Nigeria: Terror gegen Christen

Spuren führen in den Maghreb und nach Saudi-Arabien

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KÖNIGSTEIN, 16. April 2012 (ZENIT.org/KIN). - „Außer ‚Christen umbringen‘ haben sie keine Philosophie.“ Mit diesen Worten beschreibt Dr. Ernst Sagemüller, Entwicklungshelfer in Nigeria, den Terror islamistischer Salafisten in dem Westafrikanischen Land. Zuletzt waren zu Ostern in Kaduna in Nordnigeria sowie in Jos und anderen Städten erneut Autobomben in der Nähe von Kirchen gezündet worden. Dabei wurden mehr als 60 Menschen getötet und viele Dutzende verletzt, einige von ihnen schwer. Mehrere Kirchen wurden zerstört. Die Zahl der seit Jahresbeginn bei Attentaten getöteten Christen stieg damit auf 628. Alle Aktionen gehen auf das Konto der Terrororganisation „Boko Haram“, einer Unter-Zelle von Al Qaida und der Hisbollah, so Sagemüller im Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Der Name „Boko Haram“ bedeutet „Westliche Bildung ist Sünde“. Sagemüller: „Die Anführer sind radikale Salafisten, die in Saudi Arabien ihre ‚philosophische‘ Ausrichtung erhalten. Dann werden sie in Pakistan, in Mali oder im Tschad in Lagern ausgebildet, um Terror zu verbreiten.“ Keimzellen der ausufernden Gewalt sind nach den Worten von Sagemüller Korruption, extreme Armut und Perspektivlosigkeit. Extremisten falle es nicht schwer, Sympathisanten etwa aus einem Heer arbeitsloser Jugendlicher zu rekrutieren. Doch in allen Schichten der nigerianischen Bevölkerung habe „Boko Haram“ Fürsprecher, darunter frühere Diktatoren, reiche Salafisten und aktive Helfer in hohen Regierungsfunktionen. Erst vor einer Woche sei in Pakistan der Leiter einer nigerianischen Anti-Terrorgruppe bei der Ausbildung von Selbstmordattentätern verhaftet worden.

Ziel von „Boko Haram“ sei ein radikaler islamischer Staat nach dem Vorbild der afghanischen Taliban. Nach Äußerungen ihres gegenwärtigen Anführers, Imam Abubakar Shekau, wollen die Extremisten zuerst den Norden Nigerias von Christen „befreien“, danach den Rest des etwa 160 Millionen Einwohner zählenden Landes. In einem Interview habe Shekau bekräftigt, alle Christen töten zu wollen, so Sagemüller, der seit Jahren unter anderem in Nigeria für verschiedene staatliche Initiativen sowie kirchliche Hilfswerke in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist.

Der Terror richte sich aber nicht nur gegen Christen, sondern auch gegen moderate Muslime und ihre Geistlichen. Gefährdet seien zudem Politiker, die für Frieden und Versöhnung eintreten, Lehrer, Journalisten, Polizisten und Armeeoffiziere. Allein in diesem Jahr seien 340 Soldaten auf offener Straße erschossen worden. Die Regierung habe kein Konzept oder wage sich nicht an die einflussreichen Hintermänner heran. Sagemüller: „Die überwiegende Mehrheit der muslimischen Bevölkerung ist entsetzt und lehnt diese brutalen Übergriffe ab. Viele Muslime sind sogar bereit, Christen zu helfen.“