Notfalls mit dem Leben für den Papst einstehen

Schweizergarde begeht Tag der Erinnerung und der Neuvereidigung

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 490 klicks

Am heutigen 6. Mai erinnert die Päpstliche Schweizergarde an das Opfer von 147 Soldaten des Corps während des „Sacco di Roma“, der „Plünderung Roms“ vom 6. Mai 1527 während der Verteidigung von Papst Clemens VII. vor den Angriffen der Landsknechte. Jeweils an diesem Jahrestag des Gedenkens an die gefallenen Soldaten werden die neuen Schweizer Gardisten eingeschworen. In diesem Jahr sind es 35 Rekruten, die den feierlichen Eid ablegen, notfalls mit ihrem eigenen Leben den Papst zu verteidigen.

Die Plünderung Roms gilt als der Höhepunkt der Gewaltexzesses der italienischen Kriege, während der die deutschen Landsknechte und spanische und italienische Söldner in der ewigen Stadt einfielen und die Stadt plünderten und brandschatzten. Papst Clemens VII. hatte den König von Frankreich unterstützt, um einen Machtausgleich gegen die päpstliche Abhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich und der Habsburgerdynastie zu fördern. In den Konflikten kämpften die Päpstlichen Staaten gegen Kaiser Karl V., der mit dem spanischen und dem Heiligen Römischen Kaiserreich alliiert war. Karl V. kämpfte mit 20.000 Soldaten gegen 8000 Milizen und 2000 Schweizer Gardisten auf Seiten des Papstes. Die Milizen wurden von Renzo di Ceri geleitet, die von den Schweizergardisten und den „Schwarzbanden“ Giovanni de Medicis unterstützt wurde.

Während des „Sacco“ wurde Papst Clemens VII. gefangen genommen. Die Plünderung Roms gilt in der Geschichte als Ende der „Römischen Renaissance“; die Bevölkerung Roms sank von 55.000 auf 10.000. Insgesamt wurden während des Krieges 45000 Zivilisten getötet, verwundet oder ins Exil getrieben.

Die Päpstliche Schweizergarde wurde 1506 von Papst Julius II. begründet und ist das einzige verbliebene bewaffnete päpstliche Armeekorps. Sie sichert den apostolischen Palast, die Zugänge der Vatikanstadt und den Eingang von Castel Gandolfo. Die Schweizergarde besteht aus drei Geschwadern und ist insgesamt 110 Mann stark. Die offiziellen Sprachen der Garde sind Deutsch und Italienisch. In Erinnerung an den todesmutigen Einsatz der Schweizergarde werden jedes Jahr am 6. Mai die neuen Soldaten vereidigt.

Das Programm begann heute Morgen mit einer Heiligen Messe am Kathedra-Altar des Petersdoms. Während der Messe sang der schweizerische Chor „Cantori Contenti“ aus Zug. Nach der Eucharistiefeier wurde um 9.30 Uhr auf der „Piazza Protomartiri Romani“ („Platz der römischen Protomärtyrer“) der gefallenen Soldanten gedacht.

Am Nachmittag um 17.00 Uhr folgt dann die Vereidigung auf dem Hof „San Damaso“ im Apostolischen Palates. Die 35 neuen Gardisten schwören bei der Zeremonie in Anwesenheit des Heiligen Vaters und von Msgr. Giovanni Angelo Beccius, dem Stellvertreter des Staatssekretärs, einzeln auf die Corps-Fahne. Es werden auch zahlreiche weitere Kardinäle, Bischöfe und Mitglieder der römischen Kurie und der diplomatischen Delegationen des Heiligen Stuhls anwesend sein, ebenso wie die Delegation der Kanton-Regierung von Zug, geführt von ihrem Präsidenten, Beat Villiger. Erwartet werden auch der Präsident der Schweizer Konföderation, Ueli Maurer, und der Botschafter der Schweiz am Heiligen Stuhl, Dr. Paul Widmer.

Die Schweizer Armee wird von dem Divisionsstellvertreter Daniel Roubaty vertreten.

Am Abend folgt ein Empfang in der Halle Pauls VI. mit der Möglichkeit, die Schweizer Gardisten zu interviewen.