Nightfever in Köln: die Tore für die Menschen öffnen

Auf der Suche nach Wahrheit

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Von Reinhild Rössler*

KÖLN, 19. November 2012 (ZENIT.org). – „Nightfever“ ist ein Kind des Weltjugendtages in Köln. Das, was dort die Jugendlichen begeisterte, die Atmosphäre des Gebets, die Gemeinschaft mit Menschen verschiedenster Herkunft und die allgegenwärtige Freude am Glauben wurde nicht mit den Zelten des Weltjugendtages abgebaut. Es sollte zu einem neuen Anfang für die Kirche in Deutschland werden und – was damals noch keiner erwartet hatte – auch zu einer Renaissance der Anbetung in der Welt.

„Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ war das Motto des Weltjugendtages in Köln. Es geschah nicht wenigen Jugendlichen, dass sie dort in Köln auf dem Marienfeld mit hunderttausend anderen Jugendlichen das erste Mal eine Nacht der Anbetung erlebten.

Jetzt, sieben Jahre später, treffen sich in Köln regelmäßig an einem Samstag im Monat Jugendliche und junge Erwachsene, um den Kölner Dom für eine Nacht der Anbetung zu öffnen und die Menschen einzuladen. Es ist keine homogene Gruppe, keine geistliche Gemeinschaft. Sie kommen mit den verschiedensten Hintergründen, durch unterschiedliche Spiritualitäten geprägt. Wenn die Gruppe von Jugendlichen am Nachmittag die Gestaltung der Kirche vornimmt, die Sänger sich auf die musikalische Begleitung vorbereiten und gemeinsam für ein Gelingen gebetet wird, sieht sich die Gruppe verbunden mit jungen Menschen aus fast 30 Städten in Deutschland, in denen ‚Nightfever‘ auch regelmäßig gefeiert wird. Mittlerweile spannt sich das Netz der Neuevangelisierung noch weiter, über Österreich, die Schweiz, die Niederlande und Dänemark bis nach Großbritannien und Kanada [ZENIT berichtete].

Auf der ganzen Welt treten Menschen in die nächtlichen Kirchen. Nur wenige Lichter weisen den Weg nach vorne, zum Altar, in dessen Mitte das Allerheiligste steht. Dieses jedoch ist hell erleuchtet von Hunderten von Teelichtern. Jedes bringt ein Gebet, einen Gedanken, eine Bitte vor Christus, der, von leiser Musik umgeben, das Zentrum von allem ist. Ob nun für eine Minute oder für die ganze Nacht, die Menschen kommen nach vorne - zu ihm. Es scheint kein Wunder zu sein, dass hier viele Menschen das erste Mal die direkte Begegnung mit Christus in der Eucharistie erleben. Der Glaube, der verloren und vergessen wurde, tritt in dem Augenblick dieser Begegnung für so manchen aus den hintersten Winkeln des Gedächtnisses hervor und wird - vielleicht nur für einen Moment- mit Leben gefüllt. Die Priester, die oft die ganze Nacht in der Kirche Gespräche und Diskussionen führen und das Sakrament der Versöhnung spenden, können von unglaublichen Bekehrungen berichten.

Draußen auf der Straße laden die jungen Christen Passanten ein, für einen Augenblick in die Kirche zu kommen und vielleicht eine Kerze anzuzünden. Und sei es nun der Kölner Dom oder die St. Patricks Catholic Church in London, viele der Menschen nehmen diese Einladung an. Sie betreten oft nach vielen Jahrzehnten das erste Mal wieder eine Kirche. So auch bei den Olympischen Spielen, wo ‚Nightfever‘ dieses Jahr in London dabei war. Die ganze Zeit über wurde das Fest des Sports von einer Nacht der Anbetung begleitet, und Sportler wie Besucher begegneten dem Glauben an einem Ort, wo es keiner erwartet hätte.

Als Andreas Süß, der jetzige Subregens des Priesterseminars in Köln, 2005 noch als Seminarist die Idee verwirklichte, eine Neuevangelisation durch Anbetung zu schaffen, hätte er nicht geglaubt, dass dies jetzt, schon sieben Jahre später, ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens sein würde. Jeder Kirchentag und jede größere katholische Veranstaltung wird mittlerweile durch „Nightfever“ betend begleitet.

Gerade die Helfer, die hauptsächlich aus Schülern, Studenten und jungen Erwachsenen bestehen, schaffen die lebendige Atmosphäre des Abends. Und das liegt nicht etwa daran, dass hier etwas bahnbrechend Neues in die Kirche Einzug gehalten hat; es war die Suche nach dem Eigentlichen, nach dem Echten und Unverfälschten, die die Menschen schließlich zurück zur eucharistischen Anbetung geführt hat.

„Generation Maybe“ wird die junge Generation gerne genannt. Keine Entscheidungen, keine festen Bindungen, keine dauerhaften Verpflichtungen. Genau dieses Phänomen scheint die Initiative anzusprechen. Es gibt keine zeitliche Eingrenzung, keinen Zwang, irgendetwas zu tun, keine strenge Pflicht, irgendwo dabei sein zu müssen. Es geht einzig und allein darum, da zu sein. Und das meint nicht nur die Besucher, die manchmal vielleicht nur für einen Augenblick in den Dom kommen. „Nightfever“ baut eben gerade auf das freiwillige Engagement derer, die da sind, die vor Ort bereit sind, eine kleinere oder größere Aufgabe zu übernehmen. Sie gehen keinen Arbeitsvertrag ein, sie helfen, wann, wo und wie sie können. Während die einen bei Wind und Wetter auf der Domplatte stehen und beim Einladen mit den interessantesten Menschen ins Gespräch kommen, kommt vielleicht ein anderer nur zufällig dazu. Und erstaunlicherweise wird es für den ein oder anderen Besucher und Helfer der Weg zum Glauben, zur Kirche, zu Christus und der Beginn der größten Beziehung seines Lebens.

*Reinhild Rössler ist zusammen mit Weihbischof Dr. Klaus Dick im katholischen Fernsehsender EWTN sonntags in der neuen Serie Credo - Das Apostolische Glaubensbekenntnis" zu sehen.