Nigeria: Generalvikar von Enugu warnt vor zunehmender Politisierung des Islams

| 494 klicks

KÖNIGSTEIN, 4. Mai 2006 (ZENIT.org).- Der Generalvikar der nigerianischen Diözese Enugu, Msgr. Francis Obiore Ike, warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung des Islam. Nach Jahren der friedlichen Koexistenz von Muslimen und Christen in Nigeria werde die Lage der Christen zusehends schwieriger.



"Der Islam kam um das Jahr 1000 nach Nigeria. Das Christentum, das in diesem Land weitaus jünger ist, hat neben dem Islam Bestand gehabt, und sehr lange gab es ein ausgesprochen natürliches und menschliches Verhältnis" zwischen den beiden Religionsgemeinschaften, berichtete Generalvikar Obiore Ike während seines jüngsten Besuches beim internationalen pastoralen Hilfswerk Kirche in Not in Königstein. Der Geistliche, dessen Diözese im Süden der ehemaligen britischen Kolonie in Westafrika liegt, fügte hinzu, dass in seinem Land seit kurzer Zeit immer mehr Aggressivität und Gewalttätigkeit zu beobachten seien – "eine zunehmende Politisierung des Islams und möglicherweise der Religion überhaupt".

Den Beginn dieses gefährlichen Prozesses habe "die Ausrufung zum islamischen Staat durch die Militärregierung im Jahre 1985" gemacht. "Nigeria wurde von einem muslimischen Präsidenten als eines jener Länder registriert, die der Organisation der islamischen Staaten angehören. Selbstverständlich protestierten die Christen dagegen, aber Nigeria blieb ein Mitglied dieser islamischen Organisation. Hinzu kam – und dies ist unterschätzt worden –, dass sich zwölft Regionen in Nigeria dafür entschieden haben, die Sharia, das islamische Gesetz, einzuführen. Dies widerspricht der Bundesverfassung, die besagt, dass Nigeria ein säkularer Staat ist und dass dort keine Religion als Staatsreligion gelten darf."

Der Generalvikar von Enugu führte als Beispiel den nigerianischen Bundesstaat Kaduna an. Die dort ansässige Bevölkerung bestehe zu 70 Prozent aus Christen, und dennoch sei die Sharia eingeführt worden. "Wie kann man die Sharia Menschen auferlegen, die keinen Wunsch danach haben? Wie kann die Sharia einzelnen Bundesstaaten aufgezwungen werden, wenn das doch der nigerianischen Verfassung widerspricht?"