Öffnung zum Dialog

Papst Franziskus an Diplomaten

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 322 klicks

Am Montagvormittag hielt Papst Franziskus im Vatikan seine große Neujahrsansprache vor Diplomaten. Derzeit unterhält der Vatikan zu 180 Staaten diplomatische Beziehungen, eine nie dagewesene Zahl. Traditionell empfängt der Papst die Diplomaten dieser Länder Anfang Januar zu einer Audienz. Papst Franziskus nutzte die Gelegenheit zu einer Rede mit politischen Grundsätzen. 

Zu Beginn seiner Rede ging Papst Franziskus auf das Thema der Familie ein. Er äußerte sich besorgt um die vielen zerrissenen Familien und forderte politische Maßnahmen, die die Familie als Institution „unterstützen, fördern und festigen“. Mit dem Satz: „Der familiäre Wortschatz ist ein Wortschatz des Friedens“ zitierte er seinen Vorgänger Benedikt XVI.

„Zudem kommt es vor, dass die alten Menschen als eine Last betrachtet werden, während die Jugendlichen keine sicheren Perspektiven für ihr Leben vor sich sehen. Stattdessen sind die alten und die jungen Menschen die Hoffnung der Menschheit. Erstere bringen die Weisheit der Erfahrung ein; letztere öffnen uns auf die Zukunft hin, indem sie uns hindern, uns in uns selbst zu verschließen. Es ist klug, die alten Menschen nicht aus dem Gesellschaftsleben auszugrenzen, um das Gedächtnis eines Volkes lebendig zu halten. Ebenso ist es gut, in die Jugendlichen mit geeigneten Initiativen zu investieren, die ihnen helfen, eine Arbeit zu finden und ein eigenes Heim zu gründen. Man darf ihre Begeisterung nicht auslöschen!“

Anschließend ging Papst Franziskus auf die Krisengebiete in vielen Teilen der Welt ein. Er sagte, er blicke dennoch auf das neue Jahr mit Zuversicht und gebe die Hoffnung auf Frieden in Syrien nicht auf.

„Es bedarf eines erneuten gemeinsamen politischen Willens, um dem Konflikt ein Ende zu setzen. Aus dieser Sicht hoffe ich darauf, dass die für den kommenden 22. Januar einberufene „Genf 2“-Konferenz den Anfang des ersehnten Weges der Befriedung setzt. Zugleich ist die volle Achtung der Menschenrechte unumgänglich. Es ist unannehmbar, dass die wehrlose Zivilbevölkerung heimgesucht wird, vor allem die Kinder. Ich ermutige außerdem alle, auf jede mögliche Weise die notwendige und dringende Hilfe für einen großen Teil der Bevölkerung zu fördern und zu gewährleisten.“ 

Diesbezüglich äußerte sich Papst Franziskus ebenfalls besorgt über die Situation in Ägypten. Mit Genugtuung sehe er die bedeutenden Fortschritte bezüglich der Atomgespräche zwischen dem Iran und den westlichen Staaten. Er sagte:

„Überall muss zur Lösung offener Probleme der diplomatische Weg des Dialogs beschritten werden. Es ist der Königsweg... In diesem Sinn ist es positiv, dass die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufgegriffen wurden, und ich wünsche mir von Herzen, dass die Parteien entschlossen sind, mutige Entscheidungen zu treffen, um eine gerechte und dauerhafte Lösung für den Konflikt zu finden... Unaufhörlich bleibt der Exodus der Christen aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika ein Grund zur Sorge.“

Des Weiteren ging Papst Franziskus auf die Lage in Afrika ein. Die Christen dürften nie mit der humanitären Hilfe im Land aufhören, auch wenn sie unter Intoleranz und Verfolgung litten.

„In weiten Gebieten Nigerias hört die Gewalt nicht auf, und es wird weiter viel unschuldiges Blut vergossen. Ich denke vor allem auch an die Zentralafrikanische Republik, wo die Bevölkerung aufgrund der Spannungen leidet, die das Land durchziehen... Ich hoffe darauf, dass die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft dazu beitragen, dass die Gewalt aufhört, der Rechtsstaat wiederhergestellt wird und den humanitären Hilfen der Zugang auch in den entlegenen Zonen des Landes gewährleistet wird.“

Auch für Mali und den Süd-Sudan hoffe er auf Frieden und Versöhnung. Während er sich bezüglich der Wiederherstellung der demokratischen Strukturen auf Mali positiv äußerte, zeigte er sich in Anbetracht der erneuten humanitären Notlage und angesichts der politischen Instabilität im Land als äußerst besorgt. Im Anschluss ging der Heilige Vater auf Asien ein, wo ihm besonders das geteilte Korea am Herzen lag.

„Anlässlich des 50. Jahrestags der diplomatischen Beziehungen mit der Republik Korea möchte ich Gott um das Geschenk der Versöhnung auf der Halbinsel anflehen mit dem Wunsch, dass die betroffenen Parteien zum Wohl des ganzen koreanischen Volkes nicht müde werden, Begegnungspunkte und mögliche Lösungen zu suchen. Asien hat nämlich eine lange Geschichte eines friedlichen Miteinanders seiner verschiedenen zivilen, ethnischen und religiösen Komponenten. Man muss diese gegenseitige Achtung fördern...“ 

Papst Franziskus wünschte, dass in allen Ländern Asiens die Rechte und Freiheiten von Christen respektiert würden. Im Folgenden ging er auf die Tatsache ein, dass die Menschen in vielen Teilen der Erde unter Hungersnot litten, was den Friedensprozess bedrohe.

„Die Gesichter derer, die Hunger leiden, vor allem der Kinder, können uns nicht gleichgültig lassen, wenn wir daran denken, wie viele Lebensmittel jeden Tag verschwendet werden, und zwar in vielen Teilen der Welt, in der jene – wie ich es mehrfach genannt habe – „Wegwerf-Kultur“ herrscht. Leider werden heute nicht nur Nahrung und überflüssige Güter zu Abfall, sondern oft werden sogar die Menschen „weggeworfen“, als wären sie „nicht notwendige Dinge“. Zum Beispiel erregt allein der Gedanke Entsetzen, dass es Kinder gibt, die als Opfer der Abtreibung niemals das Licht der Welt erblicken können, oder Kinder, die als Soldaten benutzt werden, in bewaffneten Konflikten vergewaltigt oder getötet werden, oder die in jener schrecklichen Form moderner Sklaverei, nämlich dem Menschenhandel, zur Marktware gemacht werden, der ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt.“

Der Hunger der Menschen dürfe niemanden gleichgültig lassen. Oft handle es sich bei ihnen um Flüchtlinge in Auffanglagern, wo sie auf eine Nummer reduziert würden. Der Wunsch nach einem besseren Leben führe zu tragischen Situationen, wie die der afrikanischen Flüchtlinge auf der Flucht nach Europa, wie die Insel Lampedusa.

„Der kurze Besuch, den ich im letzten Juli auf Lampedusa gemacht habe, um für die vielen Schiffbrüchigen im Mittelmeer zu beten, ist mir noch in lebendiger Erinnerung. Leider herrscht eine große Gleichgültigkeit angesichts ähnlicher Tragödien, was ein dramatisches Zeichen für den Verlust jenes Sinns für brüderliche Verantwortung ist, auf den sich jede Zivilgesellschaft gründet.“

Der Friedensprozess werde ebenfalls durch die Ausbeutung der Umweltressourcen bedroht. Die Politik müsse nachhaltig die Verantwortung vor den kommenden Generationen übernehmen.

„Ich erinnere an eine Volksweisheit, die sagt: »Gott vergibt immer, wir vergeben manchmal, die Natur – die Schöpfung – vergibt nie, wenn sie misshandelt wird!« Andererseits haben wir die verheerenden Auswirkungen einiger der jüngsten Naturkatastrophen vor Augen gehabt. Insbesondere möchte ich noch einmal an die zahlreichen Opfer und die schweren Verwüstungen auf den Philippinen und in anderen Ländern Südostasiens erinnern, die der Taifun Haiyan verursacht hat.“