Offener Brief an Präsident Obama

Verweigertes Treffen mit Patriarch Bechara Peter Rai

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BROOKLYN, 12. Oktober 2011 (ZENIT.org). - Am 30. September veröffentlichte der Bischof der Eparchie des hl. Maron von Brooklyn, Gregory Mansour, einen offenen Brief an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama, in dem er die Zurückweisung des Patriarchen Bechara Peter Rai seitens der amerikanischen Regierung kritisiert.

[Wir veröffentlichen den Wortlaut des Briefes in einer eigenen Übersetzung:]

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Sehr geehrter Herr Präsident,

ich bin furchtbar enttäuscht über die Zurückweisung des Patriarchen Bechara Peter Rai, der die katholische Führungspersönlichkeit der Maroniten weltweit und einer der respektiertesten christlichen Führungspersönlichkeiten des Libanon und des Mittleren Ostens ist. Das Motto auf seinem Wappen reflektiert seine Persönlichkeit und ruft zur „Einheit und Liebe“ auf. Er hat versucht, etwas zu erreichen, was kein anderer politischer oder religiöser Amtsträger bisher erreicht hat: anderen mit Respekt und Liebe zu begegnen, sich auf keine Seite zu stellen und Brücken zu einer Zukunft zu bauen, die hoffentlich zu Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen im Mittleren Osten führen wird.

Muslimische und christliche Gruppen haben in ihm einen wahren Vater gefunden, einen Patriarchen. Weil er offen über seine Sorge um die Christen im Mittleren Osten gesprochen hat, wurde er von Ihnen und Ihrer Administration zurückgewiesen. Es ist reine Heuchelei für eine Führungspersönlichkeit der freien Welt, ein Treffen mit Patriarch Rai zu verweigern, vor allem, wenn der Premierminister von Israel Teile des Friedensplanes völlig außer Acht lassen kann und ihm ein herzliches Willkommen bereitet wird, und der König von Saudi Arabien, wo die Christen keinerlei Freiheit haben, mit den höchsten Ehren empfangen werden kann. Herr Präsident, Sie ignorieren die Not der Christen im Mittleren Osten!

Patriarch Rais Warnung bezüglich der Zukunft der Christen in Syrien ist nicht gegenstandslos. Christen befinden sich in gleicher Weise in Gefahr wie die Christen, die vor einigen Jahren im Irak lebten, als zwei Drittel von ihnen aus dem Lande geflohen und bis zu heutigen Tag nicht geschützt sind.

Zu sagen, dass der Patriarch Diktatoren unterstützt und sich auf die Seite von Terroristen schlägt, ist reiner Unsinn. Mit seinem einzigartigen Charisma hat sich Patriarch Rai an alle Libanesen gerichtet, mit denen er Seite an Seite leben muss. Es ist ein schönes soziales Engagement, das ihn als Einzigen auszeichnet  und mit dem sich niemand messen kann. Er spricht mit Liebe und beschwichtigt die spaltenden, hasserfüllten Reden vieler. Er schenkt Hoffnung.

Im Mittleren Osten dämmert ein neuer Tag. Der arabische Frühling spielt sich mit der Vision eines Sommers ab, der auf ihn folgen wird. Herr Präsident, Sie müssen mit Patriarch Rai nicht in allem übereinstimmen, aber es ist nicht nötig, ihn zu meiden oder zurückzuweisen. Wenn Sie dies tun, dann zeigen Sie Ihren fehlenden Respekt für ihn und für alle Christen des Mittleren Ostens.

+ Gregory J Mansour

Bischof der Eparchie des hl. Maron von Brooklyn

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]