Nuntius in Israel beklagt Einreiseverbot für Christen im Gazastreifen

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Staaten und die Freiheit der Ausübung der Religion verletzt

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JERUSALEM, 25. November 2008 (ZENIT.org).- Israelische Regierungsbeamte haben am Sonntag den apostolischen Nuntius Antonio Franco und zwei Geistliche daran gehindert, in Gaza eine Messe zu feiern. In einer Erklärung des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem hieß es, dies sei „nicht nur eine Verletzung diplomatischer Beziehungen zwischen Staaten, sondern auch des Rechts der Gläubigen auf ungehinderten Gottesdienst, zumindest an Sonn- und Festtagen".

Erzbischof Franco erreichte am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr in der Frühe den Posten “Erez Crossing”. Begleitet wurde er von Priestern des Lateinischen Patraichates, Pater Shawqi Baterian, Pater Humam Khzouz und dem Sekretär des Nuntius. Trotz offizieller Vereinbarungen mit den zuständigen Behörden des israelischen Außenministeriums vom vergangenen Dienstag, wurde allen Geistlichen die Einreise in den Gazastreifen verweigert.

Erstmals hat der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Franco Antonio, im aktuellen Konflikt durch seine öffentliche Erklärung diplomatischen Widerstand der Christen gegen die restriktive Politik Israels gezeigt.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums verwies darauf hin, dass die Übergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen durch palästinensische Angriffe mit Raketen und Granaten, sowie durch versuchte Selbstmordanschläge bedroht seien, hieß es in Presseberichten.

Israel wolle das Leben der Beamten an den Übergängen nicht gefährden und lasse sie deshalb solange nicht dort arbeiten, solange ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei. Von einem Einreiseverbot für den Nuntius oder für Geistliche könne nicht die Rede sein.

Auch Internationale Journalisten in Israel appellierten gestern an den Obersten Gerichtshof des Landes, eine Entscheidung der israelischen Regierung aufzuheben, derzufolge die ausländischen Berichterstatter nicht in den abgeriegelten palästinensischen Gazastreifen dürfen. Nachdem ein diesbezügliches Schreiben an den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am vergangenen Donnerstag unbeantwortet geblieben war, hat der Verband der Auslandskorrespondenten („Foreign Press Association") am Montag einen Antrag beim Höchsten Gericht in Jerusalem eingereicht. In dem Antrag wird um eine dringende Anhörung des Falles gebeten.

Seit dem 5. November dürfen in Israel akkreditierte Journalisten nicht mehr zur Berichterstattung über den Grenzübergang Erez in den Gazastreifen einreisen. Am Donnerstag hatten mehrere Herausgeber und Chefredakteure internationaler Medienorganisationen in einem Schreiben gegen das Einreiseverbot protestiert.

Der seit Juni 2007 von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gazastreifen hat wegen der unterbrochenen Lebensmittel- und Treibstofflieferungen mit einer schweren Versorgungskrise zu kämpfen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Freitag erneut für die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens appelliert und zugleich die palästinensische Seite aufgefordert, die Raketenangriffe auf Israel zu einzustellen.

Die für die Wasserversorgung des Gazastreifens zuständige Behörde warnte vor einem Anstieg von Krankheiten und Epidemien. Wegen der Stromausfälle und weil Israel die Lieferung von Ersatzteilen verhindere, drohe der Zusammenbruch des Abwasser- und Klärsystems, hieß es in einer Erklärung.

Kirchenvertreter im Heiligen Land hatten sich zu Beginn des Jahres an die internationale Gemeinschaft und die Verantwortlichen in Israel und Palästina gewandt, um ein sofortiges Ende der Abriegelung des Gazastreifens zu erwirken, die sie als „illegale kollektive Bestrafung" werteten.

In einer Erklärung, die von den religiösen Hirten und Führern in Jerusalem und dem Heiligen Land veröffentlicht wurde, hieß es, dass rund 1,5 Millionen Menschen im Gazastreifen gewissermaßen „im Gefängnis" gehalten würden. Sie hätten keine angemessene Nahrung und keine Medizin; mehr als die Hälfte müsse zudem ohne Strom auskommen.

„Das ist eine illegale kollektive Bestrafung", beklagen die Hirten, „eine unmoralische Handlung, die gegen die grundlegenden menschlichen und natürlichen Gesetze, aber auch gegen das Völkerrecht verstößt". Diese Situation könne nicht länger hingenommen werden. „Mit der Belagerung von Gaza muss jetzt Schluß sein".

Aus Jerusalem hieß es: Der Vertreter des Papstes habe den „Menschen in Gaza und den christlichen Gemeinschaften in dieser schwierigen Zeit die Nähe des Apostolischen Stuhls bezeugen“ wollen. Da der einzige katholische Pfarrer von Gaza sich derzeit zum ersten Mal nach acht Jahren auf Heimatbesuch im Westjordanland aufhalte, sei durch das Ausbleiben des Erzbischofs zudem die Sonntagsmesse ausgefallen. Das, so der Bericht, bedeute eine „Verletzung des Rechts der Gläubigen auf Gottesdienst“.

Die Christen im Heiligen Land sind seit rund 1500 Jahren Araber. Seit dem 20. Jahrhundert werden sie „Palästinenser" genannt. Israel hat in diesem Jahr die Mehrfachgeltung beim Visaverfahren für Geistliche und Ordensleute mit arabischem Lebenshintergrund aufgehoben. Dies hat sowohl für den lutherischen Kirchendistrikt als auch das anglikanische und das katholische Bistum Israel-Gaza, die Westbank und Jordanien enorme Folgen. An israelisch kontrollierten Checkpoints und Grenzen ist das Visum nötig, das Israel Arabern nur ungern erteilt. Die Folge: Die überörtliche Kirchenarbeit wird zerstört, denn nicht einmal die Geistlichen - von den Laien ganz zu schweigen - dürfen ins Gebiet ihrer Kirche reisen.