Niederlande: Kein Trau-Zwang mehr für Standesbeamte

Verweigerung homosexueller „Eheschließungen“ soll in Zukunft möglich sein

| 791 klicks

DEN HAAG, 20. Februar 2007 (ZENIT.org).-In den Niederlanden könnte es den Standesbeamten im öffentlichen Dienst in Zukunft erlaubt sein, die Trauung von homosexuellen Paaren zu unterlassen und sich dabei auf ihr Gewissen zu berufen.



Ein entsprechendes Vorhaben geht von der Mitte-Links-Regierung aus, die Christdemokrat Jan Peter Balkenende anführt. Wie die italienische Tageszeitung „Avvenire“ am Samstag berichtete, handelt es sich konkret um eine Initiative des kleinsten Koalitionspartners, der protestantischen Christen-Union.

Die Christdemokraten waren bei der letzten Wahl in den Niederlanden mit 41 Abgeordneten stärkste Fraktion geblieben; die Sozialdemokraten erreichten 33, die Christen-Union 6 Parlamentssitze. Das Regierungsbündnis, das aus diesen drei Parteien besteht, verfügt über 80 der 150 Parlamentssitze.

Aufgrund ihrer Schüsselrolle ist es der Christen-Union bisher möglich gewesen, ihre Koalitionspartner dazu zu bewegen, gegen die legale Prostitution vorzugehen, Bierschenken in der Nähe von öffentlichen Schulen zu verbieten und Alternativen zu Abtreibung und Euthanasie anzubieten.

Am 1. April 2001 wurde in den Niederlanden die „Ehe“ für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt, denen zudem die Adoption von Kindern ermöglicht wurde – trotz des Widerstands der christlichen Parteien und Teilen des Parlaments. Seitdem beläuft sich die Zahl der homosexuellen „Eheschließungen“ in diesem Land auf rund 8.000.