Öffnung der Archive zum Pontifikat Pius XII. in sechs bis sieben Jahren

Klarstellung von P. Lombardi SJ, Direktor des vatikanischen Presseamtes

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ROM, 30. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Während der Begegnung mit Papst Benedikt XVI. hatte der Leiter der Delegation des „Jewish Committee on Interreligious Consultations”, Rabbiner David Rosen, heute, Donnerstag, erneut die Forderung vorgebracht, jene vatikanischen Archive zu öffnen, die den Zeitraum der nationalsozialistischen und faschistischen Diktaturen betreffen. Gleichzeitig bat eines der Mitglieder der Delegation den Papst um eine Aussetzung des Seligsprechungsverfahrens für Pius XII., solange die vatikanischen Archive zu diesem Pontifikat nicht zugänglich seien. Dies berichtete nach dem Empfang bei Benedikt XVI. der Rabbiner David Rosen, der hinzufügte, er schließe sich der Forderung nach einer Aussetzung des Seligsprechungsprozesses nicht an.



Kurz vor dem Besuch der jüdischen Delegation war bekannt geworden, dass wohl noch sechs bis sieben Jahre verstreichen werden müssen, ehe die Archive zum Pontifikat Papst Pius XII. geöffnet werden könnten. Vor diesem Zeitpunkt, so der Direktor des vatikanischen Presseamtes P. Federico Lombardi SJ, sei es „unrealistisch“, an eine Öffnung der Archive für die Forschung zu denken.

Die Struktur des vatikanischen Geheimarchivs sei anders als jene vergleichbarer Archive, insofern es nach Pontifikaten eingeteilt sei. Bei der Öffnung der Archive werde somit nicht an einem festgelegten Zeitplan vorgegangen, wie dies bei anderen Geheimarchiven der Fall sei. P. Lombardi erinnerte daran, dass die Archive heute bis zum Pontifikat Pius’ XI., das heißt bis zum Jahr 1939, geöffnet seien. Diese letzte Öffnung gehe auf das Jahr 2006 zurück. Die Bereitstellung der Archive für die Arbeit seitens der Forscher setze eine umfassende vorbereitende Arbeit der Katalogisierung voraus. Das Personal sei jedoch jetzt schon mit Arbeit eingedeckt, so dass es noch längerer Arbeitszeiten bedürfe.

P. Lombardi erklärte, dass die Archivbestände zum Pontifikat Pius’ XII., an denen zur Zeit für eine Öffnung gearbeitet werde, zu drei großen Gruppen gehören: 1. die Archive der päpstlichen Vertretungen; 2. die Archive des Staatsekretariats; 3. die Archive der römischen Kongregationen sowie anderer vatikanischer Ämter. Insgesamt handle es sich um über 16 Millionen Papiere. Es müssten somit 15.430 Couverts und .2500 Faszikel vorbereitet werden.

„Der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, hat kürzlich erklärt, dass sich mit dem derzeitigen Personal die Arbeitszeit auf mindestens sechs bis sieben Jahre erstrecken wird“, so Lombardi. Vorher „ist es unrealistisch, an eine Öffnung für die Forscher zu denken“. Nach Abschluss der Katalogisierungsarbeiten liege es dann am Papst, über die Öffnung der Archive zu befinden.