"O Maria, lass uns deinen mütterlichen Blick spüren"

Videobotschaft von Papst Franziskus zur Gebetswache "Mit Maria durch die Nacht"

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 445 klicks

Am Ende des am gestrigen Nachmittag auf dem Petersplatz gesprochenen Mariengebetes wurde die Statue der Gottesmutter von Fatima im Hubschrauber zum Heiligtum „Divino Amore“ gebracht.

Um 19.30 Uhr begann dort das Rosenkranzgebet in Verbindung mit Marienheiligtümern in aller Welt. Im Anschluss daran wurde bis zum Morgengrauen die Gebetswache „Mit Maria durch die Nacht“ gehalten.

Im Folgenden veröffentlichen wir den Text der vor dem Rosenkranzgebet übertragenen Videobotschaft von Papst Franziskus.

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Liebe Brüder und Schwestern,

ich grüße alle Pilger, die in „Divino Amore" versammelt sind, und alle, die an den Marienheiligtümern von Lourdes, Nazareth, Lujan, Vailankanni, Guadalupe, Akita, Nairobi, Banneux, Częstochowa und Marian Valley mit uns verbunden sind.

Heute Abend weiß ich mich mit euch allen im Gebet des Rosenkranzes und in der Eucharistischen Anbetung unter dem Blick der Jungfrau Maria verbunden.

Der Blick! Wie wichtig ist er! Wie viel kann man mit einem Blick sagen! Zuneigung, Ermutigung, Mitleid, Liebe, aber auch Vorwurf, Neid, Stolz, sogar Hass. Oft sagt ein Blick mehr als Worte oder sagt das, was Worte nicht zu sagen vermögen oder wagen.

Auf wen blickt Maria? Sie blickt auf uns alle, auf einen jeden von uns. Und wie schaut sie uns an? Sie schaut uns an wie eine Mutter, voll Zärtlichkeit, Barmherzigkeit und Liebe. So hat sie ihren Sohn angeschaut in allen Momenten seines Lebens – in den freudenreichen, den lichtreichen, den schmerzhaften und den glorreichen Momenten, wie wir sie in den Geheimnissen des Rosenkranzes betrachten – und zwar einfach voll Liebe.

Wenn wir müde und entmutigt sind, wenn wir von den Problemen erdrückt werden, dann schauen wir auf Maria und spüren wir ihren Blick, der zu unserem Herzen spricht: „Nur Mut, mein Kind, ich bin da und stütze dich!" Die Muttergottes kennt uns gut, sie ist eine „Mama" und weiß wohl, welche unsere Freuden und Schwierigkeiten, unsere Hoffnungen und Enttäuschungen sind. Wenn wir die Last unserer Schwachheit, unserer Sünden spüren, dann schauen wir auf Maria, die zu unserem Herzen spricht: „Steh auf, geh zu meinem Sohn Jesus, bei ihm findest du Aufnahme, Barmherzigkeit und neue Kraft, um den Weg weiterzugehen."

Der Blick Marias richtet sich nicht nur auf uns. Unter dem Kreuz, als Jesus den Apostel Johannes und mit ihm uns alle ihr mit den Worten: „Frau, siehe dein Sohn“ (Joh 19,26) anvertraut, da ist der Blick Marias fest auf Jesus gerichtet. Und Maria sagt uns wie bei der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Maria weist auf Jesus hin; sie lädt uns ein, Jesus zu bezeugen; sie führt uns immer zu ihrem Sohn Jesus, denn nur in ihm ist Heil, nur er kann das Wasser der Einsamkeit, der Schwierigkeit und der Sünde in den Wein der Begegnung, der Freude und der Vergebung verwandeln. Er allein.

„Selig ist die, die geglaubt hat!“ (Lk 1,45). Maria ist selig wegen ihres Gottvertrauens, wegen ihres Glaubens; denn der Blick ihres Herzens war stets fest auf Gott gerichtet, auf den Sohn Gottes, den sie ihm Schoß getragen und am Kreuz betrachtet hat. Bei der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments sagt Maria zu uns: „Schau auf meinen Sohn, halte den Blick fest auf ihn gerichtet, hör auf ihn, sprich mit ihm. Er blickt dich in Liebe an. Hab keine Angst! Er wird dich lehren, ihm zu folgen, um ihn in den großen und kleinen Handlungen deines Lebens zu bezeugen, in den Beziehungen in der Familie, bei deiner Arbeit, in festlichen Stunden; er wird dich lehren, aus dir herauszugehen, aus dir selbst heraus, um die anderen in Liebe anzublicken wie er. Nicht mit Worten, sondern mit Taten hat er dich geliebt und liebt er dich!“

O Maria, lass uns deinen mütterlichen Blick spüren, führe uns zu deinem Sohn, mach, dass wir nicht Christen „fürs Schaufenster“ sind, sondern solche, die sich die Ärmel hochkrempeln, um mit deinem Sohn Jesus sein Reich der Liebe, der Freude und des Friedens aufzubauen.

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