Nikolaus von Bari

Kult und Darstellung in der bildenden Kunst

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 276 klicks

Über den heiligen Nikolaus berichten verschiedene Quellen wie z.B. die „Vita Sancti Nicolai“ des Johannes Diaconus und die „Legenda Aurea“ des Jacobo de Voragine. Historische Information über Nikolaus ist nicht überliefert.

Nikolaus wurde um 270 in Patras in Lykien geboren. In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts soll er Bischof von Myra gewesen sein. Sein Todesjahr wird um 342 angenommen. Die Gebeine des Heiligen wurden 1087 von Myra nach Bari überführt.

Der Kult des heiligen Nikolaus ist seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Von Myra aus verbreitete er sich über Italien bis nach Frankreich und England. In Deutschland ist der Kult des heiligen Nikolaus seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Hier fand der Kult vor allem durch die Ehefrau Ottos II., Theophanu, Verbreitung.

Neben Maria zählt Nikolaus in der Ostkirche zu den meistverehrtesten Heiligen. In der östlichen Ikonographie wird Nikolaus als Greis, kahlköpfig und mit rundem Bart dargestellt. Die Darstellungstradition hatte sich bereits im 10. Jahrhundert ausgebildet. In der westlichen Ikonographie wird Nikolaus bis ins 14. Jahrhundert als Bischof im Messornat dargestellt, ohne dass ihm persönliche Attribute beigegeben werden. Später wird er als Bischof mit Mitra und Bischofsstab und Attributen dargestellt, die sich aus den verschiedenen Legenden herleiten, die aus seinem Leben überliefert sind. Das häufigste Attribut des Heiligen sind die drei Goldkugeln, die auf das sogenannte „Jungfrauenwunder“ zurückgehen: Ein verarmter Vater von drei jungen Frauen verfügte nicht über ausreichend finanzielle Mittel, um eine angemessene Brautausstattung für seine Töchter bereitzustellen. Den Töchtern drohte das schreckliche Schicksal, sich prostituieren zu müssen. Nikolaus hinterließ deshalb den drei Jungfrauen des Nachts drei Goldkugeln. Auf diese Weise sicherte er ihre Ausstattung und damit ihre Eheschließung. Die beschriebene Szene wird in einem Girolamo Macchietti zugeschriebenen Gemälde aus dem Jahr 1555-1560 (National Gallery, London) dargestellt. Der Heilige hat bereits eine der drei Kugeln durch das kleine Fenster in den Schlafraum geworfen, wo der Vater und seine drei Töchter sitzend schlafen und von der guten Tat nichts bemerken.

Ein weiteres Attribut, das sich häufig in Darstellungen des heiligen Nikolaus findet, sind die drei Scholaren. Der Legende nach waren die drei Jungen von einem Metzger getötet und in einem Fass eingepökelt worden. Nikolaus erweckte sie wieder zum Leben. Die Szene wird auf einer Tafel von Gentile da Fabriano aus dem Jahr 1425 dargestellt, die zu einer Gruppe von insgesamt fünf Tafeln zählt, die ursprünglich zur Ausstattung der Predella eines Hochaltars in der Kirche S. Nicolò sopr’Arno in Florenz gehörten (Vatikanische Museen).

Weitere bekannte Legenden erzählen, dass Nikolaus einmal während einer Hungersnot in Myra Getreide von einer Schiffsladung erbeten habe. Entgegen der Befürchtung der Schiffsleute verminderte sich der Getreidebestand auf dem Schiff nach der Spende an den heiligen Nikolaus nicht, sondern blieb gleich. Viele der Legenden werden bildnerisch in Freskenzyklen über die Vita des heiligen Nikolaus dargestellt, die vor allem ab dem 13. Jahrhundert Verbreitung finden, so z.B. in der ehemaligen Nikolaus-Kapelle, der heutigen Schatz- und Silberkammer des Münsters in Konstanz aus dem 15. Jahrhundert.

Die profanisierte Darstellung des heiligen Nikolaus, wie sie sich insbesondere ab dem 19. Jahrhundert feststellen lässt, d.h. als Sitzfigur in Begleitung eines Dieners oder auch als drohender Bischof, entwickelt sich in ersten Anfängen ab dem 16./17. Jahrhundert.