„O aeterne Deus“ – Musik, die zum Beten anregt

Marisa: „Jeder ist ein Zeugnis, in dem, was er lebt“

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KÖLN, 21. April 2009 (ZENIT.org).- Mit der CD „O aeterne Deus“ („O ewiger Gott“) möchte die Sopranistin Marisa ihre Hörer mit Liedern der heiligen Hildegard von Bingen „für eine halbe Stunde in eine andere Welt“ einladen. Das Singen und Hören dieser eigenartig reizvollen Klänge ist für sie Meditation und Gebet.



„Diese schöne Aufnahme“, schreibt Sr. Lydia Stritzl OSB von der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, „lässt die Zuhörer ein bisschen von dem spüren, was Hildegard von Bingen auch in unserer Zeit noch zu sagen hat: Ohne Gott können wir letztlich nicht glücklich werden.“

„Die Kompositionen der heiligen Hildegard stehen in der Tradition des durch den Welterfolg der Mönche von Heiligenkreuz wieder entdeckten Gregorianischen Chorals“, heißt es in einer Rezension, die das pastorale Hilfswerk Kirche in Not veröffentlichte. „Dessen Formen sprengte die große Mystikerin, um die ihr in Visionen von Gott geschenkte kosmische Musik äußerlich hör- und singbar zu machen. Geistliche Lieder sind aus Hildegards Sicht von heiligen Propheten erfunden, um in den Menschen eine Erinnerung an das verlorene Paradies wachzuhalten.“

„Wir haben eine so verrückte Welt, in der wir leben, dass das sich Besinnen auf andere Werte schon überlebensnotwendig geworden ist“, erklärt Marisa gegenüber ZENIT. „Auch sich zu verbinden mit der Stille im Inneren, die einem dann doch so viel zu sagen hat, ist für mich ein Bestandteil meines Lebens, den ich nicht mehr missen möchte.“

Marisa wurde in Berlin geboren und wuchs nach ihren eigenen Worten größtenteils in einem 1.000-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein auf. „Die Nähe zur Natur hat mich in meiner Kindheit wesentlich geprägt. Ich bin mit vielen Tieren groß geworden und barfuß über Wiesen und Felder gerannt. Dementsprechend schwer fiel mir die Umstellung, als es dann später wieder nach Berlin zurückging.“

In der heutigen Bundeshauptstadt habe sie die Natur vermisst. Aber es habe ihr aber auch die Weite gefehlt. „Damals gab es ja noch die Berliner Mauer, so dass wir immer erst durch ‚die Zone‘ mussten, wenn wir ‚raus‘ wollten. Ich glaube, dass damit der Grundstein für meine heutige Reiselust und meine Aversion gegen willkürliche Begrenzungen jedweder Art gelegt wurde. Mein Beruf begünstigte dann noch, dass ich häufig unterwegs war und mit vielen Menschen vieler Nationen mich austauschen konnte.“

Besonders fühlt sich Marisa „dem Mensch als Menschen verpflichtet“. Als Künstlerin will sie „Schönes schaffen, etwas, was die Menschen nährt, sie wieder in Verbindung mit sich selbst bringt“.

Bekannt wurde Marisa durch Titelrollen in den Disney-Musicals „Pocahontas“ oder „König der Löwen“. Eine Kostprobe ihrer neuen CD gab sie bereits Ende Januar bei einem Pontifikal-Gottesdienst mit Kardinal Joachim Meisner und dem Apostolischen Nuntius Jean-Claude Perisset im Kölner Dom zum Besten.

Näheres über die Sängerin und ihre CD findet man unter www.marisa-music.com, wo man die CD auch für 15 Euro plus Versandkosten bestellen kann. Bestellung sind auch telefonisch unter: 01 76 / 49 23 17 81 möglich.

ZENIT: Was hat Sie dazu angeregt, nach Musicals und doch eher flotteren Tönen jetzt plötzlich auf Latein zu singen?

MARISA
: Ganz so plötzlich ist das gar nicht. Die Initialzündung war sicherlich das „Veni Creator Spiritus“, das ich vor vielen Jahren auf der „Künstler für Christus“-CD von Inge Brück sang.

Ich beschäftige mich seit ca. zwei Jahren intensiv mit den Liedern Hildegard von Bingens; die Idee, mich ihrer Musik anzunähern, ist sogar fast zehn Jahre her, als ich anfing, mich näher mit ihr zu beschäftigen.

Mich interessieren einfach geistige, spirituelle Lieder mehr. Es ist mir ein Bedürfnis, sie zu singen. Was mich aber nicht davon abhält, Songs aus der so genannten U-Musik umzuinterpretieren: Barbara Streisands Song „Papa“ aus „Yentl“ ist definitiv ein spirituelles Lied. Pocahontas` Lied „Wo führt mein Weg mich hin“ ist für mich eine Einladung, sich auf die innere Stimme zu konzentrieren in einer lauten, zerrenden Welt. Und Lillis „Ich fühl wie du“ ist simpel und einfach ein Liebeslied? Oder vielleicht auch die Erinnerung daran, dass alle Menschen ähnliche Wünsche und Ängste, Sorgen und Bedürfnisse haben. Und dass wir daher behutsam miteinander umgehen sollten… Es ist der Blickwinkel, der entscheidend für die Interpretation ist, was moderne Texte angeht.

Latein hat, wie alle sehr alten Sprachen, seine ureigene Schwingung. Und allein dadurch wird tief in uns schon etwas angeregt. Es hallt in uns etwas wider, auch wenn man kein Latein in der Schule hatte.

Man könnte Hildegard von Bingens Lieder nicht einfach auf Deutsch singen. Man kann, um dem Verstand einen Zugang zu erleichtern, die Texte mitlesen, deswegen wurden sie im Booklet auch mit abgedruckt. Dann aber sollte man sich meines Erachtens wieder ganz dem lateinischen Text und der Musik überlassen.

ZENIT: Wie haben Sie Hildegard von Bingen kennen gelernt, was sagt sie Ihnen?

MARISA
: Wer mir das erste Mal in meinem Leben von Hildegard von Bingen erzählt hat, ist mir nicht mehr wirklich in  meinem Gedächtnis. Bewusst kam ich das erste Mal mit der heiligen Hildegard Ende 1999 in Berührung, einfach weil mein Zug kurz in Bingen hielt und ich mich sofort an Hildegard von Bingen erinnerte. Damals im Zug brannte ich sofort darauf, ihre Wirkungsstätten zu besuchen.

Wer war sie? Wieso wird sie heute noch verehrt? Wie kam sie als Äbtissin dazu, gegen den Willen ihrer Oberen ein eigenes Kloster für ihre Nonnen zu bauen und dort einzuziehen? Sich nicht erschrecken zu lassen, sondern zu behaupten, um gleichzeitig diese Sanftmut und Liebe in ihren Texten und Liedern zu leben – errungene Ergebenheit!

Sie war durchdrungen von etwas Höherem, und sie hat – nach großen inneren Kämpfen – dem vertraut. Ich denke, dass das ihr diese unglaubliche Kraft verliehen hat, die ich mit ihr verbinde, und den Mut vorwärts zu gehen, Grenzen zu erweitern.

Wir haben eine so verrückte Welt, in der wir leben, dass das sich Besinnen auf andere Werte schon überlebensnotwendig geworden ist. Auch sich zu verbinden mit der Stille im Inneren, die einem dann doch so viel zu sagen hat, ist für mich ein Bestandteil meines Lebens, den ich nicht mehr missen möchte.

ZENIT: Was ist diese „andere Welt“, in die Sie uns mit Ihrer Musik entführen wollen?

MARISA
: Es ist nicht meine Musik, es ist die Musik Hildegard von Bingens, und ich darf sie singen. In mir löst diese Musik Frieden und Freude aus, fernab von der Hektik in dieser Welt. Es ist wie Meditation, ein Gebet. Eine halbe Stunde in diese Meditation eintauchen, ist das keine andere Welt?

ZENIT: Wollten Sie mit Ihrer neuen CD ganz bewusst ein persönliches Glaubenszeugnis geben, oder hat sich das aus dem Material, das sie vertonen wollten, zufällig ergeben?

MARISA
: Der große Tänzer Nijinsky hat einmal gesagt: „Wenn ihr mich tanzen seht, werdet ihr verstehen wer ich bin.“ Ein Glaubenszeugnis muss man meiner Meinung nach nicht hinausposaunen oder planen. Jeder ist ein Zeugnis, in dem, was er lebt. Und das ist lebendig und wahrnehmbar im Äußeren. Mal lauter, mal leiser.

ZENIT: Haben Sie als Musikerin eine Herzensanliegen?

MARISA
: Mir geht es um eine Zusammenführung der Menschen in Respekt und Liebe. Musik zum Beispiel ist dafür etwas Großartiges, es ist eine direkte Sprache zwischen den Menschen, die keine Barriere kennt. Sie wird empfunden, nicht nur vom Zuhörer, sondern auch vom Sänger, und damit sind wir bereits im Dialog.

Ein Künstler sollte etwas Schönes schaffen, etwas, was die Menschen nährt, sie wieder in Verbindung mit sich selbst bringt. Sei es nun in Form eines Gedankens, eines Spieles, eines Bildes oder eines Liedes. Wenn ich in meinem Wesen berührt werde, dann verändert es mich. Wenn ich einen Menschen mit etwas Schönem in der Seele berühren kann, dann habe ich schon viel erreicht.

ZENIT: Was haben Sie als Nächstes vor? Wo wird man Sie, abgesehen von der CD, sonst noch hören und vielleicht sogar sehen können?

MARISA
: Im Mai singe ich auf dem 7.Pegnitzer Kirchenfestival. Nächstes Jahr soll es ein Projekt zusammen mit Wolfgang Seifen geben, worüber ich mich sehr freue. Ansonsten singe ich regelmäßig bei den Taizé-Gottesdiensten in der Kreuzkirche in Berlin.

Außerdem sind Kirchenkonzerte im kleinen Kreis im Mai und Herbst in Berlin  geplant, mit Liedern der Hildegard von Bingen und Taizé.

ZENIT: Was wünschen Sie den Hörern Ihrer neuen CD?

MARISA
: Frieden, Freude und das Glück der Liebe im Leben. In jedem Moment.

Das Interview führte Dominik Hartig