"Ohne die Liebe Gottes gibt es kein wahres Fest für den Menschen!"

Ansprache des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 364 klicks

Die Generalaudienz begann heute Vormittag um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Gläubigen und Pilgern aus Italien und allein Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Ansprache verweilte der Papst bei seiner jüngsten apostolischen Reise, die ihn anlässlich des Weltjugendtages nach Brasilien geführt hatte.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen richtete der Papst einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen. Anschließend forderte er im Rahmen eines Appells dazu auf, den am kommenden Samstag auf dem Petersplatz stattfindenden Gebets- und Fasttag für den Frieden in Syrien, im Nahen Osten und in aller Welt intensiv zu leben.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunser und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren die Ansprache des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung:

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Nach den Ferien im August wollen wir unseren Weg der Katechese nun wieder aufnehmen. Heute möchte ich jedoch auf meine Reise nach Brasilien zum Anlass des Weltjugendtages eingehen. Zwar liegt sie nun über einen Monat zurück, doch ich halte es für wichtig, dieses Ereignis erneut zu betrachten, dessen Bedeutung aus zeitlicher Distanz tiefer verstanden werden kann.

Zunächst möchte ich dem Herrn dafür danken, denn durch seine Vorsehung wurde alles gelenkt. Da ich vom amerikanischen Kontinent stamme, war dies für mich ein großes Geschenk! Auch Unserer Lieben Frau von Aparecida möchte ich für ihre Begleitung auf dieser Reise meinen Dank aussprechen: Ich habe eine Pilgerfahrt zum großen brasilianischen Nationalheiligtum unternommen und ihr verehrtes Bild war auf der Bühne des WJT stets gegenwärtig. Dies hat mich mit tiefer Freude erfüllt, da Unsere Liebe Frau von Aparecida für die Kirchengeschichte Brasiliens, aber auch für jene Lateinamerikas insgesamt von großer Bedeutung ist. In Aparecida hielten die Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik mit Papst Benedikt XVI. eine Generalversammlung ab. Dies kennzeichnete einen wesentlichen Abschnitt auf dem pastoralen Weg in diesem Teil der Welt, in dem der größte Teil der katholischen Kirche beheimatet ist.

Ich möchte den zivilen und kirchlichen Autoritäten, den Freiwilligen, den Verantwortlichen für die Sicherheit, den Pfarrgemeinden Rio de Janeiros und anderer Städte Brasiliens, von denen die Pilger mit großer Brüderlichkeit aufgenommen wurden, erneut meinen Dank aussprechen. Der Empfang durch die brasilianischen Familien und Pfarrgemeinden zählte zu den schönsten Aspekten dieses WJT. Die Brasilianer sind gute Menschen. Sie sind gute Menschen! Ihr Herz ist wahrhaft groß. Eine Pilgerreise ist stets mit Unannehmlichkeiten verbunden, doch ein Empfang hilft, diese zu überwinden. Er birgt die Chance für die Entstehung von Bekanntschaften und Freundschaften und bringt vor allem im Gebet dauerhafte Bindungen hervor. Auch auf diese Weise wächst die Kirche in der gesamten Welt, wie ein Netz wahrer Freundschaften in Jesus Christus; ein Netz, das befreit indem es umschließt. „Empfang“ ist somit das erste Wort in Zusammenhang mit der Erfahrung der Reise nach Brasilien. Empfang!

Als weiterer subsummierender Begriff könnte „Fest“ genannt werden. Der WJT ist stets ein Fest, denn wenn eine Stadt sich mit jungen Männern und Frauen füllt, die die Straßen mit den Fahnen aus aller Welt schmücken, einander begrüßen und umarmen, so ist das ein wahres Fest. Es ist ein Zeichen für alle, nicht nur für die Gläubigen. Ein größeres Fest ist dann jenes des Glaubens, an dem man den Herrn gemeinsam preist, an dem man singt, das Wort Gottes hört und in stiller Anbetung verharrt: All dies erreicht mit dem WJT seinen Höhepunkt, dem wahren Ziel dieser großen Pilgerreise. In besonderer Weise wurde dies während der großen Vigil am Samstagabend und der Abschlussmesse erfahrbar. Dies ist das große Fest, das Fest des Glaubens, der Brüderlichkeit, die in dieser Welt beginnt und niemals enden wird. Doch ohne den Herrn wäre all dies nicht möglich! Ohne die Liebe Gottes gibt es kein wahres Fest für den Menschen!

Nach Empfang und Fest muss jedoch noch ein drittes Element hinzugefügt werden: Mission. Dieser WJT war gekennzeichnet von einem missionarischen Thema: „Geht, und macht alle Völker zu meinen Jüngern“. Wir haben das Wort Jesu vernommen: Die Mission ist es, die alle Menschen von ihm empfangen! Sie ist der Auftrag des auferstandenen Christus an seine Jünger: „Geht hinaus“ aus euch selbst, überwindet jede Form der Verschlossenheit, um das Licht und die Liebe es Evangeliums zu allen Menschen zu bringen, bis zu den äußersten Randgebieten des Daseins! Diesen Auftrag Jesu übertrug ich den jungen Menschen, die den Strand von Copacabana flächendeckend füllten. Das Ufer des Ozeans — ein symbolischer Ort. Er erinnerte an das Ufer des Sees von Genezareth. So sagt der Herr auch heute noch: „Geht hinaus …“ und fügt hinzu: „Ich bin bei euch, alle Tage …“. Dies ist von wesentlicher Bedeutung! Nur mit Christus können wir das Evangelium überbringen. Ohne ihn vermögen wir nichts – er selbst hat uns dies gesagt (vgl. Joh 15,5). Mit ihm, vereint mit ihm, können wir hingegen vieles vollbringen. Auch ein junger Mann, eine junge Frau zählt in den Augen der Welt nur wenig oder nichts. In den Augen Gottes ist er oder sie jedoch ein Verkünder des Reiches, Träger der Hoffnung für Gott! An alle jungen Menschen möchte ich lautstark die folgende Frage richten, aber sind heute junge Menschen auf dem Petersplatz zugegen? Es gibt einige! Euch alle möchte ich eindringlich fragen: wollt ihr Hoffnungsträger für Gott sein? Wollt ihr Zeichen der Hoffnung sein! [junge Menschen: „Ja!“] Wollt ihr Hoffnung für die Kirche sein? [junge Menschen: „Ja!“] Ein junges Herz, das die Liebe Christ aufnimmt, verwandelt sich in Hoffnung für die anderen Menschen; es besitzt eine unendliche Kraft! Ihr jungen Männer und Frauen, ihr jungen Menschen, ihr müsst uns verwandeln und euch in Hoffnung verwandeln! Öffnet die Tore zu einer neuen Welt der Hoffnung. Das ist eure Aufgabe. Wollt ihr Hoffnung für uns alle sein? [junge Menschen: „Ja!“]. Denken wir an die Bedeutung dieser Vielzahl von jungen Menschen, die dem auferstandenen Christus in Rio de Janeiro begegnet sind und seine Liebe jeden Tag ins Leben tragen. Sie leben und teilen mit. In den Zeitungen steht nichts über sie geschrieben, da sie keine Gewaltakte verüben, keine Skandale verursachen und daher keine Schlagzeilen machen. Wenn sie jedoch mit Jesus vereint bleiben, werden sie sein Reich errichten und Brüderlichkeit, Miteinander und Werke der Barmherzigkeit verwirklichen. Sie sind eine große Stärke für eine gerechtere, schönere Welt, für die Verwandlung der Welt! Ich möchte die hier versammelten jungen Männer und Frauen nun folgendes fragen: Habt ihr den Mut, diese Herausforderung anzunehmen?[junge Menschen: „Ja!“] Habt ihr wirklich den Mut dazu? Ich habe wenig gehört …[junge Menschen: „Ja!“] Könnt ihr euch dafür begeistern, diese Kraft der Liebe und der Barmherzigkeit zu sein, die den Mut hat, die Welt verändern zu wollen? [junge Menschen: „Ja!“]

Liebe Freunde, die Erfahrung des WJT erinnert uns an die wahrhaft große Neuigkeit der Geschichte, die Gute Nachricht, wenngleich sie nicht über die Zeitungen oder das Fernsehen zu uns gelangt: Wir sind von Gott geliebt, unserem Vater, der seinen Sohn Jesus gesandt hat, um jedem von uns seine Nähe zu erweisen und uns zu retten. Er hat Jesus gesandt, um uns zu retten und uns alle Sünden zu vergeben, denn er schenkt stets Vergebung. Er vergibt uns immer, denn er ist gut und barmherzig. Erinnert euch daran: Empfang, Fest und Mission. Diese drei Worte: Empfang, Fest und Mission. Diese Worte sollen nicht nur eine Erinnerung an das Ereignis von Rio sein, sondern den Geist unseres Lebens und unserer göttlichen Gemeinschaft darstellen, der zum Bau einer durch mehr Gerechtigkeit und Solidarität geprägten Welt beiträgt.

Am kommenden Samstag werden wir gemeinsam einen besonderen Gebets- und Fasttag für den Frieden in Syrien, dem Nahen Osten und der gesamten Welt begehen. Er soll auch im Zeichen des Friedens in unserem Herzen stehen, denn der Friede beginnt im Herzen! Ich erneuere die Einladung an die gesamte Kirche, diesen Tag intensiv zu leben. Von diesem Augenblick an danke ich den anderen christlichen Brüdern, den Brüdern der anderen Religionen und den Männern und Frauen guten Willens, die sich an ihren Orten und auf ihre Weise mit diesem Ereignis verbinden. Im Besonderen ermahne ich die Gläubigen Roms und die Pilgern zur Teilnahme an der Gebetsvigil, die um 19.00 Uhr hier auf dem Petersplatz zur Anrufung des Herrn um das große Geschenk des Friedens abgehalten werden wird. Möge sich der Schrei nach Frieden in aller Welt erheben!