"Nichts der Liebe Christi vorziehen": Was der Papst vor einem Jahr über den heiligen Benedikt von Nursia sagte

"Er zeigte jenen, die ihm folgten, dass das grundlegende, ja sogar einzige Ziel des Lebens darin besteht, Gott zu suchen"

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ROM, 11. Juli 2006 (ZENIT.org).- Heute vor genau einem Jahr erinnerte Papst Benedikt XVI. rund 40.000 Gläubige an das Vermächtnis seines Namenspatrons, des heiligen Benedikts von Nursia (480-547). Die Kirche begeht heute den Gedenktag dieses Ordensgründers und Schutzpatrons von Europa, der dazu aufrief, Gott unaufhörlich zu suchen.



Der Heilige Vater erklärte damals vor dem Angelus-Gebet, dass der Heilige einst eine Gemeinschaft von Brüdern gegründet habe, "die sich am Primat der Liebe Christi orientierten und Gebet und Arbeit zum Lobpreis Gottes auf harmonische Weise miteinander verknüpften". Jahre später habe er sein Werk in Monte Casino (Italien) vollendet. "Mitten in den Aschen des römischen Reiches suchte Benedikt vor allem anderen das Reich Gottes. Dabei säte er, vielleicht ohne es selbst zu bemerken, den Samen für eine neu entstehende Zivilisation, in der die christlichen Werte im klassischen Erbe aufgehen und sich die germanischen Kulturen mit den slawischen verbinden sollten."

In der benediktinischen Spiritualität machte der Papst einen bestimmten Aspekt aus, den er damals besonders hervorheben wollte: "Benedikt gründete nicht im Stil anderer großer missionarischer Mönche der damaligen Zeit einen Orden mit dem Hauptziel, den unzivilisierten Völkern das Evangelium zu verkünden, sondern er zeigte jenen, die ihm folgten, dass das grundlegende, ja sogar einzige Ziel des Lebens darin besteht, Gott zu suchen."

Es sei ihm allerdings ebenso bewusst gewesen, "dass sich der gläubige Mensch, der in eine tiefe Beziehung zu Gott eingetreten ist, nicht mit einem mittelmäßigen Leben, einer minimalistischen Ethik und einer oberflächlichen Religiosität zufrieden geben kann. In diesem Zusammenhang wird das Wort, das Benedikt vom heiligen Cyprian übernommen und in seiner Regel (IV, 21) als mönchisches Lebensprogramm zusammengefasst hat, verständlicher: 'Nihil amori Christi praeponere' – 'nichts der Liebe Christi vorziehen'."

In diesem Aufruf bestehe die Heiligkeit, fuhr Benedikt XVI. fort. "Sie richtet sich an jeden Christen und ist gerade in der heutigen Zeit, in der man spürt, dass das Leben und die Geschichte solide spirituelle Bezugspunkte dringend benötigt, zu einem echten pastoralen Imperativ geworden. Ein erhabenes und vollkommenes Vorbild der Heiligkeit ist die allerseligste Jungfrau Maria, die in beständiger und tiefer Verbundenheit mit Christus lebte. Wir wollen ihre Fürsprache und die des heiligen Benedikt anrufen, damit der Herr auch unserer Zeit viele Frauen und Männer schenken möge, die in diesem neuen Jahrtausend Salz der Erde und Licht der Welt sind, weil sie ihren erleuchteten Glauben mit ihrem Leben bezeugen."