Nigeria: Anschläge auf Kirchen sind ein absurdes Modell des Hasses

Aufgebrachte Jugendliche reagieren mit Gewalt

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ROM, 19. Juni 2012 (ZENIT.org). – Vatikansprecher Pater Federico Lombardi SJ hat die Bombenanschläge auf Kirchen in Nigeria in der römischen Tageszeitung „Il Messagero“ mit klaren Worten verurteilt, wie Radio Vatikan berichtet.  Im Norden des Landes waren am Sonntagmorgen erneut Angriffe auf drei christliche Gotteshäuser verübt worden, auf die Shalom-Pfingstkirche in Kaduna sowie die katholische Christkönig-Kirche und die ECWA-Kirche der Frohen Botschaft in der nahen Universitätsstadt Zaria. Gouverneur Patrick Yakowa hatte umgehend eine 24-stündige Ausgangssperre verhängt, die noch andauert. Dabei starben nach unterschiedlichen  Medienberichten  zwischen 36 und 72 Menschen. „Die Systematik der Attentate gegen die christlichen Kirchen am Sonntag ist grauenvoll und inakzeptabel“ und zeuge von einem „absurden Modell des Hasses“, so Lombardi.

Bischof George Jonathan Dodo von Zaria beschrieb das Attentat auf die Christkönigs-Kathedrale gegenüber dem Fidesdienst: „Ich hielt gerade meine Predigt bei der zweiten Morgenmesse, als gegen 9.00 Uhr eine heftige Explosion zu hören war. Eine Autobombe hatte einen tiefen Krater in den Asphalt gerissen und überall waren Glassplitter, Trümmer und brennende Autos.“ Ein weiteres Attentat wurde in Kaduna, der Hauptstadt des gleichnamigen Staates, auf die Shalom-Kirche verübt.

Bischof Dodo weiter: „Ich bin in Kontakt mit dem Gouverneur und den Polizeibehörden und versuche, die Sicherheit der Gläubigen zu garantieren. Vertreter der höchsten Sicherheitsbehörden, waren vor Ort, um die Menschen zu beruhigen.“ Er berichtete auch, dass es in Kaduna auch zu Racheakten gegen muslimische Gläubige gekommen sei: „Als die Nachricht von dem Attentat auf die pfingstkirchliche Gemeinde bekannt wurde, haben einige Jugendliche mit Gewalt reagiert und Eigentum verwüstet“, so der Bischof.

„Es ist wahrscheinlich, dass die Täter eine präzise Agenda haben“, so Bischof Dodo abschließend.

In einem Interview mit Radio Vatikan hat der Medienbeauftragte des Erzbistums Abuja, Pater Patrick Alumuku Zweifel daran geäußert, dass der Staat noch für die Sicherheit der Gemeinden sorgen könne.

„Deswegen haben sich die Bischöfe auch mit einem Appell zu Wort gemeldet. Die Menschen sind durch die nicht abreißen wollende Anschlagsserie zermürbt. Sie können das einfach nicht mehr ertragen. Auch wenn die Kirche zur Ruhe aufruft, glauben immer mehr Menschen, dass wenn die Regierung sie nicht mehr schützen kann, sie das selber machen müssen“, so Pater Alumuku. [jb]