Offizielle Botschaft des Vatikans zum Ende des Ramadan

Jede Form der Diskriminierung Andersgläubiger beenden

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VATIKANSTADT, 25. August 2011 (ZENIT.org). – Der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Jean-Louis Kardinal Tauran, hat zum Ende des Fastenmonats Ramadan an alle Muslime der Welt gerichtete folgende Botschaft gesendet:

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Christen und Muslime:

Gemeinsam die geistliche Dimension der Menschheit fördern

Liebe muslimische Freunde,

1. Der Abschluss des Fastenmonats Ramadan gibt dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog die willkommene Gelegenheit, seine herzlichsten Wünsche zu übermitteln in der Hoffnung, dass ihre in diesem Monat vollbrachten großen Bemühungen die gewünschten geistigen Früchte tragen mögen.

2. In diesem Jahr hielten wir es für vorrangig, das Thema der geistlichen Dimension der menschlichen Person vorzuschlagen. Es handelt sich dabei um einen Sachverhalt, dem Christen und Muslime angesichts der Herausforderungen des Materialismus und der Säkularisierung besondere Wichtigkeit beimessen. Das Verhältnis eines jeden Menschen zum Transzendenten ist kein geschichtlicher Augenblick, sondern Teil der menschlichen Natur. Wir glauben nicht an das Schicksal, sondern wir sind überzeugt – wie es auch unserer Erfahrung entspricht-, dass Gott uns auf unserem Weg führt!

3. Christen und Muslime erkennen jenseits ihrer Unterschiede die Würde des Menschen an, dem Rechte verliehen und Pflichten auferlegt wurden. Sie denken, dass Verstand und Freiheit ebenso Gaben sind, die die Gläubigen antreiben müssen, die gemeinsam geteilten Werte zu erkennen, weil sie in derselben menschlichen Natur begründet sind.

4. Aus diesem Grund ist die Weitergabe dieser menschlichen und moralischen Werte an die junge Generation ein gemeinsames Anliegen. Es ist unsere Pflicht, sie erkennen zu lassen, dass es das Gute und das Böse gibt, dass das Gewissen ein zu respektierendes Heiligtum ist, dass die Pflege der geistlichen Dimension verantwortlicher, solidarischer und offener für das Gemeinwohl macht.

5. Zu oft sind Christen und Muslime Zeugen von Gewalt am Heiligen, Zeugen des Misstrauens gegenüber denjenigen, die sich als Gläubige bekennen. Wir können nicht anders, als alle Formen von Fanatismus und Einschüchterung, von Vorurteilen und von Auseinandersetzungen zu verurteilen sowie die Diskriminierung, denen Gläubige bisweilen im gesellschaftlichen und politischen Leben aber auch in den Massenmedien ausgesetzt sind.

6. Wir sind Ihnen im Geiste verbunden, liebe Freunde. Wir bitten Gott, dass er Ihnen erneuerte geistige Kraft schenken möge, und überbringen unsere besten Wünsche für Frieden und Glück.

Jean-Louis Kardinal Tauran

Präsident

Erzbischof Pier Luigi Celata

Sekretär

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]