Nobelpreisträger nahm an vatikanischer Konferenz teil

Entwicklungsbiologe hofft die Stammzellenforschung an die Öffentlichkeit zu bringen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Ann Schneible | 436 klicks

Um adulte Stammzellen zu erforschen und die Therapie voran zu führen, sei es wesentlich, das Bewusstsein und Verständnis dieser komplexen Wissenschaft zu fördern, so Nobelpreisträger Dr. John Gurdon.

Dr. Gurdon war einer der Hauptsprecher auf der heutigen Sitzung des zweiten internationalen Kongresses zu adulten Stammzellen, der in der vatikanischen Audienzhalle stattgefunden hat.

Der Kongress beabsichtigt, das Bewusstsein von Vorteilen, die die adulte Stammzellenforschung und Therapie mit sich bringt, zu fördern. Dies geschieht durch ein Forum, in dem führende Personen dieses wissenschaftlichen Feldes ihre Ideen teilen und sich austauschen. Mit dieser Zielsetzung haben die Organisatoren des Kongresses Experten aus verschiedenen Bereichen zusammengebracht: Katholiken und Nicht-Katholiken, Wissenschaftler, Mediziner, Bioethiker, Politiker und Journalisten.

Wegen der primären Zielsetzung der Konferenz, adulte Stammzellenforschung umfassend zu prüfen, zeigen Teilnehmer – unter ihnen Dr. Gurdon – eine Vielfalt von religiösen, ethischen und moralischen Standpunkten, einschließlich solcher, die sich nicht an der Lehre der katholischen Kirche ausrichten.

Der in Cambridge, England, arbeitende Entwicklungsbiologe Dr. Gurdon gewann für seine Entdeckung, dass adulte Zellen in embryonale Stammzellen geändert werden können im Jahre 2012 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Diese Entdeckung ist grundlegend für die Forschung von adulten Stammzellen und ihren therapeutisches Nutzen.

Der Nobelpreisträger setzte sich mit ZENIT zusammen, um über die Bedeutung zu sprechen, diese Erforschung an die Öffentlichkeit zu bringen.

ZENIT: Was waren bisher Ihre Eindrücke von dieser Versammlung?

Gurdon: Wovon ich bei diesem Treffen sehr viel profitieren konnte, ist zu hören, wie Dinge am klinischen Ende stehen. Ich habe keine klinische Verbindung zu meiner Arbeit, obwohl ich sehr interessiert daran bin zu sehen, wie verschiedene Menschen versuchen, diese Art von Therapie an den Patienten zu bringen.

ZENIT: Warum ist es so wichtig, dass ein Kongress mit solch einem Thema durch den Impuls des Vatikans stattfindet?

Gurdon: Ich bin das, was Sie weltoffen nennen könnten. Ich bin nicht römisch-katholisch. Ich bin Christ, Mitglied der Kirche von England. Und ich bin nicht einverstanden mit manchen Regeln, die die römisch-katholische Kirche hat. Aber das ist der Grund, warum es so interessant für mich ist, hier Menschen zu treffen, die mir sagen können, wieso sie die verschiedenen Regeln haben, die sie befolgen. Außerdem habe ich den Vatikan vorher noch nie gesehen. Das ist auch ein neues Erlebnis für das ich sehr dankbar bin.

ZENIT: Was soll die Öffentlichkeit von diesem Kongress mitnehmen?

Gurdon: Ich denke, sie ist interessiert an den religiösen und ethischen Debatten, welche stattfanden. Diese sind eher über meinem Niveau; daran bin ich nicht beteiligt. Jedoch hoffe ich, dass sie, genau wie ich, daran interessiert ist zu sehen, was der Bereich auf therapeutischem Niveau erreicht hat.

ZENIT: Warum ist es so wichtig, solch eine komplexe Wissenschaft uns weniger wissenschaftlich Veranlagten nahe zu bringen?

Gurdon: Ich denke, dass es wichtig für Menschen ist, die keine Wissenschaftler sind, zu verstehen, worin Arbeit in diesem Bereich besteht. Die Öffentlichkeit kann diese Art von Arbeit dann unterstützen, und das möchten wir sicherlich. Ich wünschte, dass noch mehr Menschen an Wissenschaften interessiert sind, anstatt ihre Zeit damit zu verbringen, Berühmtheiten im Fernsehen zuzuhören. Und viele der Menschen, die ich treffe, sind daran interessiert. Dass das Interesse in der Öffentlichkeit steigt, ist meiner Meinung nach eine sehr gute Sache.

Je mehr Menschen sich der Diskussionen, die voranschreiten, bewusst sind, desto besser ist es, da die ablehnenden Gefühle, die manche Leute haben, meiner Meinung nach ausschließlich Missverständnissen zuzuschreiben sind; sie wissen nur nicht genug darüber, was der Bereich zu tun versucht. Wenn man den Menschen zeigt, was heute schon erreicht wird und in Zukunft noch erreicht werden kann, wird es sie – so hoffe ich –begeistern. Das bewirkt letztlich die steigende staatliche Unterstützung, die wir für diese Arbeit benötigen.