"Nun sag, wie hältst du's mit der Religion?": Kardinal Sterzinsky über die Politiker-Befragung in der deutschen Bundeshauptstadt

"Die Christen Berlins können es nicht schweigend hinnehmen, wenn Gott sozusagen 'von der Schule fliegt'"

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BERLIN, 22. August 2006 (ZENIT.org).- Die berühmte "Gretchen-Frage" nach Gott und der Religion, die Goethes Faust ernsthaft in Verlegenheit bringt, stellen Christen der deutschen Bundeshauptstadt Berlin den Landespolitikern.



"Klare Fragen, die eine klare Antwort verdienen, sind mitunter unangenehm." Mit diesen Worte ging Georg Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin, am Samstag näher auf die engagierte Initiative ein, bei der konkret herausgefunden wird, wie es die einzelnen Kandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus mit dem Religionsunterricht halten.

"Aktuell geht es darum, dass sie zu einer politisch höchst umstrittenen Entscheidung der zu Ende gehenden Legislaturperiode Position beziehen", erklärte der Kardinal in "Radio Berlin". "Die Einführung des Pflichtfachs 'Ethik' im kommenden Schuljahr benachteiligt und gefährdet den Religionsunterricht. Darin sind sich viele Eltern, Pädagogen und auch Bildungsexperten einig. Gemeinsam mit den Repräsentanten der Kirchen treten sie daher weiterhin konsequent dafür ein, dass zwischen Ethik und Religionsunterricht frei gewählt werden kann."

Für viele Berliner Wähler, so Kardinal Sterzinsky, sei die Haltung der künftigen Abgeordneten zum Religionsunterricht ein wesentliches Kriterium für ihre Wahlentscheidung. "Die Schulabteilungen der katholischen und der evangelischen Kirche haben einen Fragebogen an die Kandidaten geschickt: fünf Fragen, die mit je ein, zwei Sätzen beantwortet werden können. Die Antworten werden zusammengefasst und Interessierten in Schulen und Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt – auch, damit sie auf Wahlveranstaltungen diskutiert werden können." Erste Ergebnisse liegen bereits vor (vgl. Politiker-Befragung [pdf-Format]).

Kardinal Sterzinsky betonte, dass es nicht um eine Einmischung der Kirche in den Wahlkampf gehe. Die Kirche empfehle vielmehr, "die Wahlentscheidung gut vorzubereiten. Dazu gehört die Erkundigung, wie die Kandidaten den Religionsunterricht bewerten." Die Kirchen hätten natürlich eine religiöse und keine politische Aufgabe. "Aus der Politik heraushalten können sie sich allerdings nicht: Sie müssen das Gesetz Gottes geltend machen und für die Rechte der Gläubigen eintreten – gelegen oder ungelegen. Die Christen Berlins können es also nicht schweigend hinnehmen, wenn die Kirche aus der Schule gedrängt wird, wenn Gott sozusagen 'von der Schule fliegt'. Deshalb ihre 'Gretchenfrage' an die Politiker: 'Wie halten Sie es mit dem Religionsunterricht?'"