als eine Alternative zur Ehe oder als ein der Ehe vorausgehender Schritt wächst zunehmend. Dies bestätigen Ergebnisse, die diese Woche vom britischen Büro für landesweite Statistiken für England und Wales veröffentlicht wurden.

Im Jahr 2010 waren nur 48,2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von England und Wales verheiratet. Von den übrigen Prozent waren 35,6 Prozent alleinstehend, 9,3 Prozent geschieden und 7 Prozent verwitwet. Man schätzt, dass etwa einer von sechs Erwachsenen in nichtehelicher Gemeinschaft lebt.

„Einer der Gründe für den Rückgang von Eheschließungen und den Anstieg der Zahl Alleinstehender liegt in der wachsenden Anzahl an in nichtehelicher Gemeinschaft lebenden Paaren", erklärte der Bericht.

Eine frühere Studie dieses Jahres, die ebenfalls die nichtehelichen Gemeinschaften untersuchte, wurde vom „Jubilee Centre“ in Auftrag gegeben, einer Gruppe, die sich selber als „Organisation der christlichen Sozialreform“ beschreibt.

In ihrem Buch „Zusammenleben: eine Alternative zur Ehe", beschreiben die Autoren John Hayward und Guy Brandon, dass trotz eines sich stabilisierenden Anteils an nichtehelichen Gemeinschaften eine steigende Anzahl dieser Beziehungen nicht in eine Ehe münden und mit Trennung enden.

Ihre Studie basiert auf einer breit angelegten Untersuchung der Haushalte in Großbritannien, die einen Vergleich der Trends in aufeinanderfolgenden Jahren ermöglicht. Die Studie schloss 14.103 Haushalte und 22.265 Erwachsene ein.

Laut der Untersuchung gab es große Veränderungen der familiären Beziehungen in den 60-er und 70-er Jahren; seit den 80er Jahren hatte die nichteheliche Lebensgemeinschaft die Ehe abgelöst und wurde zur populärsten Form einer ersten Beziehung. Seit 2000 haben knapp nur 15 Prozent der Paare zuerst geheiratet, anstatt in nichtehelicher Gemeinschaft als erste Beziehung zusammenzuleben. 

Nichteheliche Gemeinschaften sind in den letzten Jahrzehnten bedeutenden Veränderungen ausgesetzt gewesen. In den 80-er Jahren heirateten nicht weniger als 81 Prozent der in nicht- ehelicher Gemeinschaft Lebenden ihren ersten Lebenspartner. Im Jahr 2000 waren es nur noch 64 Prozent. Trotz allem heiratet die große Mehrheit  – 87 Prozent – noch einen ihrer ersten Lebenspartner, aber der Anteil hat seit den 80er Jahren um 95 Prozent abgenommen.

Kinder

Es gibt auch eine steigende Anzahl von in nicht-ehelicher Gemeinschaft lebenden Paaren mit von ihnen abhängigen Kindern. Im Jahr 2001 gab es 808.000 Haushalte von in nicht-ehelicher Gemeinschaft lebenden Paaren mit Kindern. Zum Jahr 2010 ist diese Zahl auf 1.07 Millionen anwachsen.

Vor dem Hintergrund dieser Studien ist es nicht überraschend, dass in den letzten Jahrzehnten das Durchschnittsalter bei der ersten Ehe bei Frauen von 23,1 Jahren 1981 auf 30 Jahre im Jahr 2009 angestiegen ist, bei Männern von 25,4 auf 32,1 Jahre. Das Durchschnittsalter hat sich im selben Zeitraum auch in Bezug auf erste nicht-eheliche Gemeinschaften um drei Jahre erhöht. So leben Paare heute später zusammen als früher und heiraten noch später.

Eine andere Entwicklung betrifft den Anstieg von Langzeitbeziehungen in nicht-ehelicher Gemeinschaft. In den frühen 70er Jahren lebten nur 25 Prozent aller Paare länger als drei Jahre in nicht-ehelicher Gemeinschaft zusammen, aktuell sind es 50 Prozent. Darüber hinaus leben heute 25 Prozent länger als 6,5 Jahre vor der Trennung oder Heirat zusammen.

Insgesamt hat sich die Dauer der in nichtehelicher Gemeinschaft lebenden Beziehungen in den letzten 40 Jahren ungefähr verdoppelt. Eine Analyse der Studie hat gezeigt, dass das allerdings auf eine Verlängerung der kürzesten in nicht-ehelicher Beziehung lebenden Gemeinschaften zurückzuführen ist.

Den Autoren zufolge haben sich auch die von den Paaren angegebenen Gründe für ein nicht-eheliches Zusammenleben verändert. Vor 40 Jahren wurde das Leben in nichtehelicher Gemeinschaft meist noch als ein vorübergehender, vorehelicher Abschnitt gesehen.

Veränderte Einstellungen bewirkten seit den 80er Jahren, dass Trennungen zunehmend Akzeptanz fanden, was wiederum zu höheren Scheidungsraten führte, aber auch zu häufigeren Trennungen von in außerehelicher Gemeinschaft Lebenden.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die außereheliche Gemeinschaft zunehmend als eine Wahl des Lebensstils mit eigenen Rechten angesehen wird und weniger als ein prinzipieller Schritt in Richtung Ehe.

Die Kehrseite

Die Studie befasste sich auch mit den Auswirkungen von außerehelichen Beziehungen auf zukünftige Ehen. Rund 55 Prozent der Ehen, die in den frühen 80er Jahren geschlossen wurden, wobei mindestens einer der Partner schon mit einem früheren Partner zusammengelebt hatte, endeten in Trennung. Vergleichbares zeigte sich bei den 45 Prozent an Paaren, die nur zusammengelebt hatten und den 40 Prozent, die vorher noch nicht zusammengelebt hatten.

„Für alle Ehen seit 1980 stellen frühere außereheliche Gemeinschaften als größeres Risiko von Trennung und Scheidung dar", ist die Schlussfolgerung dieses Berichts.

Der Schaden, der durch außereheliches Zusammenleben verursacht wird, steigt, wenn es eine Gemeinschaft mit einem Menschen war, der nicht der zukünftige Ehepartner ist. Früheres Zusammenleben eines verheirateten Paares verursacht ein 15-prozentig höheres Risiko für eine Scheidung. Das frühere Zusammenleben mit anderen Partnern führt zu einem 45-prozentig höheren Risiko einer Scheidung.

Die Nachricht über eine steigende Anzahl außerehelichen Zusammenlebens erscheint zu einem Zeitpunkt, in dem Studien wieder und wieder gezeigt haben, dass ein stabiles Eheleben die beste Umgebung für die Erziehung eines Kindes darstellt.

Das zeigte eine im letzten Monat publizierte Studie, die vom Institut für Familienforschung des australischen Staats herausgegeben wurde.  Laut einem Pressebericht vom 16. November analysierten die beiden Forscher Lixia Qu und Ruth Weston Studien über 5000 Kinder aus ganz Australien in einem Zeitraum zwischen ihrem 4.-5. bis zu ihrem 8.-9. Lebensjahr.

Sie fanden heraus, dass Kinder verheirateter Paare ein weitaus höheres Niveau in ihrer Lernentwicklung und ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung erreichten als Kinder von „de- facto-Eltern“ oder allein erziehenden Müttern.

Eine weitere Bestätigung, dass noch viel mehr als bisher getan werden muss, die Ehe zu schützen und zu stärken.

[Übersetzung aus dem Englischen von Anna Finkbeiner]