Nie wieder Krieg

100.000 Menschen auf dem Petersplatz zum Friedensgebet für Syrien

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 378 klicks

Am Samstagabend begann um 19.00 Uhr das Friedensgebet für Syrien auf dem Petersplatz, wo sich um die 100.000 Menschen aller Konfessionen und Nichtgläubige aus aller Welt versammelt hatten. An dem Gebet nahmen ebenfalls einige Muslime teil, unter anderem aus Syrien. Mit der Inthronisation der Ikone der Maria Salus populi Romani begann zunächst das Rosenkranzgebet. Die Eucharistie wurde von Lesungen, Musik und Gebeten zum Thema Frieden begleitet. Vor dem Schlusssegen fiel der Platz in eine tiefe Stille, die dem persönlichen Gebet gewidmet war.

„Kein Krieg mehr! Kein Krieg mehr!“, waren die zentralen Worte, die Papst Franziskus den Menschen zurief. Er sagte, der Krieg sei nie der Weg zum Frieden. Das Idol der Macht verwandle die Menschen in Kain. Die Rechtfertigungen, die sie für die Gewalt anführten, würden immer subtiler. Die Welt nach der sich alle sehnten, sei eine Welt voll Harmonie und Frieden, so wie Gott sie geschaffen habe, und dennoch gebe es Gewalt, Spaltung, Auseinandersetzungen und Krieg. Papst Franziskus nahm als Ausgangspunkt für seine Ausführungen die Schöpfungsgeschichte, die der Mensch in dem Moment verletzt habe, als er aufgehört habe, den Horizont der Schönheit und des Guten anzuschauen und sich im selbstorientierten Egoismus verschlossen habe.

„Wenn der Mensch nur an sich selbst denkt, an die eigenen Interessen und sich ins Zentrum rückt, wenn er sich von den Idolen der Herrschaft und der Macht faszinieren lässt, wenn er sich an die Stelle Gottes stellt, verdirbt er alle Beziehungen, er zerstört alles; und er öffnet der Gewalt, der Gleichgültigkeit und dem Konflikt die Tür.“

Wenn der Mensch die Harmonie mit dem Schöpfer zerstöre, gehe er so weit, dass er die Hand gegen den eigenen Bruder erhebe, um ihn umzubringen. Er werde wie Kain, so der Pontifex, und der Bruder, den es zu schützen und zu lieben gelte, werde zum Gegner, der bekämpft werden müsse.

„In jeder Gewalttat und in jedem Krieg lassen wir Kain wieder aufleben. Wir alle! Auch heute fahren wir mit den Auseinandersetzungen zwischen Brüdern fort, auch heute erheben wir die Hand gegen denjenigen, der unser Bruder ist.“

Von der Steinzeit bis zum dritten Jahrtausend sei dies ein Verhalten, das sich nicht verändert habe.

„Wir haben unsere Waffen perfektioniert, unser Gewissen ist eingeschlafen, wir haben die Rechtfertigungen für unser Verhalten verfeinert. Als ob es normal wäre, fahren wir damit fort, Zerstörung, Schmerz und Tod zu säen! Gewalt und Krieg bringen nur Tod, sie sprechen nur vom Sterben!“

Doch nach dem Unwetter habe es aufgehört zu regnen, so der Pontifex weiter. Man sehe den Regenbogen, und die Taube bringe den Zweig eines Olivenbaums.

„Auch heute denke ich an den Olivenbaum, den Vertreter der verschiedenen Religionen in Buenos Aires auf der Piazza de Mayo im Jahr 2000 gepflanzt und dafür gebetet hatten, dass es kein Chaos mehr gebe, keinen Krieg, sondern Frieden.“

Papst Franziskus fragte sich im Folgenden, ob es einen Ausweg gebe, ob es möglich sei, aus dieser Spirale des Schmerzes und des Todes herauszukommen. Ob es möglich sei, dass der Mensch von neuem lerne, auf den Wegen des Friedens zu gehen.

„Heute Abend würde ich mir wünschen, dass wir von allen Teilen der Erde rufen: Ja, es ist für alle möglich! Dass jeder von uns, vom Kleinsten bis zum Größten, bis hin zu denjenigen, die unsere Nationen regieren, antworten würde: Ja, wir wollen es!“

Der Glaube dränge uns, das Kreuz anzuschauen. Der Papst sagte, er wünsche sich, dass alle Menschen, Männer und Frauen, für einen Augenblick das Kreuz anschauten. Dort könne man die Antwort Gottes ablesen.

„Dort ist auf Gewalt nicht mit Gewalt geantwortet worden; auf den Tod ist nicht mit der Sprache des Todes geantwortet worden. In der Stille des Kreuzes schweigt der Lärm der Waffen und spricht die Sprache der Versöhnung, der Verzeihung, des Dialogs, des Friedens. Ich möchte den Herrn heute Abend bitten, dass wir Christen, die Brüder der anderen Religionen, jeder Mann und jede Frau mit Kraft rufen: Gewalt und Krieg sind nie der Weg des Friedens!“

Man solle auf sein Gewissen schauen und auf die Stimme hören, die sage, der Mensch solle aus den Interessen, die das Herz verkrampfen lassen, aussteigen und die Unterschiede zum anderen, die das Herz unsensibel machen, überwinden. Jeder solle sich dem Dialog öffnen, der Versöhnung.

„Schau auf den Schmerz deines Bruders – und ich denke dabei an die Kinder, nur an sie – schau auf den Schmerz deines Bruders und fügen nicht zusätzlichen Schmerz hinzu, halte deine Hand auf, stelle die zerstörte Harmonie wieder her; und das nicht durch eine Auseinandersetzung, sondern durch eine Begegnung! Beende den Lärm der Waffen! Der Krieg zeigt immer das Scheitern des Friedens an, er ist immer eine Niederlage der Menschheit. Mögen die Worte Paul VI. nochmals genannt sein: ‚Nicht mehr die einen gegen die anderen, nie mehr!... nie mehr Krieg, nie mehr Krieg!‘ (Rede vor den Vereinten Nationen, 4. Oktober 1965)“.

Friede entstehe nur aus Friede, so Papst Franziskus weiter, und er schloss mit den Worten:

„Vergebung, Dialog, Versöhnung, das sind die Wörter des Friedens: im geliebten Syrien, im Mittleren Osten, auf der ganzen Welt! Beten wir für die Versöhnung und den Frieden, und werden wir alle, in allen Bereichen, Männer und Frauen der Versöhnung und des Friedens. Amen.“