Nuntius Zurbriggen: Mit Papst Benedikt XVI. Zeugnis geben

Ansprache beim Te Deum zum vierten Jahrestag der Papstwahl im Wiener Stephansdom

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WIEN, 22. April 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die der neue Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, am Sonntag, dem 19. April, beim Vespergottesdienst zum vierten Jahrestag der Wahl Papst Benedikts XVI. im Wiener Stephansdom gehalten hat.

Beim seinem ersten öffentlichen Auftritt rief der Vertreter des Heiligen Vaters zur Einheit mit dem Papst auf und ermutigte alle, von der befreienden Botschaft Jesu Christi Zeugnis zu geben. Erzbischof Zurbriggen bat die Gläubigen, im aktuellen Paulusjahr vor allem zwei Sätze des Völkerapostels zu beherzigen: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" (Gal 6,3), und: „Vor allem liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht" (Kol 3,14).

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Gelobt sei Jesus Christus!

 

Eminenz, Hochwürdigster Herr Kardinal!
Hochwürdigste und Hochwürdige Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt!
Ehrwürdige Mitglieder des Domkapitels an der Metropolitankirche zu St. Stephan!
Hochwürdiger Herr Dompfarrer!
Liebe Ordens-Männer und -Frauen, liebe Diakone und Seminaristen!
Sehr geehrte hier anwesende Mitglieder des Souveränen Malteser-Ritterordens und Ritterordens vom
Heiligen Grab zu Jerusalem!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ich danke von ganzem Herzen dem Hochwürdigsten Herrn Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz für seine lieben Begrüßungs- und Willkommensworte, die er in diesem altehrwürdigen Stephansdom in Ihrer aller Namen an mich gerichtet hat. Ich bin tief beeindruckt und bewegt von dieser herzlichen Aufnahme in Eurer Mitte, die heute am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit stattfindet. Für die vielen Zeichen der Wertschätzung und all die guten Wünsche, die ich seit meiner Ernennung erhalten habe, möchte ich von dieser Stelle aus allen herzlich danken. Diese Erfahrung hat mir viel Mut gegeben und auch mit Zuversicht erfüllt, dass ich tatsächlich auf Ihr Wohlwollen, Ihre Unterstützung und vor allem auf Ihr Gebet zählen darf.

Liebe Brüder und Schwestern! Am 2. April bin ich in Wien angekommen. Wie Sie alle wissen, ist dies der dies natalis, der Todestag von Papst Johannes Paul II. 1994 durfte ich aus seinen Händen in Sankt Peter im Vatikan die Bischofsweihe empfangen. So wurde mir das Privileg zuteil, in die Linie der apostolischen Sukzession dieses großen Nachfolgers Petri einzutreten. Mit seinem Segen, den er uns allen nunmehr aus dem „Haus des Vaters" spendet, wollte ich nach Österreich kommen.

Heute, vor vier Jahren, wurde Kurienkardinal Joseph Ratzinger, enger Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II., zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Als Benedikt XVI. grüßte er die jubelnde Menschenmenge auf dem Petersplatz und stellte sich vor als „einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn". Ich freue mich darum ganz besonders, dass ich heute, am 4. Jahrestag der Wahl von Papst Benedikt XVI. zum Pastor universalis, hier im Stephansdom, offiziell meinen Dienst als Apostolischer Nuntius in Österreich antreten darf.

Liebe Brüder und Schwestern! Heute haben wir allen Grund, Gott zu danken für das große Geschenk, das wir, die Kirche, in der Person unseres Heiligen Vaters, Papst Benedikt XVI. erhalten haben. Seit vier Jahren steuert Papst Benedikt XVI., im Sinne und Geiste seines großen Vorgängers, mit sicherer und behutsamer Hand, das Schifflein Petri durch die recht oft stürmische See dieser ersten Jahre des Dritten Jahrtausends.

Darum stimmen wir heute in freudiger Dankbarkeit das „Te Deum" an, um so dem Heiligen Vater unsere tiefe Wertschätzung und liebevolle Zuneigung zu bezeugen. Wir danken Papst Benedikt XVI. besonders, dass er uns das durch die Jahrhunderte gewachsene Wissen der Kirche immer wieder so klar und mit neuer Frische verkündet und uns immer wieder neu hineinführt in die befreiende Wahrheit und die unvergängliche Schönheit des Evangeliums und des Glaubens der Kirche.

Dabei dürfen wir nie vergessen, dass Jesu Worte: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen!" (Mt 16,18) und: „Ich habe für Dich gebetet, dass Dein Glaube nicht erlischt...stärke Deine Brüder." (Lk 22,32) für alle Nachfolger des Apostel Petrus gilt.

Humilitas - Humanitas: Die Demut und die Menschenfreundlichkeit von Papst Benedikt XVI. beeindrucken immer wieder die Menschen, die „guten Willens sind". In diesen vier Jahren hat der Heilige Vater auf seinen Pastoralreisen viele Länder besucht, darunter auch vor zwei Jahren Österreich. Bald wird er wieder den Pilgerstab in die Hand nehmen, um auf den Spuren Jesu das Heilige Land zu besuchen.

Für diesen Petrusdienst sagen wir Papst Benedikt XVI. heute unser herzliches Vergelt's Gott! Wir wollen für ihn beten. Der Herr möge ihm in seiner verantwortungsvollen Aufgabe beistehen und ihm den „Geist der Wahrheit" (Joh 16,13) sowie gute Gesundheit schenken, damit er noch viele Jahre segensvoll als „Servus servorum Dei" der Kirche Jesu Christi dienen darf. Dieser unser Dank heißt aber auch, dass wir bereit sind, immer „cum Petro et sub Petro" - mit dem Papst und unter seiner Führung - unseren Pilgerweg miteinander zu gehen, in Treue, in Liebe und enger Verbundenheit mit dem Nachfolger des Apostels Petrus, dessen Name heute Benedikt XVI. ist.

Liebe Brüder und Schwestern! Erlauben Sie mir nochmals kurz auf meine Aufgabe als Apostolischer Nuntius zurückzukommen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass ich diesen verantwortungsvollen Dienst in und für die Kirche in Österreich, nur gemeinsam mit Ihnen erfüllen kann. Ich werde mich darum stets bemühen, nach bestem Wissen und Gewissen, so zu handeln, damit wir alle zusammen das Reich Gottes in unserer Gesellschaft und in unseren Herzen immer mehr ausbreiten und vertiefen. All unser Tun und Denken soll jederzeit nur zur größeren Ehre Gottes geschehen. Dabei wollen wir stets der Weisung Marias folgen: „Was Er euch sagt, das tut!" (Joh 2,5).

Gemeinsam wollen wir darum mutig Zeugnis für Jesu befreiende Botschaft der Wahrheit und der Barmherzigkeit ablegen. In diesem Paulusjahr lasst uns beherzigen, was der Völkerapostel uns sagt: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Gal 6,3) und: „Vor allem liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht." (Kol 3,14).

Heute möchte ich bei dieser Gelegenheit aber auch unsere orthodoxen Brüder und Schwestern, die an diesem Sonntag das Heilige Osterfest feiern, in Eurem und meinem Namen, die herzlichsten Segenswünsche übermitteln und freudig zurufen: „Christos voskrjes! -  Vaistinu voskrjes! - Christus ist auferstanden! - Er ist wahrhaft auferstanden!"

Liebe Brüder und Schwestern! Abschließend darf ich noch einmal ein Wort des Apostels Paulus in Erinnerung rufen und mit auf den Weg geben: „Geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil, und denkt daran, dass im Herrn Eure Mühe nicht vergeblich ist." (1 Kor 15,58).

Euch allen danke ich von Herzen für die Mitfeier diesen erhebenden Gottesdienstes und allen in Österreich sage ich ein herzliches „Grüß Gott!"

[Von der Apostolischen Nuntiatur in Wien zugesandtes Original]