Ohne Gott weiß der Mensch nicht, wohin er gehen soll

Wie die Soziallehre der Kirche den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellt

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Von Diego Fabián Arias Padilla, Katholische Universität San Pablo

ROM, 9. Februar 2012 (ZENIT.org). - Ohne Gott weiß der Mensch weder, wohin er gehen soll, noch gelingt es ihm zu verstehen, wer er ist (1). Mit diesen Worten beginnt der Schlussteil in „Caritas in veritate" von Seiner Heiligkeit Benedikt XVI. Dieser Satz enthält vor allem die unverblümte Botschaft, wie die Soziallehre der Kirche  in der Gesellschaft umgesetzt werden müsste. In der Tat, die Schlussbotschaft, die auch die Botschaft der kirchlichen Soziallehre sein müsste, schärft ein, dass das Haupthindernis des Menschen für die Entwicklung darin besteht, den Schöpfer beiseite zu lassen, so dass die Entwicklung zu einem unmenschlichen Humanismus wird (2).

Die kirchliche Soziallehre ist das Werkzeug, das wir im Inneren der Kirche benutzen können, um mit den verschiedenen Wissenschaften ins Gespräch zu kommen, weil sie in sich eine interdisziplinäre Dimension hat (3), die es ihr ermöglicht, die Gesellschaft zu erreichen, dank eines komplexen Studiums derselben Gesellschaft und eines Bewertungsmaßstabs für die Ergebnisse der verschiedenen Gesellschaftswissenschaften (4).

Die Gesellschaftswissenschaften und die kirchliche Soziallehre stehen in enger Beziehung zueinander, nicht aufgrund eines moralischen Erfordernisses, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie (die Wissenschaften), gerade weil sie Wissenschaften sind und aus erkenntnistheoretischen Gründen (5) Beziehungen berücksichtigen müssen, die zwar aus ihnen entstehen, die man jedoch weder in ihnen gründen noch auf sie hin ausrichten kann. Deshalb hat die kirchliche Soziallehre etwas zu sagen, da sie gemäß ihrem moraltheologischen Wesen (6) dem Verhalten der Menschen Orientierung gibt (7).

Wenn es den Weg der kirchlichen Soziallehre, der grundsätzlich der Weg der Liebe als Hauptwert ist, nicht gäbe, könnte es beispielsweise keine Beziehung zwischen Markt und Solidarität geben. Der Weg der Liebe, der sich nicht nur auf begrenzte Beziehungen beschränkt, muss in Wirklichkeit der höchste und universale Maßstab der ganzen Sozialethik sein (8). Sie muss die zentrale Bedeutung der menschlichen Person betrachten, die in der Gesellschaft und in den Gesellschaftswissenschaften gegenwärtig ist,  und muss dies natürlich mit Hilfe der kirchlichen Soziallehre tun.

Die Gesellschaft, die verschiedene Kenntnisse und Handlungsträger mit sich bringt, braucht die kirchliche Soziallehre. In ihr kann und muss die Kirche mit dem konkreten Bereich des Wissens sprechen. Durch die kirchliche Soziallehre kann sich das Vertrauen in die Kirche verwirklichen. In der kirchlichen Soziallehre kann die erdachte Theorie des Lehramtes umgesetzt werden und sich vor allem konkret zeigen. Diese besondere Arbeit ist die Aufgabe des Laien: Wenn er sein moralisches und geistliches Leben intensiviert, kann er auf direktem Wege diesen echten sozialen Wandel in der zivilen Gesellschaft herbeiführen, bei seiner Arbeit, im Unternehmen, in den Schulen, an der Universität. Wenn es dem Laien gelingt, den Weg der Liebe bei seinen alltäglichen Handlungen und in seinen menschlichen Beziehungen anzuwenden, wird die multiplikatorische Wirkung dieses Tuns grenzenlos sein, und wir können sagen, dass es die Erfüllung des Satzes wäre: „Vergesst niemals, dass die Guten am Ende immer siegen" (9).

Durch ihren Weg der Liebe und durch das Betrachten ihrer interdisziplinären Dimension stellt die kirchliche Soziallehre die notwendigen Kräfte zur Verfügung, um bei den neuen Erscheinungsformen in der gegenwärtigen Gesellschaft einen sozialen Wandel zu bewirken. Erstens durch das Unternehmertum, besonders durch die soziale Verantwortung des Unternehmertums, und zweitens an den katholischen Universitäten. Beide mit Hilfe spezieller Möglichkeiten, aber mit demselben Instrument (das die kirchliche Soziallehre darstellt). Wir haben die kirchliche Soziallehre als den richtigen Weg gefunden und ergriffen, um die Geschäftswelt und die Ethik miteinander ins Gespräch zu bringen. Ebenso haben wir bedacht, dass die kirchliche Soziallehre der richtige Ort ist, um die Identität und die Sendung der katholischen Universität schrittweise stärken zu können, um auf die Bedürfnisse „Ex Corde Ecclesiae" (aus dem Herzen der Kirche) zu antworten. Wir wissen, dass der aufgezeigte Weg schwierig ist und dass wir noch die konkrete Art finden müssen, um von der Theorie zur Tat überzugehen, um unsere Sendung als Laien zu erfüllen. Trotzdem ist es eine große Herausforderung, bei der wir uns verantwortungsvoll engagieren. Wir sind uns bewusst, dass wir durch die Hilfe aller weiter lernen können, damit die kirchliche Soziallehre nicht als ein abstraktes Studium von Prinzipien angesehen wird, sondern als die richtige Methode, um den Menschen in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen, und als  jenes wichtige Werkzeug zur Evangelisierung, das darin besteht, im Augenblick der Weitergabe zu vertrauen und besonders zu glauben, dass man ohne Gott nicht weiß, wohin man gehen soll.

(1) Benedikt XVI., Caritas in veritate, Nr. 78.

(2) Ebd.

(3) Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Kompendium der kirchlichen Soziallehre, Nr. 76.

(4) P. Asolan, F. Felice, Apuntes sobre la doctrina social de la Iglesia: Las Tareas pendientes de la pastoral social, S. 145, Fondo Editorial UCSP, Arequipa - Perú.

(5) G. Crepaldi, S. Fontana, La dimensione interdisciplinare della Dottrina sociale della Chiesa, Cantagalli, Siena 2006, S. 129.

(6) Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Kompendium der kirchlichen Soziallehre, Nr. 73.

(7) Johannes Paul II., Sollicitudo rei socialis, Nr. 41.

(8) Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Kompendium der kirchlichen Soziallehre, Nr. 204.

(9) S. Zamagni, L'economia del bene comune, Città Nuova Rom, S. 13.

[Übersetzung des italienischen Originals von Dr. Edith Olk]