Ohne eure Hände können wir nicht leben

In Kamerun helfen Karmelitinnen den Ärmsten der Armen

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MÜNCHEN, 31. Juli 2012 (ZENIT.org/KIN). - Sie leben hinter Klostermauern oder in Wellblechhütten, führen in bürgerlichen Stadtbezirken Altenheime oder in heruntergekommenen Vierteln Sozialstationen. Sie sind Bestandteil fast jeder Kultur. In aller Welt setzen sich Ordensfrauen für andere Menschen ein und geben ihnen Hoffnung, ohne für ihren Dienst Applaus zu erwarten. Ihr ganzes Leben widmen sie Gott und dem Gebet. Für viele Schwestern bedeutet dieser Dienst an Gott zugleich Dienst am Menschen, Hilfe für die Ärmsten der Armen. Das gilt auch für die Karmelitinnen vom Kinde Jesu in Dimako im zentralafrikanischen Kamerun. Seit 30 Jahren sind sie in Afrika vertreten.

Die Ordensgemeinschaft wurde 1921 in Polen gegründet. 2003 kamen die Schwestern auch nach Dimako in Kamerun. Jan Ozga, der ebenfalls aus Polen stammende Bischof der Diözese Doumé-Abong’ Mbang hatte die Schwestern gebeten, in der Stadt eine seit 17 Jahren verwaiste Missionsstation zu übernehmen. Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not" half bei der Renovierung des Gebäudes. Die Karmelitinnen haben den Ort zu neuem Leben erweckt. Sie heißen alle willkommen, „die ein Leben als Kinder Gottes suchen", wie die Schwestern betonen, unabhängig von Stammeszugehörigkeit oder Religion.

Dimako ist eine Kleinstadt im Südosten Kameruns mit rund 32 000 Einwohnern. Kamerun ist ein junges Land, zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt. Die Armut ist hier greifbar, in der Stadt leben viele vor allem von dem, was sie anbauen. Für die eigene Gesundheit und die der Angehörigen sowie die Ausbildung der Kinder reichen die bescheidenen Mittel in der Regel nicht aus. Hilfe erfahren die Menschen von den Karmelitinnen.

Gegenwärtig leben in Dimako fünf Schwestern und eine Aspirantin. Drei stammen aus Polen, je eine aus Burundi und der Demokratischen Republik Kongo; die Aspirantin ist Kamerunerin. Täglich versorgen zwei Karmelitinnen, die über eine Ausbildung als Krankenschwester verfügen, rund 30 Patientinnen und Patienten. Neben der Krankenstation unterhalten die Karmelitinnen einen Kindergarten sowie eine Grundschule. Zurzeit werden beide Einrichtungen regelmäßig von mehr als zweihundert Kindern besucht. Sie werden hier nicht nur schulisch betreut, sie werden auch verpflegt. Ein Kind habe sich einmal mit den Worten bedankt, „ohne eure Hände können wir nicht leben“, erzählt die aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Schwester Jacqueline Tshibangu im Gespräch mit „Kirche in Not".

Die Schwestern sind auch in der Jugendpastoral aktiv. Sie leiten Katechesen für Kinder und Jugendliche und bereiten sie auf Erstkommunion und Firmung vor. Ein besonderes Anliegen der Karmelitinnen ist neben der Förderung der armen und bedürftigen Menschen die Stärkung von Frauen. "Wir ermuntern sie, sich zu bilden und erst später zu heiraten", betont Schwester Ilona Firszt, die aus Polen stammt. Zugang zu Bildung sei gerade für Frauen immens wichtig, weil sie deren Situation nachhaltig verändern könne. „Wir sprechen natürlich auch über Sexualaufklärung und natürliche Empfängnisregelung", ergänzt Schwester Tshibangu.