Nur heiligmäßiges Lebenszeugnis der Priesters macht Weihewürde glaubhaft

6. Monatsbrief von Erzbischof Mauro Piacenza an die Priester

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ROM, 16. Januar 2010 (ZENIT.org).- Das feierliche Weihegelübde der Priesteramtskandidaten steht im Mittelpunkt des fünften Monatsbrief von Erzbischof Mauro Piacenza an die Priester. Im Monat Janaur schreibt der Sekretär der Kongregation für den Klerus:" Alles am Priester soll diesen selbst und die Welt daran erinnern, dass er eine Gabe empfangen hat, die ungeschuldet ist, die niemand verdienen kann und die, um des Heils der Menschen willen, ihn zum Anhaltspunkt der wirksamen Gegenwart des Absoluten in der Welt macht."

» Allmächtiger Gott, wir bitten dich: gib deinen Knechten die priesterliche Würde. Erneuere in ihnen den Geist der Heiligkeit. Gib, o Gott, dass sie festhalten an dem Amt, das sie aus deiner Hand empfingen; ihr Leben sei für alle Ansporn und Richtschnur. «

(Pontificale Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,

editio typica altera , Typis Polyglottis Vaticanis 1990)

 

Aus dem Vatikan, 15. Januar 2010

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Amt,

das Weihegebet erinnert uns in seinem zentralen Abschnitt daran, dass das Priestertum seinem Wesen nach ein Geschenk ist. Gerade im Hinblick darauf, dass es eine „übernatürliche Gabe“ verleiht, bringt es eine Würde mit sich, die sowohl die Gläubigen als auch der Klerus stets anerkennen sollen. Es handelt sich um eine Würde, die nicht von Menschen stammt, sondern reine Gnadengabe ist. Zum Empfang dieser Gabe wird man berufen, niemand hat ein Recht darauf. Die Würde des vom „Allmächtigen Vater“ verliehenen priesterlichen Dienstamts muss im Leben der Priester wahrnehmbar sein: Man muss diese an ihrer Heiligkeit erkennen, an ihrer aufnahmebereiten, demutsvollen und von pastoraler Fürsorge erfüllten Menschlichkeit, an ihrer lauteren Treue zum Evangelium und zur Lehre der Kirche, am nüchternen und würdevollen Charakter der Feier der heiligen Geheimnisse, an ihrer kirchlichen Kleidung! Alles am Priester soll diesen selbst und die Welt daran erinnern, dass er eine Gabe empfangen hat, die ungeschuldet ist, die niemand verdienen kann und die, um des Heils der Menschen willen, ihn zum Anhaltspunkt der wirksamen Gegenwart des Absoluten in der Welt macht.

Der Geist der Heiligkeit, um dessen erneute Aussendung gebeten wird, ist Garant dafür, dass man die empfangene Berufung „in Heiligkeit“ leben kann. Er ermöglicht und befähigt erst dazu, am „Amt festzuhalten“ und dieses treu auszuüben.
So stellt sich die Treue als die wunderbare Begegnung zwischen der Freiheit des treuen Gottes und der geschaffenen, aber verwundeten, Freiheit des Menschen dar, der durch die Macht des Geistes auf sakramentale Weise befähigt wird, mit seinem Leben „für alle Ansporn und Richtschnur“ zu sein. Diese Aufforderung weist, ganz entgegen der Tendenz, das Priesteramt auf eine rein moralische Größe zu reduzieren, auf dessen „Lebensfülle“ hin: ein Leben, das tatsächlich diesen Namen verdient und im Vollsinne christlich ist.

Vom Geist des allmächtigen Vaters gesalbt, ist der Priester dazu berufen durch die Lehre und die Feier der Sakramente, vor allem aber durch sein eigenes Lebenszeugnis, „Richtschnur“ für das ihm anvertraute Volk zu sein und dieses auf dem Weg seiner Heiligung zu leiten, in der Gewissheit, dass der einzige Zweck des Priestertums das Paradies ist!

Die Gabe des Vaters bringt dessen besondere Vorliebe zu seinen „Priestersöhnen“ mit sich, welche eine portio electa populi Dei darstellen, die dazu berufen ist „auserwählt zu sein“ und durch ein heiliges Leben und Glaubenszeugnis hervorzustechen.

Möge die Erinnerung an die empfangene Gnade, die stets vom Geist erneuert wird, und der Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Magd des Herrn und Braut des Geistes, jedem Priester dabei helfen, die eigene Sendung in der Welt treu zu erfüllen, in Erwartung des ewigen Siegespreises, der den Söhnen vorbehalten ist, die nicht nur auserwählt wurden, sondern auch Erben sind!

X Mauro Piacenza

Titularerzbischof von Victoriana

Sekretär