Nigeria: Islamisten von Politikern unterstützt

Destabilisierungsstrategie nordnigerianischer Politiker

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KÖNIGSTEIN, 8. November 2011 (ZENIT.org/KIN). - Die islamistische Sekte „Boko Haram", die seit Freitag bei Anschlägen im Norden Nigerias mindestens 150 Menschen getötet hat, erhält womöglich Unterstützung von gewählten Politikern. Der Bischof von Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, sagte gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not", nordnigerianische Politiker würden die Islamisten als Werkzeug benutzen, um die Region zu destabilisieren und ihren politischen Gegnern zu schaden.

Konkret kritisierte der Bischof die Regierung des nordnigerianischen Bundesstaates Borno, dessen Hauptstadt Maiduguri ist, sie habe „die Menschen im Stich gelassen", indem sie die Sicherheit mutwillig nicht gewährleistet habe. „Es gibt mächtige Politiker, die es den Islamisten ermöglichen, vor Ort Waffen zu kaufen und herzustellen", sagte Bischof Doeme. Religion sei in seiner Diözese ein heikles Thema, daher falle es den Politikern leicht, Hass und Misstrauen unter den Menschen zu säen. Die Jugend der Region sei arm, schlecht ausgebildet und arbeitslos. „Sie sind eine leichte Beute für die Islamisten", warnte der Bischof.
 
„Es ist ein Teil des Plans von ‚Boko Haram', die Christen aus Borno zu vertreiben", erklärte Bischof Doeme. In Borno gilt die Scharia bereits als Grundlage der Gesetzgebung. Dies gehe den Islamisten jedoch nicht weit genug. Sie hätten vor, „alle Menschen des Bundesstaates gewaltsam zum Islam zu bekehren". Bischof Doeme berichtete, die Islamisten hätten bereits Teile der Polizei und anderer Sicherheitskräfte unterwandert. Er bitte die Regierung in dieser Situation inständig um ihren Schutz für alle Bürger.

Bei der Anschlagsserie durch „Boko Haram" wurden am vergangenen Wochenende mindestens 150 Menschen getötet (ZENIT berichtete). Die Bombenanschläge und bewaffneten Angriffe richteten sich vor allem gegen Einrichtungen des Militärs, der Polizei und gegen Kirchen in den Städten Damaturu und Maiduguri.

Durch einen Bombenanschlag ist nach Aussage von Bischof Doeme eine der größten Kirchen in seiner Diözese komplett zerstört worden. Die bis auf die Grundmauern niedergebrannte Kirche „Unsere Liebe Frau" in Damaturu hatte Platz für über 1000 Gottesdienstbesucher geboten. „Letzten Sonntag musste der Gottesdienst im Gemeindehaus gefeiert werden", beklagte Bischof Doeme. „Die Regierung muss endlich dafür sorgen, dass wir unseren Glauben frei leben dürfen."

Etwa die Hälfte der Bevölkerung Nigerias bekennt sich zum christlichen Glauben. Während im Süden des Landes überwiegend Christen leben, bilden die Muslime im Norden eine deutliche Mehrheit. Zwölf Bundesstaaten in Nordnigeria haben die Scharia als Quelle der Gesetzgebung eingeführt.